Bei Alemannia Aachen werden Dauerkarten zur Insolvenzmasse

Scheiße mit Erdbeeren

Haste Scheiße am Fuß: Alemannia Aachen kämpft seit Monaten ums Überleben, jetzt hat der Klub seine leidgeprüften Anhänger vor eine neue Herausforderung gestellt – die Dauerkarten werden zur Insolvenzmasse und verlieren damit ihre Gültigkeit.

Am gestrigen Mittwoch-Morgen dürfte den Fans von Alemannia Aachen der Marmeladen-Löffel in die schwarz-gelbe Kaffeetasse gefallen sein. Denn was die »Aachener Zeitung« und nicht der Verein vermeldete, war ein weiterer Nackenschlag für die mit Nackenschlägen äußerst erfahrenen Anhänger des Vereins, der es geschafft hat innerhalb von nur fünf Jahren direkt aus der Bundesliga in die schockierende Insolvenz zu stürmen, sein identitätsstiftendes Stadion abzureißen und aus zwei Ligen abzusteigen. »Alemannias Dauerkarten sind ungültig!«, titelte das erste Blatt am Ort und das war in der Tat die Kirsche auf dem Sahnekuchen auf der »Scheiße mit Erdbeeren-Tour« auf der Alemannia und seine Fans seit geraumer Zeit unterwegs sind.

Alles, was nicht niet- und nagelfest, wird zur Insolvenzmasse erklärt

Alemannia Aachen kämpft verzweifelt um das nackte Überleben. Das Insolvenzverfahren soll im Sommer eröffnet werden, angemeldet ist es schon. Rund um den Traditionsverein befindet man sich seit Wochen in dem komplizierten Prozess einer finanziellen Bankrotterklärung, hervorgerufen durch eine Mischung aus Sorglosigkeit und Inkompetenz bei den handelnden Personen. Die Folge: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist am Tivoli, wird flugs zur Insolvenzmasse erklärt, von der VIP-Loge bis zum Autoaufkleber. Doch nun der Höhepunkt: Insolvenzrechtlich gehören auch die Dauerkarten zur Insolvenzmasse und sind demnach nicht länger gültig. Ihre Besitzer könnten sich nun hinter Handwerkern, Spielerberatern und Würstchenverkäufern in die lange Reihe der betroffenen Gläubiger einreihen und versuchen ihre Ansprüche geltend zu machen – mit etwa der gleichen Erfolgsaussicht mit der sich Alemannia seit einiger Zeit über den Rasen bewegt. Die offizielle Begründung zum Vorgang auf der Website der Alemannia klingt wie eine Verhöhnung treuer Fans, die teilweise ihre Dauerkarte seit Jahrzehnten verlängern – auch wenn sie rechtlich hieb- und stichfest ist: »Die Dauerkarte ist wie eine Vorkasse zu bewerten, denn die Zahlung erfolgte vor Insolvenzantragsstellung, die dafür fällige Leistung soll aber zum großen Teil erst nach Insolvenzantrag erfüllt werden.«

So weit, so bürokratisch! Denn was aus rechtlicher Sicht eine plausible Argumentation scheint, ist aus emotionaler Sicht nur eine weitere Bankrotterklärung. Denn diesen wurde natürlich ans Herz gelegt, sich eine neue Rückrundenkarte zu kaufen – die zweite Dauerkarte in einer Saison! Der Erlös komme dem Kader zugute, der in der Rückrunde Tabellenplatz 16 verteidigen soll. Kein Wunder, dass die Fanseele gestern kochte. Ungebremster Ärger, der sich in erster Linie in den sozialen Netzwerken seinen Raum suchte. Reihenweise kündigten sogar die treuesten Alemannen an, den Spielen im sowieso schon eher unbeliebten neuen Tivoli fern zu bleiben. Eine nachvollziehbare Haltung, ist eine Dauerkarte doch vor allem ein Ausdruck der leidenschaftlichen Liebe zu einem Verein, die man jedes Jahr aufs Neue verlängert. Viel mehr jedenfalls als ein juristischer Gegenstand rund um eine finanzielle Katastrophe.

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