Begegnung mit Nicklas Bendtner

Endgegner

»Der Tiger kämpft bis zum Ende«, kündigte Nicklas Bendtner an, als er in Wolfsburg auf der Bank saß. Das galt auch für das Interview, das wir mit ihm führten: Ein sechzigminütiges Duell, bei dem verlor, wer zuerst blinzelte. 

Roman Goebel
Heft: #
169

»Habt Ihr schon einen Eindruck von Wolfsburg?«, fragt Nicklas Bendtner beim Fotoshooting, in Lederslippern, Lederhandschuhen, Jackett mit Einstecktuch, beiger Hose und Sonnenbrille im Nebel dieses niedersächsischen Novembervormittags stehend, als wäre er beim Pferderennen in Ascot. »Och«, so die etwas verdruckste Antwort der wie so oft auf den letzen Drücker angereisten 11FREUNDE-Typen. »Wir sind direkt mit dem Taxi vom Bahnhof hierher gekommen.« Da lacht er: »Na, dann habt ihr ja alles gesehen!«

Ein Satz, der die asymmetrische Konstellation zwischen Nicklas Bendtner und dem VfL Wolfsburg andeutet: Ein Jetsetter in der Provinz, ein Narziss im Land der Funktionsjackenträger. »Meine beste Zeit beginnt jetzt«, rief er noch, als er im Sommer 2014 hier aufschlug. »Sie hat noch nicht begonnen«, wird er später im Interview ziemlich grimmig konstatieren. Sein Trainer Dieter Hecking glaubte wohl, ihn irgendwie integrieren zu können in seine Gemeinschaft der braven Caliguris, stand ihm aber zuweilen so ratlos gegenüber wie ein Familienvater einem dänischen Austauschschüler, der nicht beim Abwasch helfen will.

»Der Tiger kämpft bis zum Schluss!«

Da posiert er nun für den 11FREUNDE-Fotografen, der Mann, den sie »Lord« nennen, und lacht über alles um sich herum: den Nebel, den Mittellandkanal, die Stadt, die nicht Ascot ist. Könnte es sein, dass Nicklas Bendtner zu groß ist für Wolfsburg? Oder ist Wolfsburg zu klein für ihn?

Es hat lange gedauert, diesen Interviewtermin zu bekommen. Bendtner spricht nur noch selten mit Journalisten, weil er glaubt, sie hätten sein Image überzeichnet und seien schuld daran, dass er jetzt dasteht wie ein Zlatan-Ibrahimovic-Imitator aus dem dänischen Privatfernsehen. Er übernimmt seine Öffentlichkeitsarbeit lieber selbst, indem er etwa, nachdem er von Klaus Allofs wegen eines versäumten Autogrammtermins gerüffelt worden war, auf Instagram verlauten ließ: »Der Tiger kämpft bis zum Schluss!«. Aus der Mannschaft verbannen konnte die sportliche Leitung ihn da schon nicht mehr: Er hatte seinen Stammplatz ja längst auf der Bank.

Er vertraue 11FREUNDE, sagt Nicklas Bendtner, deshalb kam nach langem Warten dann doch die Zusage für diesen Novembervormittag: eine Stunde Interview mit dem Tiger.

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