Begegnung mit Lothar Matthäus

Das Leben, ein Zweikampf

Für die Interview-Reihe »Der Fußball, mein Leben & ich« traf 11FREUNDE-Redakteur Alex Raack Lothar Matthäus in München. Und erlebte einen ewigen Zweikämpfer, der sich vor allem eines fühlt: ziemlich verarscht.

Volker Schrank
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135

Lothar Matthäus hat wie immer viel zu tun. Gestern noch irgendwo zwischen Brasilien und Serbien, heute in einem edlen Hotel im Herzen von München. In wenigen Tagen erscheint seine Biografie »Ganz oder gar nicht«, deshalb muss er heute den ganzen Tag lang Interviews geben. Eine Gesprächsmarathon, ein Lothar-Matthäus-Stelldichein am laufenden Band. Der Besucher aus Berlin stellt sich auf eine lange Wartezeit ein, schließlich hat er sich beim letzten Treffen in zweistündiger Geduld üben müssen. Doch pünktlich zum verabredeten Termin öffnet sich die riesige Tür eines riesigen Konferenzzimmers. Lothar Matthäus verabschiedet sich höflich von einem Mann, der den Riesenfußballer von einst für ein Uhrenmagazin interviewt hat. Ein Uhrenmagazin. Und jetzt 11FREUNDE. Der Nächste, bitte.

Okay, der Einstiegsgag war scheiße

Der erste Eindruck: Lothar Matthäus findet seinen neuen Gesprächspartner viel zu jung. Der zweite Eindruck: das stimmt, gleich mehrfach wird der inzwischen 51-Jährige im Interview auf den Altersunterschied hinweisen. Vielleicht kann ein kleiner Einstiegsgag die dünne Eisschicht brechen, die die Sache mit dem Alter offenbar hat gefrieren lassen. Der Gag kommt nicht an, Lothar Matthäus versteht ihn nicht. Dafür kann man ihm keinen Vorwurf machen, auch der zunächst leicht gekränkte Besucher wird spätestens nach dem Interview zugeben müssen: Der Einstiegsgag war scheiße. Die ersten Fragen, die ersten Antworten, das Eis schmilzt, der Gag ist vergessen, bald auch das Alter. Das Interview beginnt.

Es soll um Vorbilder gehen. Um Rollen, die ein zu aktiven Zeiten so großer Sportler wie Lothar Matthäus spielen musste, spielen durfte, spielen wollte. Doch Lothar Matthäus verspürt ganz offensichtlich das große Bedürfnis, mit dem Journalisten über die ungerechte Behandlung seiner Person durch Journalisten zu sprechen. So entfernt die Frage dem Thema »Wie die Medien den guten Ruf von Lothar Matthäus zerstört haben« auch sein mag, in zum Teil langen Antworten kommt der zweifache Weltfußballer immer wieder darauf zu sprechen. Es muss ihn wirklich wurmen, dieses »Loddar«-Image.

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