Best of 14: Ibrahimovic spendiert Behinderten-Team die WM

Mehr als Daumen hoch

Zlatan Ibrahimovic ist ein überragender Fußballer – und offenbar auch ein überragender Charakter. In diesem Jahr hat er der schwedischen Nationalmannschaft für geistig Behinderte ihre Reise zur Weltmeisterschaft nach Brasilien bezahlt.

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Gemeinhin wird im Fußball zu viel geredet. Auch über die Verantwortung, die Spieler gegenüber der Gesellschaft haben. Schließlich sind sie ja Vorbilder für Hunderttausende Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene. In der Regel drückt sich ihr gesellschaftliches Engagement dadurch aus, dass sich Spieler mit ihrem ausgestrecktem Daumen vor großflächigen Bannern ablichten lassen. Auf denen steht »Keine Macht den Drogen«, »Rettet den Regenwald« oder »Geh’ Deinen Weg«. Dann steigen sie mit ihrer Entourage in ein großes Auto und fahren zum nächsten Termin. Vielleicht ein Fanklubtreffen. Vielleicht eine Massage. Vielleicht auch nur das Mittagessen. Würde man diese Spieler nur zehn Minuten nach jenen Fotos vor den großflächigen Bannern fragen, für was sie da gerade posiert haben, die Antworten wären ernüchternd. Oder auswendig gelernt. Verantwortung zeigen, das ist für viele Fußballer eine lästige Pflichtaufgabe. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Den Kopf voller Rauschmittel

Nun kann man 21-jährigen Millionären kaum vorwerfen, dass sie sich nicht mit Herzblut und Eifer für die Rettung von Baumkolonien im Amazonagebiet einsetzen oder gegen den Konsum von Rauschmitteln stark machen. Auch wir hatten mit 21 Jahren andere Dinge im Kopf. Zum Beispiel Rauschmittel. Und dennoch bekommt man mitunter den Eindruck, dass ein solch blutleeres Engagement vieler Kicker der Glaubwürdigkeit diverser Kampagnen eher schadet.

Umso schöner, dass es auch hier Ausnahmen gibt. Und es ist fast schon unangenehm, dass eine dieser Ausnahmen ausgerechnet der Spieler ist, der so verdammt viel richtig macht, dass man annehmen könnte, er sei tatsächlich kein normaler Mensch, sondern ein Fußballheiliger. Ja, wir meinen Zlatan Ibrahimovic.

»Was zur Hölle willst du mit einem Trikot?«

Da sich die schwedische Nationalmannschaft der geistig Behinderten die Reise zur anstehenden Weltmeisterschaft nach Brasilien nicht leisten konnte, begab sich Stefan Jonsson, Co-Trainer des Teams, auf die Suche nach Mitteln und Wegen, um die Kosten durch Spenden zu finanzieren. Dazu fragte er alle schwedischen Nationalspieler, ob sie eines ihrer Trikots zur Versteigerung bereitstellen würden. Johan Elmander, Per Nilsson, Andreas Isaksson, Kim Källström und viele andere sicherten ihre Trikots zu. Nur Zlatan Ibrahimovic nicht. Der fragte nur: »Was zur Hölle willst du mit einem Trikot?« Jonsson wollte sich gerade erklären, als Ibrahimovic nachlegte: »Was kostet die Reise?« Die Reise kostet das Team circa 350.000 Kronen, knapp 39.000 Euro. Zlatan fragte Jonsson nach seiner Kontonummer – und spendierte der Mannschaft die Reise zur WM, die noch bis zum 29. August läuft.

»Fußball sollte von jedem gespielt werden, unabhängig vom Geschlecht, der Behinderung oder was auch immer«, sagte der Stürmer von Paris St. Germain der schwedischen Zeitung »Aftonbladet« und ergänzte: »Als wir die WM verpasst haben, war ich zutiefst enttäuscht, dann habe ich von diesem Team gehört und ich mir selbst gesagt, dass ich alles tun will, um ihnen zu helfen, eine Weltmeisterschaft zu erleben.« Mittlerweile ist die Mannschaft in Brasilien angekommen. Auf ihrer Facebook-Seite jubelten sie jüngst: »Unglaublich, alle Hotelzimmer sind bezahlt!« An dieser Stelle lassen wir mal kurz Zeit zum Durchatmen.

Nun darf man nicht vergessen zu erwähnen, dass Ibrahimovic in Paris derzeit ein Jahresgehalt von knapp 14 Millionen Euro bezieht. Die Steuern übernimmt angeblich der katarische Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, Besitzer von Paris St. Germain. Damit verdient der schwedische Stürmer knapp 270.000 Euro pro Woche. Und so weh es auch tut, dies zu schreiben: Die gespendete Summe von 39.000 Euro streicht Ibrahimovic an einem Tag ein. So verkommt der vermeintlich große Geldbetrag zu einer kleinen Geste. Aber immerhin ist es eine Geste mit Signalwirkung. »Dann hätte ich das auch gemacht«, denkt man jetzt reflexartig. Aber hätte man das wirklich? Oder hätte man nicht einfach nur den Daumen gehoben? Vor einem großflächigen Banner? Und wäre dann zum Mittagessen gegangen?

P.S: Auch die deutsche Mannschaft ist beim Turnier in Brasilien dabei. Das Jahresetat des Teams liegt bei 12.000 Euro.

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