Begegnung mit Michael A. Roth

Der Sparfuchs

Michael A. Roth ist, wenn es so etwas gibt, der Präsident der Saison. Seine Philosophie ist schon in der Heizkostenrechnung seines Teppichgeschäfts in Nürnberg abzulesen, wie Jens Kirschneck erkannte, als er ihn zum Interview traf. Imago
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Ein Nürnberger Taxifahrer benötigt keinen Straßennamen, wenn er seinen Gast zum Gelände der Firma ARO bringen soll. Michael A. Roth und sein Teppichgeschäft kennt in der fränkischen Metropole wirklich jeder. Hier also sind wir mit einem der schillerndsten Charaktere der letzten anderthalb Bundesliga-Dekaden verabredet. Einem Mann, der seinen Club mit mancher Finanzspritze am Leben gehalten hat, Übungsleiterskalps sammelte wie andere Leute Briefmarken und seinen Spielern schon mal drohte, ihnen mit der Pistole das Hirn durchzupusten.

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Die Tür zum Verwaltungsgebäude des Teppichmarktes sieht so bescheiden aus, als wäre es der Lieferanteneingang. Ein enges Treppenhaus, ein Guckloch, eine Empfangsdame. Hinter der Dame hängt ein Schild an der Wand, das die Mitarbeiter ermahnt, den Raum während der Heizperiode nicht über 20 Grad zu erwärmen. Da fällt einem wieder ein, dass sich Roth, bei allem barocken Gehabe, in Nürnberg auch den Ruf des Sparkommissars erworben hat. Die Dame vom Empfang telefoniert nach oben: „Die Herren von 11 FREUNDE sind da…“ Nachdem sie aufgelegt hat, schickt sie uns die Treppe hoch, danach links halten, und dann den Flur runter. Der Flur ist sehr dunkel. Vielleicht hat Roth auch eine Verordnung über die Wattzahl der Glühbirnen erlassen, oder befohlen, gleich ganz auf elektrisches Licht zu verzichten. Plötzlich schält sich am Ende des Flurs eine Gestalt aus dem Dunkel und kommt uns entgegen. Kein weiterer vorgeschalteter Adjudant oder Sekretär, es ist Michael A. Roth persönlich. Hier kocht der Chef noch selbst.

Nach dem 75-minütigen Interview, das die vereinbarte Zeit für das Treffen komplett verbraucht, bringen wir dem Präsidenten des 1. FC Nürnberg schonend bei, dass wir ihn noch inmitten seiner Teppiche ablichten wollen. Der Fotograf hat sein Set bereits in der so genannten „Schatzkammer“ aufgebaut, dort lagern die kostbarsten Stücke. Diese Versuchung ist für Roth zu groß: Eigentlich hat er ja keine Zeit mehr, aber ein paar Minuten wird es noch gehen. In der folgenden halben Stunde jagt der Fotograf den Präsidenten durch eine Pose nach der anderen. Michael A. Roth murrt nicht ein einziges Mal.

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Das Interview mit Sparfuchs Michael A. Roth findet Ihr im neuen 11FREUNDE-Heft – ab morgen im Handel!

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