Belgiens Retter: Marc Wilmots

Comeback als Trüffelschwein

Unter Marc Wilmots schafft Belgien den Sprung zurück in die Weltspitze und glaubt an die historische Chance.

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Kampfschwein bleibt Kampfschwein. Als Marc Wilmots nach dem Achtelfinal-Sieg auf dem Podium bei der Pressekonferenz Platz genommen hatte, erhöhte sich schlagartig die Pulsfrequenz der anwesenden Journalisten.

Zuvor hatte Jürgen Klinsmann noch in präsidialer Weise das Ausscheiden seines US-Teams abmoderiert. Er hatte geduldig über Stolz und Demut gesprochen, auch darüber, dass der Spielverlauf ein großes Drama gewesen sei. Der Schwabe hatte wie zu seinen Bundestrainer-Zeiten die Etikette beherrscht, hatte Komplimente gemacht, seinen Verdruss in tv-gerechte Bahnen gelenkt, und am Ende ein schüchternes Klinsmann-Lächeln aufgesetzt. 


Erst als wenige Minuten später Wilmots mit der Verve eines flämischen Wirtshaus-Patrons auf die Bühne rauschte, im blauen Anzug und weißem Hemd mit gestärktem Kragen, die Haare streng zurückgegelt, wurde dem Betrachter bewusst, wie zerbrechlich der US-Coach gewirkt hatte. Das Ritual verlangt, dass der Trainer, bevor die offene Fragerunde beginnt, eine allgemeine Spielanalyse spricht.

Marc Wilmots nutzte jedoch die Gelegenheit gleich mal für einen Rundumschlag. Belgische Journalisten hatten in der Vorrunde bemängelt, dass sich Belgiens hochgelobte Goldene Generation bei der WM bislang in Beamten-Manier durchs Turnier mogele. »Ihr habt uns kritisiert, weil Euch das Spektakel fehlt, habt geschrieben, dass wir keinen Fußball spielen«, retournierte Wilmots nun feurig, »jetzt habt ihr euer Spektakel erlebt. Ihr habt von Belgien jede Menge Fußball bekommen. Euch hat es gefallen, aber, bitte, für mein Herz sind solche Spiele nicht so gut.«

Es ist die siebte WM in Folge, die der Wallone in handelnder Funktion erlebt. Ab 1990 reiste er vier Mal als Spieler zu den Titelkämpfen, er ist WM-Rekordtorschütze seines Landes. Nach der aktiven Zeiten war Wilmots als TV-Experte bei WM-Turnieren dabei, nun tritt er als Nationalcoach an. Doch mehr als Achtungserfolge hat er als Spieler nie gehabt.

Seine ganz persönliche Tragödie erlebte er 2002 im Achtelfinalspiel gegen Brasilien, als ihm ein regulärer Kopfballtreffer aberkannt wurde. Eine traumatische Erfahrung, denn das Team hatte gute Chancen, in die Fußstapfen der großen belgischen Mannschaft, des Vizeeuropameister von 1980 und WM-Dritten von 1982, zu treten. »Ich sage nicht, dass wir das Spiel gewonnen hätten, wenn der Treffer gezählt hätte«, erklärte er noch vor Kurzem, »aber es wäre auf jeden Fall anders gelaufen.«

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