Bernd Schneider über die DFB-Elf und das Finale 2002

»Mit uns rechnete keiner«

Bernd Schneider scheiterte bei der WM 2002 im Finale an Brasilien. Doch der »weiße Brasilianer« ist sich sicher: Diesmal wird alles anders.

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Die deutsche Mannschaft hat sich extrem gesteigert. Das hing auch mit der Erwartungshaltung zusammen. Gegen die Algerier hatte Deutschland viel zu verlieren. Wenn dann die erste Halbzeit nicht so gut läuft, wird es schwieriger, zum eigenen Spiel zu finden. Im Viertelfinale war es dann ein ganz anderes Auftreten: Deutschland stand nicht so unter Druck wie gegen Algerien, weil Frankreich bisher mit sehr guten Leistungen bei diesem Turnier überzeugt hatte. Der Schlüssel war aus meiner Sicht die Stabilität in der Defensive. Natürlich kann man bei so einer Qualität des Gegners nicht verhindern, dass mal ein Angriff durchkommt. Aber die deutsche Abwehr stand einfach sehr sicher - und dahinter glänzte mit Manuel Neuer ein Torwart auf absolutem Topniveau.

Außerdem spricht für die deutsche Mannschaft: Sie kann nachlegen. Gegen Ghana kam mit Schweinsteiger und Klose frischer Wind ins Spiel, gegen Algerien mit André Schürrle. Das sind kleine Punkte, kleine Impulse während eines Spiels, die aber entscheidend sein können - gerade bei den klimatischen Bedingungen in Brasilien. Andere Teams haben bei diesem Turnier nicht so eine gute Bank. Ich bin gespannt, wie beispielsweise Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari den Ausfall von Neymar auffangen will und wie er ihn ersetzt.

Über die Aufstellung seines Kollegen Joachim Löw wird hierzulande immer wild spekuliert, es gibt so viele Bundestrainer aus der Ferne. Nur zwei Beobachtungen: Ich fand es gut, dass Philipp Lahm wieder als Rechtsverteidiger spielte - dort ist er für mich der Beste der Welt. Bei den Mittelfeldspielern steht Mesut Özil gerade in der Kritik. Ich muss sagen: Ich fand Özil in den ersten Spielen nicht so schlecht, wie er gemacht wurde. Allein an seiner Person sieht man wieder, wie groß die Erwartungen mittlerweile sind.

Das war 2002 noch anders, als wir mit Deutschland ins Finale einzogen. Damals rechnete niemand wirklich mit uns, doch wir hatten einen großen Teamgeist. So schafften wir es bis ins Endspiel. Die Brasilianer waren dort der große Favorit, doch wir kamen sehr gut in die Partie. Ich hatte schon zu Beginn ein gutes Gefühl und mit jeder gelungenen Aktion wurde es leichter.

Mir sind zwei Szenen noch in Erinnerung: Zum einen der Pfostenschuss von Oliver Neuville beim Stand von 0:0. Es ist hypothetisch, aber wenn der Ball reingeht, wäre es schwerer geworden für Brasilien. Zum anderen das Foul an Didi Hamann, das Schiedsrichter Collina nicht gepfiffen hat. Das war ärgerlich, weil wir direkt danach das 0:1 kassiert haben. Trotz der Niederlage machten wir einen Teamabend, das war lange so geplant. Schließlich waren wir auch sieben Wochen am Stück zusammen gewesen.

Es war eine gute Party - doch ich hätte lieber eine schlechte Party gehabt und dafür den Pokal in den Händen gehalten. Diesmal läuft es anders, ich bin mir sicher: Deutschland schlägt Brasilien.

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