Benfica-Trainer Jorge Jesus vs. Polizei

Er wollte doch nur ein Trikot

Jorge Jesus, Trainer von Benfica Lissabon, droht eine lange Sperre. Weil er einen Fan vor dem Zugriff der Polizei bewahren wollte. Der Fußball ist wirklich nicht mehr das, was er mal war.

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Früher war nicht alles besser, aber die Dinge wurden anders geregelt. Es gibt unzählige Bewegtbilder von Zuschauern, die nach dem Schlusspfiff von wichtigen Spielen zu Hunderten den Platz fluteten, ihren Lieblingen Trikot, Hose, Stutzen und manchmal sogar die Unterhose vom Leib rissen und auch sonst ihren Gefühlen freien Lauf ließen. Und die Spieler selbst? Ertrugen die Menschenmassen mit einer Gelassenheit und Geduld, die darauf schließen lässt, dass Platzstürme früher einfach zum Fußball dazu gehörten.

Und heute? Da kreischt die Nation vor Entsetzen, wenn bei einem Relegationsspiel Zuschauer auf den Rasen rennen, da kommentieren selbst erfahrene Journalisten solche Vorfälle mit einer Abscheu, als handele es sich nicht um enthusiastische Fußballfans, sondern um schwer bewaffnete Milizen. Da sorgt schon ein einzelner Platzsturm dafür, dass der Fußball von Politikern im Wahlkampf so unter Druck gesetzt wird, dass er längst vorhandene Spielregeln für Fußballfans noch einmal verschärft und als knallharte Konsequenz verkauft. Da werden die Dinge anders geregelt.

Das sieht nicht nur brutal aus

Auch nach dem Schlusspfiff der Partie Vitoria Guimaeres gegen Benfica Lissabon am vergangenen Wochenende hat es einen Platzsturm gegeben. Benfica-Fans stürmten nach dem 1:0-Sieg ihrer Mannschaft auf den Rasen, einige von ihnen versuchten ihren Lieblingen Trikot, Hosen und Stutzen abzuschwatzen. Was man eben so macht, in seiner Begeisterung. Die Polizei und das Sicherheitspersonal reagierten, wie man es von ihnen im Jahr 2013 erwartet: Sie stürzten sich wie Rugby-Spieler auf die Fans, verdrehten ihnen die Arme, drückten den Anhängern die Knie in den Nacken. Das sieht nicht nur brutal aus, das ist auch brutal.



Benficas Trainer Jorge Jesus sah das offenbar genauso. Als Jorge Jesus seine Karriere als Trainer begann, Ende der Achtziger, wurden die Dinge noch anders geregelt, wurden Fußballfans nicht wie potenzielle Bombenleger dingfest gemacht, sondern irgendwann, wenn sich der Rausch des Glückes gelegt hatte, wieder auf die Tribünen geführt. Das rigorose Vorgehen der Polizisten gegen seine Fans muss Jorge Jesus wütend gemacht haben. Jedenfalls packte er sich seinerseits die Sicherheitskräfte und versuchte einen der Anhänger zu befreien. Der Trainer zerrte und rangelte, trommelte mit seinen Fäusten auf die Arme der Beamten ein, gestikulierte, schrie und musste irgendwann von seinen Assistenten zurückgehalten werden, sonst hätte er den Polizisten in seiner Entrüstung vermutlich noch in die Nase gebissen. »Ich wollte, dass sie ihn in Ruhe lassen«, antwortete Jorge Jesus später auf die Frage, was ihn denn da geritten habe, »er wollte doch nur ein Trikot von den Spielern.« Es half nichts, der Fan wurde, natürlich mit verdrehten Armen, abgeführt.

Ein Trainer, der seinen Fans zur Seite steht

Ein Trainer, der gegen das Sicherheitspersonal handgreiflich wird, um einen seiner Fans zur Seite zu stehen. Das sieht man nun wirklich nicht aller Tage. Das würde man sich als Fan auch vom Trainer seines eigenen Herzensklubs wünschen. Das muss man irgendwie großartig finden.

Die portugiesischen Fußball-Funktionäre fanden das Verhalten von Jorge Jesus gar nicht großartig. Sie wollen den Vorfall jetzt überprüfen und Benficas Trainer anschließend bestrafen. Im schlimmsten Fall droht dem Übungsleiter eine Sperre zwischen drei Monaten und drei Jahren. Das ist beim besten Willen nicht vorstellbar, ist aber rein theoretisch möglich.

Und schon allein diese Vorstellung macht traurig. Vielleicht war früher doch alles besser.

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