Begegnung mit Max Eberl und Rainer Bonhof

Schwächen im Bretzel-Bereich

Borussia-Manager Max Eberl und Vizepräsident Rainer Bonhof prägen seit vielen Jahren die Belange ihres Vereins. Zwei Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Für unsere neue Ausgabe #148 (jetzt im Handel) trafen wir sie zum großen Interview. Eine Begegnung – und ein großer Spaß.

Tim Jürgens
Heft: #
148

»Herr Eberl, Sie sprechen unheimlich schnell.«
 
Als dieser Satz im Gespräch fällt, versiegt für einen Moment der Redeschwall des Gladbacher Managers. Doch es dauert nur Sekundenbruchteile, bis sich der Niederbayer wieder fängt.
 
»Ja, ich weiß, Sie müssen entschuldigen, aber mir geht immer so wahnsinnig viel durch den Kopf. Ich will doch, dass die Leute mich richtig verstehen.«
 
Es gibt schlechtere Voraussetzungen für ein Interview, als Gesprächspartner, die sich kaum bremsen können.
 
Rainer Bonhof und Max Eberl sitzen in der lederbezogenen Ecke einer VIP-Loge des Borussia-Parks und blicken aus schmalen Augen. Es ist ein sonniger Montagmorgen, die Gladbacher haben am Wochenende ihr Auswärtsspiel in Hannover verloren. Doch die Stimmung ist okay. Der Klub ist nach wie vor auf Europacupkurs.

Eberl war ein Königstransfer
 
Was für ein Problem sollen die beiden Veteranen haben? Im Winter 1998/99 holte Bonhof als Trainer das Urviech Eberl an den Niederrhein. Der Klub schlingerte seinem ersten Bundesligaabstieg entgegen, die Heizung im Mannschaftsbus war kaputt, die medizinischen Materialien gingen – und ein einsatzfreudiger Rasenmäher wie Max Eberl war in diesen chaotischen Monaten schon fast ein Königstransfer. Seite an Seite sind die beiden mit dem stolzen Fohlen-Klub damals in die zweite Liga gegangen.
 
Egal. Denn nachdem Eberl im Herbst 2008 vom Nachwuchsleiter zum Sportdirektor befördert wurde – und Bonhof nur wenige Monate später Vize-Präsident –, hat die Borussia eine umständliche Metamorphose vollzogen. Nach dem Fast-Abstieg und der niedergerungenen Revolution durch Effenbergs »Initiative Borussia« im schicksalhaften Frühling 2011, ging es wieder bergauf. Und seither weht ein Hauch von Fohlenschweiß durch die Arena und über die Trainingsplätze. Marc-André ter Stegen, Marco Reus, Marco Marin, Marcell Jansen, Dante, Roman Neustädter – kaum ein Mittelklasseverein der Bundesliga hat in den vergangenen Jahren derart hochkarätige Spieler entwickelt und für gutes Geld veräußert.

Worte wie Maschinengewehrsalven
 
Insbesondere im Falle vom Keeper Marc-André ter Stegen, der Gladbach bald gen Barcelona verlassen wird, fällt diese Tatsache trotz der immensen Summen nicht immer ganz leicht. Zumal das Torwarttalent fast sein ganzes bisheriges Leben für die Borussia gespielt hat. Aber es geht nun mal nicht anders. Und diesen ganzen Wahnsinn, diese schaurig-schöne Story vom klammen Abstiegskandidaten bis zum gut situierten Emporkömmling auf Schlagdistanz zur Spitzengruppe, die versucht Eberl nun in atemloser Geschwindigkeit in seine Antworten zu verpacken. 


Die Worte kommen wie Maschinengewehrsalven. Drrd-drrrd-drrrd. Und wenn Rainer Bonhof zwischendurch einhakt und ausholt, um zu erklären, wie sich der Eberl, dieser einstige Blutgrätschen-Experte nach der aktiven Karriere zum gewieften Funktionär entpuppte, wirkt der schneidige Vize neben dem Dieter-Thomas-Heck-Imitator fast wie ein Wiedergänger des ostwestfälischen Gemächlichkeit-Comedians Rüdiger Hoffmann. 

 
Bonhof, mit hinter dem Kopf verschränkten Armen: »Der Max… hat im Nachwuchsbereich dieses Klubs gelernt… und dabei mitbekommen, welche Fehler vielleicht seine Vorgänger machten… und wie man sie vermeidet. Das sorgt dafür…, dass ihm heute kaum noch Fehler unterlaufen.«

»Rainer, Du Sack!«
 
An diesem Punkt blitzen Eberls Augen. Er kann sich ein Lächeln nicht verkneifen, denn er weiß, was jetzt kommt. Er setzt schon an und hält sich im letzten Moment zurück.
 
Reporter: »Welche Fehler macht er denn noch?«
 
Da, es ist zu spät. Es muss jetzt raus. Eberl ruft: »Rainer, Du Sack, warum lässt Du hier Raum für Spekulationen?«
 
Und lacht seinen Vizepräsident so herausfordernd an, wie D’Artagnan Musketier Artos, als dieser ihn zum Duell auffordert. Man kann sich in diesem Moment genau vorstellen, wie die kontroversen Diskussionen in den Präsidiumssitzungen ablaufen. Wenn Max Eberl und Lucien Favre einen neuen Transfer vorschlagen und Rainer Bonhof, Hans Meyer und die Herren in den grauen Anzügen mit hochgezogenen Augenbrauen ihre Nachfragen platzieren. Zweifellos, die Borussia hat durch ihren kernigen Manager eine akkurate Blutauffrischung erfahren.

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