Best of 2012: Ein Abend mit Sandra Maischberger

»Ultras: Die Taliban der Fußballfans!«

»Kicker, Kohle, Krawalle – Wer regiert den König Fußball?« Unter diesem Motto diskutierte Sandra Maischberger zu Saisonbeginn in einem legendär schlechten Talk u.a. mit Marijke Amado, Bernd Stelter und Udo Lattek. Gesprochen wurde über die Taliban, Geschlechtskrankheiten und Mark Zuckerberg. Kurz: Über alles.

ARD

Nach etwa fünfzehn Minuten platzt Rolf Töpperwien das erste Mal der Kragen. »Es flogen Pflastersteine«, wutschnaubt der Grandseigneur des rasenden Reportertums. »Ich sah, wie Menschen Autos anpinkelten, und auf dem Hotelzimmer stellten sie uns das warme Wasser ab.« Wer jetzt einschaltet, bleibt dran. Ganz egal, woher sein Frontbericht stammt, aus Peter Scholl-Latours Biografie, aus einer losen Erinnerung an den guatemaltekischen Bürgerkrieg oder aus seinem Nahkampferfahrung beim Relegationsspiel im Düsseldorfer Rheinstadion – Töppi hat sie. Wieder mal. Wie damals, in Hamburg 1988, die Bremsspur Ronald Koemans im Trikot von Olaf Thon. Oder Mailand 1990, die Spucke Frank Rijkaards in der Nackentapete von Rudi Völler. Töppi hat alles gesehen, alles erlebt, immer im Gefecht. Nach der WM 1994 ging nichts mehr, erzählt er später. In den USA durchgeackert wie die Pferde. Urlaub. Ein halber verdammter Tag. Nun sind die Münder geöffnet, denn wenn das alte Schlachtross Töppi erzählt, bleibt nur: Staunen. 

Es ist Dienstagabend, kurz nach Elf, draußen sind immer noch 25 Grad, und im Ersten diskutieren Menschen bei Maischberger in der Sendung »Menschen bei Maischberger«. Das Thema des Abends lautet: »Kicker, Kohle und Krawalle – Wer regiert die Fußballwelt?« Eine Frage mindestens so alt wie Rolf Töpperwien. Werden wir heute ihre Antwort erfahren?

Klar, dass Sandra Maischberger über Fußball sprechen möchte. Demnächst ist EM, zuletzt war Chaos. Wer in den vergangenen Wochen noch ins Stadion ging, musste verrückt oder lebensmüde oder beides sein. In Köln Anarchie, in Karlsruhe Plünderungen, in Düsseldorf das Ende der Welt. Fußball war gefährlicher als Black Metal geworden.

Als B. Kerner sich in Lebensgefahr begab

Am Montag sah man Johannes B. Kerner live in Frank Plasbergs Sendung »Hart, aber fair« wagemutig ein bengalisches Feuer zünden. Er demonstrierte, wie ein handelsübliches Kind in Flammen aufgehen kann, wenn es neben dem handelsüblichen Krawallmacher steht. Der Allzweck-Moderator kernerte handelsüblich: »Wer noch glaubt, das sei stimmungsvoll, der gehört...« Eingewiesen? Ausgewiesen? Wir wissen es nicht, denn er wollte den Satz nicht so beenden, wie er es sich eigentlich gedacht hatte.

Doch das war vollkommen okay, denn eigentlich war bereits alles gesagt worden. Der DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hatte unlängst dafür plädiert, die Stehplätze wieder abzuschaffen, und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte zuletzt: »Was wir jetzt erlebt haben, zeigt, dass die Gewalt in den Stadien die größte Bedrohung für den Fußball ist.« Zwischendurch sprachen Anwälte und Vereine von «Blutbädern« und »Todesangst«. Nur: Wem konnte man dieses ganze Dilemma ankreiden? War der moderne Fußball mit seinem turbokapitalistischen System etwa Schuld an der Misere? Regiert das Geld den Fußball? Oder regieren die Fans den Fußball? Und wie ist eigentlich das Wiedergutmachungsspiel für Arjen Robben ausgegangen, das am Abend stattfand?

Zu Gast: Rolf Töpperwien, Marijke Amado und Bernd Stelter

Sandra Maischberger hatte zur Klärung der Fragen fachkundiges Personal in ihre Sendung eingeladen: Die Ex-Fußballer bzw. -Trainer Mario Basler und Udo Lattek sowie die Ex-Sportjournalisten Rolf Töpperwien und Werner Schneyder. Daneben saß Marijke Amado. Richtig, die moderierte vor Ewigkeiten mal die »Mini Playback Show«, bei »Menschen bei Maischberger« sitzt sie nur aus einem Grund: Sie ist Holländerin und trägt einen orangefarbenen Schal.

Kai Pflaume sollte eigentlich auch kommen. Man kennt ihn aus der Sendung mit dem Kai-Pflaume-Wohnmobil. Er hat vermutlich noch andere Dinge gemacht, denn auf seiner Wikipedia-Seite steht: »Im sozialen Netzwerk Facebook gehört er zu den beliebtesten deutschen Prominenten.« Doch Kai Pflaume ist krank, es gibt nicht mal eine Kai-Pflaume-Videobotschaft. Dafür aber einen Ersatzmann: Bernd Stelter. Was ihn für die Sendung qualifiziert, steht gleich im ersten Satz seines Wikipedia-Eintrags: »Bernd Stelter ist Karnevalist.«

Muss man auf die Taliban der Fans Rücksicht nehmen?

Seinen ersten großen Auftritt hat die Frohnatur aus Unna gleich beim Stichwort Ultras. Stelter urteilt: »Die Fratze des Fußballs!« Und: »Diese Leute nennen sich ›Wilde Horde‹ und finden das cool!« Regieren sie etwa den Fußball? Und wenn ja, wer sind diese Ultras nur? »Die Taliban der Fußballfans!«, sagt Sandra Maischberger bestimmt. »Muss man auf die Rücksicht nehmen?«

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