Berliner Erklärung gegen Homophobie

»Das Coming-Out fehlt«

Ein guter Tag für die Vielfalt und gegen Ausgrenzung: Am Mittwoch stellten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sport die »Berliner Erklärung« gegen Homophobie im Fußball vor. An Euphorie mangelte es nicht, allein die Taten lassen noch auf sich warten. Ein Ortsbesuch.

»Heute können wir etwas Historisches schaffen«, leitet Gastmoderatorin Kathrin Müller-Hohenstein die Veranstaltung am Mittwochmittag in Berlin ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnen die Gäste nervös mit den Stühle hin- und herzurücken. Eine Verschwiegenheitserklärung hätte sie unterschreiben müssen, sagt Müller-Hohenstein und blickt dabei erwartungsvoll auf ein verhülltes Bild. Für die Anwesenden war eine Pressesperre eingerichtet worden, nichts sollte vorab nach außen dringen, allein der Medienpartner »SportBild« hatte in der neuesten Ausgabe ein zehnseitiges Extra vorab veröffentlichen dürfen. So weit, so geheimnisvoll.

Müller-Hohenstein konnte hochrangige Gäste begrüßen. Beispielsweise Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die in ihrer Rede die »chauvinistische Männerkultur im Fußball« anprangert und einen freundschaftlichen Wettkampf als gesamtpolitisches Ziel fordert. Dafür werde sie auch in der kommenden Legislatur-Periode selbstverständlich eintreten.

Choreographien in den Blöcken

In der ersten Reihe sitzt auch Jörg Litwinschuh. Er ist Vorsitzender der Stiftung Magnus Hirschfeld (benannt nach dem bekannten und im Dritten Reich verfolgten Sexualwissenschaftler), die es sich seit 2011 zur Aufgabe gemacht hat, die soziale Lebenswelt von Homosexuellen zu erforschen und Homophobie zu bekämpfen. Das eingegliederte Bildungsnetzwerk »Fußball für Vielfalt«, dass zum Beispiel durch den schwulen Ex-Fußballer Marcus Urban getragen wird, richtet sich speziell an den Fußball und will durch Bildungsinitiativen den Sport für homosexuelle Spieler sensibilisieren.

Zunächst betritt Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle das Podium. Sie meint, die größte Hemmschwelle eines homosexuellen, aber nicht geouteten Spielers seien die drohenden Beschimpfungen der gegnerischen Fans. Dass in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Bewegung gegen Homophobie innerhalb der Fanblöcke gekommen sind, übersieht Lüders leider. Die Choreographien aus Bremen (April 2010), Mainz (April 2012) und  Babelsberg (April 2013) dienen als sichtbare Beispiele. Lüders beendet ihren Vortrag mit einem Satz, der die vermutlich größte Problematik der ganzen Debatte anspricht: »Das Coming-out fehlt noch«.

Ist es heute greifbar?

Als die Redner zusammen mit Kathrin Müller-Hohenstein auf das verhüllte Bild zugehen und die Fotografen zur Bühne rennen, als würde der Europapokal übergeben und sich Stille über den Raum legt, ist der Moment des Tages gekommen. Dieser Augenblick, für den Müller-Hohenstein eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben musste und »meinem Chef nichts erzählen durfte. Er musste mir vertrauen«. Doch auf dem Ständer befindet sich allein: die »Berliner Erklärung«.

Ein Schriftstück, unterzeichnet von Justiz-, Innen- und Familienminister/innen, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Uli Hoeneß, Martin Kind und anderen. Ein Schriftstück, das bereits seit dem Morgengrauen auf Seite 54 der »SportBild« zu finden ist. Aber auch ein Schriftstück, dass es in der Geschichte des Fußballs noch nie zuvor gegeben hat. Die Unterzeichner bekennen sich klar gegen Homophobie und wollen Jugendliche im Zuge ihrer (sexuellen) Entwicklung stärken. »Toll«, findet das Katrin Müller-Hohenstein.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nichts akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!