Begegnung mit Pierre Littbarski

Konichiwa

Für die Rubrik »Der Fußball, mein Leben und ich« trafen wir in diesem Monat Pierre Littbarski, den Weltmeister und legendären Spaßvogel des deutschen Fußballs. Es wurde ein Gespräch mit Tiefgang – und japanischen Gummibärchen.

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Das Interview ist beendet, das Foto ist gemacht. Pierre Littbarski hat sich drei Stunden Zeit genommen, das war sehr großzügig. Nicht ein einziges Mal hat er in diesen Stunden skeptisch auf die Uhr geschaut oder seinem Gegenüber das Gefühl vermittelt, dass seine Zeit langsam knapp wird. Selbst die Fotosession hat er so entspannt über sich ergehen lassen, dass man fast den Eindruck hatte, Pierre Littbarski selbst hätte den Fotografen eingeladen und bezahlt. Jetzt muss er los, verabschiedet sich freundlich und verschwindet dann im Gängelabyrinth des Wolfsburger Stadions. Sein schwarzer Anzug ist am Rücken arg zerknittert, der Sitzschale sei Dank. Eigentlich hatte seine Pressestelle eine Loge für das Interview freigehalten, doch dort saß dann eine ältere Dame und sortierte Briefe. Pierre Littbarski wollte die Dame nicht verscheuchen und hockte sich stattdessen für Stunden auf eine der Sitzschalen im Stadioninneren. Der Rücken muss ihm weh getan haben. Er hat es sich nicht anmerken lassen.

Süßigkeiten vom Weltmeister

Zwei Minuten später ist Littbarski wieder da. »Ein kleines Abschiedsgeschenk«, sagt er und steckt dem Fotografen und dem Journalisten jeweils ein Päckchen japanischer Gummibärchen zu. Dann ist er endgültig verschwunden. Gerührt steckt man die Gummibärchen in den Rucksack, baut die Fotoleinwand ab und verlässt Wolfsburg mit dem schönen Gefühl, Süßigkeiten von einem Weltmeister als Reiseproviant dabei zu haben.



Interviews sind immer auch eine Art Roulette. Wie wird der Gesprächspartner auf die Fragen reagieren? Hat er einen guten oder einen schlechten Tag? Wie sehr wird er sich auf den Dialog mit dem ihm unbekannten Journalisten einlassen? Wie sehr lässt er einen Fremden und dessen Leserschaft an seinem Seelenleben teilhaben? Erzählt er nur Dinge, die man schon irgendwo irgendwann gelesen oder gehört hat?

Pierre Littbarski ist eine der großen Figuren des deutschen Fußballs. Trotz oder gerade wegen seiner geringen Körpergröße. Er war zweimal Vize-Weltmeister, 1990 gewann er den Titel. Mit seiner Art Fußball zu spielen hat er Generationen von Jungs verzückt. Guido Buchwald war auch ein Großer. Aber auf dem Bolzplatz wollte man doch lieber wie Litti sein. Littbarski war nicht nur Fußballer, er war auch Entertainer. Weil er lustig und intelligent ist und keine Scheu hatte, im manchmal so bierernsten Fußball-Zirkus den Klassenclown zu spielen. Anfang der Neunziger ging er plötzlich nach Japan, das lag damals gefühlt noch weiter weg als heute. Jahre später tauchte er wieder in Deutschland auf, als Trainer. Aber an seine Erfolge als Spieler ist er bis heute nicht herangekommen.

Danach noch 1000 Fragen

Außerdem möchte man mit ihm darüber sprechen wie es so war, als Spaßvogel des deutschen Fußballs. Ob es ihn gestört hat, dass sich selbst die letzten Hinterwäldler über seine O-Beine und seine Körpergröße lustig machten. Warum er nach Japan ging. Warum er heute manchmal so traurig aussieht. Und Litti? Spricht darüber. Fast drei Stunden lang. Als das Interview beendet ist, hat man noch 1000 Fragen, die einem im Laufe des Gesprächs eingefallen sind. Das ist immer ein gutes Zeichen. Nur interessante Menschen lassen einen auch dann noch neugierig zurück, wenn das Aufnahmegerät ausgeschaltet ist.

Und nur bei Pierre Littbarski bekommt man zum Abschied japanische Gummibärchen geschenkt. Arigato.

www.11freunde.de/heft/heft-142-092013">http://www.11freunde.de/heft/heft-142-092013">>>>> »In Japan wurde ich neugeboren!« – Das Interview mit Pierre Littbarski findet ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE!

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