Seit Wochen werden die Fans in Aachen beschworen für den Verein zu spenden. So wurde bei den letzten Heimspielen – ganz kreativ – ein Retter-T-Shirt für 20 Euro angeboten, Retter-Spiele gegen Schalke und die Bayern vereinbart, bei denen die Karten zu den üblichen Preisen und einem Retter-Aufschlag angeboten werden sowie ein Spendenkonto eingerichtet. Mit Erfolg, wie der Fall des siebenjährigen Tim zeigte, der sein Sparschwein an die Geschäftsstelle schickte, mit der Bitte sein Taschengeld für die Rettung seiner Alemannia dort raus zu hämmern. Natürlich vergaß der kleine Mann überdies nicht, darauf hinzuweisen, auch in Zukunft im Stadion dabei zu sein – unabhängig von der Liga. Es ist nicht überliefert, ob sein Vater ihm vor dem Weg in die Schule beibrachte, dass mittlerweile seine Dauerkarte ihren Wert verloren hatte und er sich vom Christkind doch besser mal reichlich Bares wünschen sollte, anstatt ein Trikot mit »Thomas-Stehle-Beflockung« auf den Wunschzettel zu schreiben.
Es gilt immer noch: Gott segne Alemannia Aachen!
Hatten also alle Beteiligten in Aachen gedacht, außer Chuck Norris könnte nichts und niemand ihren Verein mehr erschüttern, mussten sie sich nun doch eines besseren belehren lassen. Denn, dass sie zwei Mal für eine Karte bezahlen sollten – darauf wären sicher nicht einmal die gewieftesten Ferengi gekommen. Unklar ist, wie viele der für Drittliga-Verhältnisse sensationellen 8.500 Fans das tatsächlich gemacht hätten. Und mittlerweile ist es auch obsolet, denn der Verein reagierte tatsächlich auf die Proteste der Fans. Der neue Deal: Jeder Fan soll selbst entscheiden, wie viel er bereit ist für seine Rückrunden-Dauerkarte zu zahlen. Und dabei handelt es sich für Alemannia um eine richtig gute Lösung. Denn auf eines ist in dem ganzen Chaos letztlich doch Verlass: die Fans, die zwei Abstiege, den Abriss des Tivolis und den fahrlässigen Untergang ihres Vereins mit beeindruckender Haltung hinnehmen, werden nicht die Kaltblütigkeit aufbringen, nur einen symbolischen Euro für die Karte zu zahlen. Entsprechend waren die ersten Reaktionen in der Fanszene, die von einem Kompromiss sprachen, mit dem man leben könne. Selbst der Autor dieser Zeilen wird wohl wieder das Portemonnaie zücken. Denn: Gott segne Alemannia Aachen!