Best of 14: Die Weltmeister in der Einzelkritik

JAAAAAAAAAA!!!!

Manuel Neuer! Philipp Lahm! Jerome Boateng! Mats Hummels! Benedikt Höwedes! Sami Khedira! Christoph Kramer! Bastian Schweinsteiger! Toni Kroos! Mesut Özil! Thomas Müller! Miroslav Klose! Per Mertesacker! André Schürrle! Mario Götze! Die Einzelkritik.

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Manuel Neuer
Als die Übertragung des WM-Endspiels von 2014 begann, ließ Manuel Neuer etwas fallen. Es waren Pappbecher. Verdammte Pappbecher. Die Kameras zoomten auf Neuer, suchten gierig mit ihren Objektiven nach einer Spur Verunsicherung im Gesicht des besten Torwarts der Welt. Der bückte sich, hob die Becher wieder auf – und lächelte. Schließlich waren es nur verdammte Pappbecher. In hoffentlich nicht allzu vielen Jahren, wenn wir mit unseren bildschönen Töchtern und unseren bildschönen Söhnen auf der Couch sitzen und einen von Neuers Nachfolgern dabei beobachten, wie er gerade auf dem Weg ist, seine Nationalmannschaft zum Titel zu führen, werden wir die Pappbecher-Story zum Besten geben. Und weil wir das sowieso bei jedem Länderspiel machen, unsere bildschönen Kinder also genau wissen, wie die Geschichte endet, werden wir uns in den Armen liegen und den letzten Satz unserer Neuer-Story in einem entrückten Singsang durch das Wohnzimmer unserer bildschönen Villa brüllen: »UND DAS WAR DAS EINZIGE, WAS ER BEI DIESER WM FALLENGELASSEN HAT!!!«

Philipp Lahm
Philipp Lahm. Du bist der Lothar Matthäus der Generation geboren nach 1980. Vielleicht der beste deutsche Fußballer der vergangenen zehn Jahre. Hast auf Vereinsebene alles gewonnen. Bist längst König in deinem Klub. Kleine Kinder auf dem Bolzplatz tragen Trikots mit deinem Namen drauf. Und trotzdem haben wir es uns in der Vergangenheit mehr als einmal erlaubt, dich zu verspotten, uns über dich lustig zu machen, dich nicht für voll zu nehmen. Weil du aussiehst wie ein Achtklässler, der als Hobbys »Latein und mein Zauberkasten« im Jahrbuch angegeben hat. Weil du vielleicht mit den Bayern Titel gewinnen konntest, aber nie mit der Nationalmannschaft. Weil wir dir das auch vor vier Wochen ehrlich gesagt niemals zugetraut hätten. Dass du uns zum Titel führst. Mit deiner wunderbaren Maschinenschnittfrisur. Deinem wunderbaren Zwergenkörper. Deinen marsriegelartigen Augenbrauen. Deiner wunderbaren Interview-Diplomatie. Deiner wunderbaren Art Fußball zu spielen. Du bist Millionen Kilometer gerannt in den vergangenen zehn Jahren, hast 100.000 Haken geschlagen. Bist viele tausend Male nach innen gezogen, hast Flanken reingelöffelt und mit der Innenseite aufs Tor geschossen, weil sie dir als Kind alles beigebracht haben, nur keinen Vollspannstoß. Jetzt bist du Weltmeister. Und wir verneigen uns vor dir. Zumindest bis zum Saisonstart.

Jerome Boateng
Was wir gestern nach dem Finale gerne gemacht hätten: Mit dem Taxi in den Wedding fahren, aussteigen, dem Taxifahrer 100 Euro Trinkgeld geben, den legendären Käfig der Berliner Atzen um Jerome, Kevin-Prince, Änis und Co. aufsuchen, jede einzelne Käfigstange umarmen, auf den kratzigen Asphalt legen und die Augen schließen, in Erinnerung an damals ein Weißbrot aus dem Nachbarhaus auspissen und ihm anschließend das Pausengeld abziehen, sämtliche Boateng-Verwandten aufsuchen und mit ihnen eine Conga-Schlange bis nach Charlottenburg starten, wieder ein Taxi rufen, nach Hause fahren lassen, wieder 100 Euro Trinkgeld geben, aussteigen, auf dem Balkon das letzte Bier trinken, das von der Finalparty noch übrig geblieben ist, an Jerome Boateng und seine Leistung im WM-Endspiel 2014 von Brasilien denken, den Kopf schütteln, noch mal den Kopf schütteln, sanft lächeln, und langsam ohnmächtig werden.

Mats Hummels
Mats Hummels kann jetzt eigentlich mit dem Fußballspielen aufhören. Erstens: Weil er Weltmeister geworden ist. Besser wird es nie wieder werden. Zweitens: Weil er jetzt auch mit tausend anderen Dingen reich werden könnte. Zum Beispiel mit seinem verdammten Aussehen. Oder als Berater für das nächste Schlachten-Epos von Peter Jackson. Thema: So gewinnt man Kriege nur mit Grätschen und Ablaufen. Oder als vielfach gebuchter Selbstverteidigungskünstler. Möglicher Inhalt seines Programms: Zweikämpfe gewinnen leicht gemacht – wie sie spielerisch jeden Gegner der Welt besiegen. Als Showact zum 20-jährigen Jubiläum würde Lionel Messi auf die Bühne kommen und sich von Hummels einen Ball vom Fuß spitzeln lassen. So wie damals, am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro.

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