Belgier versteigern ihre Fan-Identität

Oh nein, jetzt sind wir Holländer!

Weil das eigene Team nicht dabei ist, boten belgische Fans für die EM bei Ebay ihre Fan-Identität an - und erlebten ein böses Erwachen: Ein niederländischer Geschäftsmann bot die höchste Summe. Nun müssen sie den Erzfeind unterstützen.

Privat

Lieven Scheire hatte eine Idee. Einen aus der Not geborenen Geistesblitz. Weil sich seine Nationalmannschaft nicht für die WM qualifiziert hatte, entschloss sich der 31-Jährige aus Belgien dazu, seine Fanidentität bei Ebay zu verkaufen. Schnell fand der Fernsehmoderator aus Flandern Anhänger für seinen Plan, 150 Fußballfans schlossen sich ihm an. Aus welchem Land auch immer ein Gebot kommen sollte, sie wollten die dazugehörige Nationalelf unterstützen. Eine Schnapsidee, dachten viele. Doch einem Mann aus Honduras war das Angebot 35 Euro wert. Und der Fanklub legte sich mächtig ins Zeug. Die Belgier kauften sich Trikots, lernten die Nationalhymne auswendig, organisierten ein Public Viewing – und erlebten als Unterstützer eines Landes aus Zentralamerika ein ganz besonderes Turnier.

Das war 2010.

Jetzt, zur EM 2012, wollte Scheire die Geschichte wiederholen. Erneut hatte er eine Selbsthilfegruppe für die vom eigenen Team enttäuschten belgischen Fans gegründet. Erneut hoffte er darauf, einen Außenseiter zugeordnet zu bekommen. Doch diesmal lief alles anders. Statt 150 Anhängern waren plötzlich 19500 Fans auf Schieres Seite. Statt 35 Euro schossen Gebote schnell in die Hunderter. Die Vorfreude stieg. Doch dann ging die Auktion zu Ende. Und der Sieger lautete: Niederlande!

Ein Geschäftsmann aus dem Nachbarland blätterte 700 Euro hin. Als er erfuhr, dass das Geld an Unicef gespendet wird, erhöhte er die Summe sogar auf 3000 Euro. Eine Geste, die Scheire zunächst nicht trösten konnte: »Ich bin ehrlich: Ich habe ein paar Stunden gebraucht, um damit meinen Frieden zu machen.«

Belgien, das muss man wissen, steht mit Holland im Fußball in einer ähnlichen Beziehung wie Deutschland. Jetzt müssen Scheire und Co. den Kontrahenten plötzlich bejubeln. »Es war aber vorher klar, dass das passieren kann. Nun sind wir eben Oranje«, sagt Scheire trotzig.

In Gent in Ostflandern lebt der größte Teil der belgischen Niederländer. Doch die Community verteilt sich über das ganze Land. »Einige werden auch direkt nach Holland fahren«, so Scheire. Und ergänzt: »Ich freue mich besonders darauf, die niederländischen Klischees endlich ausleben zu dürfen. Mal sehen, was ich mir auf den Kopf setze – entweder einen Käse- oder Blumenhut.«

Eine Hoffnung bleibt den Belgiern allerdings noch. Sollte die Niederlande ausscheiden, möchten sie sich erneut via Ebay zum Verkauf anbieten. »Das haben wir bei der WM schon so gemacht, so wurden wir noch zu Fans von Ghana und Spanien«, erläutert Scheire. »Vielleicht werden wir ja im Laufe des Turniers ja auch noch zu Deutschland-Fans.« Allerdings nicht am 13. Juni. Dann treffen die Niederländer auf Deutschland. Mit knapp 20000 belgischen Fans im Rücken.

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