Begegnung mit Neymar

Die innere Ruhe

Ein Strich in der Landschaft. Eine Frisur, für die es früher auf die Nase gegeben hätte. So viel Talent, dass die Fußballnation Brasilien alle Hoffnung in ihn setzt. Neymar. 11FREUNDE-Mann Benjamin Kuhlhoff hat ihn getroffen. Und einen jungen Mann kennengelernt, der so gar nicht in die Schublade des verwöhnten Ghetto-Kickers passen will.

London-Wembley, 20:05 Uhr Ortszeit. Und plötzlich sind sich zwei Spieler-Generationen des brasilianischen Fußballs, die gegensätzlicher kaum sein könnten, für einen Moment ganz nah. Der eine, Ronaldinho, war einst einer der spektakulärsten Fußballer der Welt. Doch dann kamen Burger, Partys und andere Verführungen des Lebens, die den Mann mit den Hasenzähnen binnen weniger Jahre zu einem Schatten seiner selbst gemacht haben. Mittlerweile tapst er wie ein alternder Tanzbär auf seine Rente zu. Der andere ist der Goldjunge Neymar. Er ist das Frisuren-Experiment, der Superdribbler, der juvenile Quell aller Hoffnung der Fußballnation Brasilien auf der Mission zum WM-Titel 2014 im eigenen Land. Die Videos seiner atemberaubenden Dribblings erreichen bei Youtube Rekorde, der Weltfußball leckt sich die Finger nach ihm. Doch hier am Elfmeterpunkt des Londoner Wembley-Stadions will der alte Hase Ronaldinho noch einmal an jenen großen Glanz erinnern, der ihn einst umgab. Langsam, fast ängstlich schleicht Neymar von hinten an den einstigen Weltstar heran. Auch er will schießen. Doch Ronaldinho drückt den Ball festentschlossen auf den Elfmeterpunkt. Ein kurzes Gespräch, ein Blick, damit sind alle Ambitionen des Jünglings auf die Ausführung des Strafstoßes weggewischt. Zum Abschluss klopft er Ronaldinho auf den Rücken. Mach's gut, alter Mann. Ronaldinho läuft an, schiebt die Kugel in das rechte Eck – und verschießt.

Es ist die erste große Enttäuschung auf Brasiliens ganz eigener Art der WM-Vorbereitung. Unter dem Namen »Brazil Global Tour« reist die Selecao mangels Qualifikationswettbewerb in den kommenden Monaten um die Welt, um sich angemessen auf das anstehende Turnier im eigenen Land vorzubereiten. Diese Tour wird unter anderen vom deutsche Autobauer VW unterstützt. Ein Engagement, das durchaus sinnvoll ist, schließlich ist Volkswagen einer der größten Arbeitgeber am Zuckerhut. Doch als Brasilien nach 90 Minuten im Wembleystadion mit 1:2 den auch nicht gerade überzeugenden Engländern unterlegen war, glaubte keiner so recht an eine erfolgreiche Titelmission der Selecao in knapp eineinhalb Jahren. Zwar lobte Felipe Scolari im Anschluss ausschweifend den Debütanten Dante und versprüht auch sonst allerlei Optimismus, dennoch konnte man durchaus Katerstimmung im Lager der Brasilianer ausmachen.

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