Begegnung mit Klaas-Jan Huntelaar

Kein Pommes ohne

Für unsere aktuelle Ausgabe 11FREUNDE #110 trafen wir den Schalker Klaas-Jan Huntelaar zum Interview. Wir wollten mit ihm über seine Leidenschaft reden: das Tore schießen –  und wurden überrascht. Begegnung mit Klaas-Jan HuntelaarImago
Heft#110 01/2011
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So blöd es auch klingen mag, aber wer mit Profifußballern über Fußball sprechen möchte, der wähnt sich oft im falschen Film. Denn gerade wenn es darum geht, mit ihnen über die Geheimnisse, Gedanken und die Leidenschaft für ihren Beruf zu reden, geben sich die Elitekicker meist so sprachökonomisch wie ein Pommesbudenbesitzer am Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Ob es am Ende »Hier, die Pommes ohne« oder »Der Ball muss eben rein« heißt, ist dann auch egal.  

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Klaas-Jan Huntelaar ist Profifußballer, Holländer dazu (Achtung, Sprachproblem) und wir wollen mit ihm über Fußball sprechen – genauer: über das Tore schießen. Seine Leidenschaft. Ein Himmelfahrtkommando, wie man denken könnte. Aber es ist einen Versuch wert.

Gelenkkranke keuchen über den Flur

Das Besondere am Trainingskomplex von Schalke 04 ist das Gemisch aus pompöser Moderene und zerfallener Historie. Dort, auf dem Vorplatz des alten Parkstadions, wo sich einst die Raufbrüder von Königsblau und Schwattgelb Derby für Derby die Nasen demolierten, steht heute eines der modernsten Rehazentren des Landes. Im Inneren humpeln und keuchen Gelenkversehrte durch die Empfangshalle. Draußen trotzt die Gegengerade – der letzte Rest der gehassliebten Betonschüssel Parkstadion – stoisch allen Modernisierungsversuchen.

Klaas-Jan Huntelaar ist so ein Modernisierungsversuch, ein ziemlich kostspieliger sogar. Doch der Millioneneinkauf hat bereits viel von seinem Geld in harter Fußballwährung zurück bezahlt – in Toren. Am Abend zuvor hatte der Niederländer sogar zwei Mal in der Champions League getroffen, allgemein hin ein Stimmungsaufheller für die ohnehin meist gestressten Profis. Und heute soll es besonders stressig werden für den Hunter. Als er den Raum betritt, scharren im Hintergrund bereits die Kollegen eines wöchentlichen Sportmagazins mit den Hufen. Ihr Fotograf hat sogar einen Ball mitgebracht. Da soll Huntelaar später reinbeißen. Torhunger eben.  

Ali Ibrahim als Held seiner Jugend

Den 27-Jährigen irritiert der Rummel um seine Person ganz offensichtlich. Mit eingezogenem Kopf tritt er an den Tisch und nuschelt mit leiser Stimme etwas, das wie »No« klingt, aber wohl »Hallo« heißen soll. Er möchte deutsch sprechen, stellt er zu Anfang klar (Adios, Sprachprobleme) und man erkennt ein Blitzen in seinen Augen als er hört, worüber wir sprechen wollen: Fußball und Tore schießen. Huntelaar taut schnell auf, denn über Fußball reden, das liebt er.

Er gestikuliert, malt mit den Fingern Dreiecke auf den Tisch und sagt »Für mich ist das Spielen wie Mathematik«. Er redet über das Raumgefühl im Strafraum, seine besondere Wahrnehmungsfähigkeit, seine großen Helden Ali Ibrahim und Eric Viscaal, den Trash-Talk mit Gegenspielern und sagt plötzlich: »Verteidiger sind selten schlau.« Sein Blick geht hoch. Ist Huntelaar arrogant? Nein, er lächelt. »Sonst wären sie ja Stürmer geworden.« Treffer, versenkt.  

Wer mit Profifußballern über Fußball reden möchte, kann eben auch überrascht werden. Huntelaar sagt zwar auch »Der Ball muss eben rein«, aber ein bisschen wirkt es so, als müsse er das sagen. Am Hauptbahnhof gibt es dann noch Fettiges auf die Hand. Pommes von der Bude. Natürlich ohne. Muss auch sein.


Das große Interview mit Klaas-Jan Huntelaar lest Ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE. Heft#110 ist ab heute im Handel erhältlich!

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