Begegnung mit Kevin Kuranyi

Keine Chance

Für Ausgabe 98 trafen wir uns einst zum Interview mit Kevin Kuranyi. DEM Kevin Kuranyi, dem Schnösel mit Millimeterbart und Phrasengarantie? Nein. Mit einem Kevin Kuranyi, wie ihn bislang die wenigsten kannten. Begegnung mit Kevin KuranyiThomas Rabsch
Heft#98 01/2010
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98

»Ihr habt keine Chance!« Mit diesen Worten wurden Kollege Dirk Gieselmann und ich zum Interview nach Gelsenkirchen entlassen, wo wir uns mit Kevin Kuranyi treffen wollten. Kevin Kuranyi: das gebrannte Kind, das Interviews scheut und, wenn es gar nicht anders geht, sich hinter Phrasen verschanzt. Manche machen sich erst gar nicht die Mühe, das so zu sehen. Für sie ist Kuranyi nur eins: ein Schnösel.

Haben wir wirklich keine Chance, ein interessantes Interview zu Stande zu bringen, was und wie wir auch fragen?

Wir reden uns ein: Wer keine Chance hat, kann ja eigentlich auch nicht verlieren. Na, dann. Auf geht´s nach Gelsenkirchen.

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Ein Nachmittag unter dem Dach der Arena. Auf den leeren Rängen wischen Putzfrauen jeden einzelnen Aufgang feucht durch. Wir stehen da und hauchen kalte Luft in die riesige Mehrzweckhalle. Denn es heißt: Warten auf Kuranyi. Diese Schnösel lassen ja gern mal auf sich warten, fahren lieber noch eine Runde in ihrem Cabrio ums Freibad. Pah. Diese jungen Leute. Früher war alles... 

... aber da ist er ja schon, pünktlich wie ein Maurer, die schwarze Wollmütze so weit ins Gesicht gezogen, dass man nur seine blitzweißen Zähne erkennt. Er grüßt freundlich, kurzer Witz, lautes Lachen – haben wir etwa doch eine Chance?

Showdown am Handfön

Als der Fotograf ihn bittet, die Mütze für die Fotos abzunehmen, zucke ich zusammen: Das war´s! Kuranyi wird gehen! Wir haben doch keine Chance! »Kein Problem! Mach ich«, sagt Kuranyi. »Aber ich hab Mützenhaare.« Er wolle sich nur noch kurz im Spiegel ansehen, sagt er und verschwindet auf die Toilette. »Das kann dauern«, ächzt Gieselmann und linst auf seine Uhr. Plötzlich ertönt das Geräusch eines Föns. Unsere Blicke treffen sich. Hängt Kuranyi gerade wirklich unterm Handfön auf dem Männerklo? 

Als Kuranyi wiederkommt, grinst er noch breiter als zuvor. »Hast du dich eigentlich gerade unter den Handfön geklemmt?«, fragt ihn ein Schalker Offizieller. »Ja, klar!«, smilet Kuranyi. Ist ein Schnösel, der weiß, dass er ein Schnösel ist, überhaupt noch ein richtiger Schnösel?

Die Fotos sind schnell gemacht, dann das Gespräch. Und Kuranyi zeigt uns, dass er deutlich mehr ist als ein Mann mit pomadigem Haar und Millimeter-Bart. »Haare hat doch jeder! Und jeder muss sie sich irgendwie schneiden lassen«, sagt er zum gängigen Klischee des Frisurfixierten. »Ich bin alt genug, um ernst genommen zu werden.« Er erzählt von seiner Kindheit in Panama, die von Armut geprägt war, seinen Gasteltern im Schwarzwald und seinem Leben als Spießer. Wie mies die Wochen nach dem Ende seiner Nationalmannschaftskarriere waren – und dass er immer noch hofft, dass Jogi ihn begnadigt. Von den Pfiffen auf Schalke. Seiner Freundschaft zu Mario Gomez. Und den Tipps, die Klaus Fischer ihm gibt. Und immer wieder lacht er. Über sich und seine Geschichte.

Nach zwei Stunden sind alle Fragen beantwortet. »Daraus könnt ihr ja fast ein Buch machen«, sagt er zum Abschied. Das vielleicht nicht, aber immerhin haben wir ein Interview. Ein Interview mit Kuranyi. DEM Kuranyi.

Auf dem Rückweg suchen wir krampfhaft nach etwas, das wir doof finden können: Am Interview, an der Begegnung, an Kuranyi sowieso. Wir suchen bis nach Berlin und finden nichts. Keine Chance.


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