Begegnung mit Klaus Täuber

Schnitzeltag

Mitunter können Fußball-Interviews sehr schwierig sein. In der Vorbereitung, während des Gesprächs und vor allem danach. Bei ehemaligen Profis sind es Erinnerungslücken oder die überbordende Selbsteinschätzung des Gesprächspartners. Bei Klaus Täuber ist alles anders. Wir trafen ihn für unsere neue Ausgabe (jetzt im Handel).

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146

Bei aktiven Profis machen sehr häufig eingeübte Phrasen und intervenierende Pressesprecher auch nur die leiseste Hoffnung auf ein interessantes Gespräch zunichte. Erschwerend kommt hinzu, dass das Fußball-Business ein Zirkus der Eitelkeiten ist. Nicht selten vermitteln gerade die Akteure außerhalb des Platzes den Eindruck, als seien sie mehr in sich verliebt als in den Sport. Ein halbstündiger Monolog endet zudem schon mal mit dem Zusatz: »Alles off the record, versteht sich.« Top secret. Fußball als Staatsangelegenheit. Etwas schroff ausgedrückt: Es gibt Interviews, die so ergiebig sind wie eine Kommunikation mit einer Verkehrsampel. Die autorisierte Fassung ist dann zusammengestrichen und mit roten Anmerkungen versehen, wie man es nur von Mathe-Klausuren kannte.

Täuber in Adiletten

Dann aber macht Klaus Täuber an einem Dienstagmorgen lachend die Haustür in Adiletten auf. Und man merkt schon: Dieses Interview kann einfach nicht schlecht werden.

Täuber, genannt »der Boxer«, ging in den Achtzigern unter anderem für die Stuttgarter Kickers, Schalke 04 und Bayer Leverkusen auf Torejagd. Er galt als »härtester Spieler der Liga«. Hart gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Bei der Vorbereitung des Interviews stieß ich auf einen Youtube-Ausschnitt des Spiels zwischen Schalke und Stuttgart anno 1984. Täuber spielte damals mit komplett bandagiertem Bein, lief sehr unrund, erzielte aber zwei Tore. Es sollte nicht das einzige Mal gewesen sein, dass er verletzt auflief. Es wirkte wie ein oft bemühtes Klischee: Täuber stellte für das Team also nicht nur das eigene Ego, sondern auch die eigene Gesundheit hintan.

»Der Boxer« hebt sich ab

Ich hatte vor dem Treffen schon häufiger mit ihm telefoniert. Mein Eindruck: »Der Boxer« hebt sich ab von den meisten anderen Gesprächspartnern, weil er anekdotenreich und mit der nötigen Selbstironie zurückblickt. Alles in allem, so dachte ich, gehörte er eigentlich nach England, wo der Fußball in gleichem Maße mit völligem Ernst und einer großen Portion Humor betrieben wird.

Der Eindruck sollte sich bei diesem Interview bestätigen. Täuber erzählte und rauchte drauflos, feuerte Geschichten und Pointen im Minutentakt ab. Nach zwei Stunden wollte ich meine Sachen packen, als mich seine Lebensgefährtin bat, doch noch zum Essen zu bleiben. Schnitzel mit Kartoffeln. Mutter und Tochter stießen dazu. Danach schauten wir uns auf dem Laptop das Leverkusener Finale im UEFA-Pokal 1988 an. Wir sahen, wie ein energischer Rolf Töpperwien Klaus Täuber zum Sieg befragen wollte, aber dieser gerade damit beschäftigt war, aus einer großen Champagner-Flasche zu trinken.


Nach dem Gespräch schrieb ich unserem stellvertretenden Chefredakteur Tim Jürgens, dass ich fünf Stunden im Hause Täuber verbracht hatte. Er antwortete nur: »Viel Spaß beim Abtippen.«

Tatsächlich war es sehr schwierig, das stundenlange Gespräch in die Form eines zweieinhalbseitigen Interviews zu bringen. In der Endfassung ist das Interview nun ziemlich dicht geworden, mit nur kurzen Frageeinschüben. Anekdote an Anekdote. Vielleicht hätten sich manche gewünscht, dass Themen wie Alkohol oder Schmerzmittel im Fußball in längeren Passagen besprochen werden. Es war letztendlich eine Abwägung. Entscheidend war der Gedanke, dass mit Klaus Täuber genau der Richtige auf eine Zeit zurückblickt, in der der Fußball noch einen anderen Charakter als heute hatte. Rauer, ja. Aber auch näher. Und unplanbarer. Mit Wortgefechten zwischen den Spielern, Backpfeifen im Training, Bratpfannen, Spielern, die ausbüxten, Schmerztabletten, Rauchern in der Kabine, Zuschauern auf dem Rasen.

Man muss diese Zeit nicht zurücksehnen. Aber es tut beizeiten gut, mit Menschen wie Klaus Täuber darüber zu sprechen. Ganz ohne »off-the-record«, Autorisierungen und eingeübten Phrasen. Mit Menschen, die mehr in den Sport verliebt sind als in sich selbst.

In 11FREUNDE #146: »Der Fußball, mein Leben und ich«: Klaus Täuber über Kieferbrüche, Wiskey-Cola-Abende und einen Sprung vom Balkon. Jetzt im Handel!

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