Begegnung mit Thomas von Heesen

„Was erzähle ich hier bloß? “

Für die neue Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit Bielefelds Trainer Thomas von Heesen. Ergänzend zum Interview eine kurze Abhandlung über den feinen Unterschied zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort. Imago
Heft #63 02 / 2007
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Mit Interviews ist das so eine Sache. Wie bemerkenswert die Kluft zwischen Schrift- und Sprechversion sein kann, zeigt unser Gespräch mit Thomas von Heesen in der aktuellen Ausgabe von 11 FREUNDE. Denn der Satz, den der Arminia-Trainer am häufigsten sagt, beginnt weder mit „Ernst Happel…“ oder „Ja, gut, ähh...“, noch endet er mit „...müssen uns dringend verstärken“ oder „…den Gegner nicht unterschätzen“. Die fünf Worte, die der – wie inzwischen bekannt ist – im Sommer scheidende Arminia-Trainer nicht müde wird auszusprechen, lauten: „Mach mal das Band aus.“
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Besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen. Und was Thomas von Heesen an diesem Tag „off the record“ mitteilt, wie es im Journalistenduktus heißt, ist eine detaillierte Illustration des internen Kompetenzgerangels zwischen sportlicher und geschäftlicher Ebene bei einem derzeit recht erfolgreichen Bundesligaverein.

„Viel reden, nichts sagen.“

Das Gespräch findet am 5. Januar 2007 um die Mittagszeit im Bielefelder Bistro „Casino“ statt und um es kurz und mit aller Wertschätzung zu sagen: Von Heesen mag ein cleverer Coach sein, ein Pokerface ist er nicht. Anfänglich hat er nur 45 Minuten Zeit. Schnell, schnell, mit seinem Fahrplan für das Gespräch hält er nicht lange hinterm Berg: „Viel reden, nichts sagen.“ Auf drei, vier Fragen gelingt es ihm, Phrasen im konventionellen Fußballerdeutsch abzusondern. Als er aber gefragt wird, ob er als langjähriger, verdienter Mitarbeiter der Arminia in unterschiedlicher Funktion nicht aus den herkömmlichen Hierachien einer Vereinsstruktur rausgelöst sei, ordnet der Trainer erstmals an, das Tonband auszuschalten.

Von diesem Moment an lässt von Heesen keine Gelegenheit aus, in jeder Gesprächspause – offensichtlich von der eigenen Redseligkeit überrascht – einzuflechten: „Was erzähle ich hier bloß...? Ich muss das alles freigeben.“ Es hat den Anschein, als greife er bei vollem Bewusstsein auf eine heiße Herdplatte. Tut zwar weh, lässt sich aber nicht ändern. Einerseits fühlt er sich dem Verein moralisch verpflichtet, andererseits ist es ihm offensichtlich zu blöd, 11 FREUNDE einen vom Pferd zu erzählen. Kurz: Hier redet sich ein Mann den Frust von der Seele.

Erst nach zwei Stunden kommen wir zum Ende und haben danach keine Zweifel: Ob mit oder ohne neuen Verein, der 45-Jährige wird in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des DSC Arminia Bielefeld sein. Das Dilemma: Dem gedruckten Interview wird man das nur bedingt anmerken. Im deutschen Journalismus ist es üblich, die Druckfassung eines Interviews vor Redaktionsschluss noch einmal zur Autorisierung vorzulegen. Auch wir bei 11 FREUNDE stimmen aus Gründen der Fairness und um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, die durch die Transkription in die schriftliche Form entstehen könnten, die Endfassung mit unseren Interviewpartnern ab. Wesentliche Teile von Thomas von Heesens Ausführungen können wir daher getrost ins Nirwana unserer Gehirnwindungen verbannen.

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Im neuen 11FREUNDE-Heft findet Ihr das Interview mit Thomas von Heesen.

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