Begegnung mit Jürgen Klopp

Kloppo und die Quellwolken

Für das große Interview im aktuellen 11FREUNDE-Sonderheft zur neuen Bundesliga-Saison trafen unsere Redakteure Christoph Biermann und Alex Raack Jürgen Klopp auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund – und versuchten sich hartnäckig gegen dessen Charme zu wehren.

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Interviews mit Fußballern oder Fußballtrainern sind häufig ein ziemlich hartes Stück Arbeit. In einer, vielleicht zwei Stunden Gesprächszeit, versucht man seinem Gegenüber so viele interessante Sätze wie möglich zu entlocken, aber leider (bzw.: glücklicherweise) ist es ja immer noch so, dass Fußballer fürs Fußball spielen bezahlt werden. Und Fußballtrainer dafür, ihre Fußballer guten Fußball spielen zu lassen.

Bei Jürgen Klopp ist die Sache etwas anders. Zwar wird auch der Trainer von Borussia Dortmund nicht für witzige Interviews oder unterhaltsame Kommentare vor der Kamera bezahlt, aber Klopp besitzt die erstaunliche Fähigkeit, ein ebenso guter Trainer wie Entertainer zu sein. Kein Zweifel: Jürgen Klopp könnte wohl auch problemlos »Wetten, dass...?« moderieren, es würde dem Format wahrscheinlich nicht einmal schaden. Im Gegenteil. Viele von Klopps Kollegen und Vorgängern waren witzig, oder unterhaltsam, oder interessante Gesprächspartner – Trainer von Profiklubs müssen schließlich immer auch Gesicht und/oder Stimme ihres Vereins sein. Aber niemand verhält sich gegenüber Medienvertretern so routiniert und zugleich so gewitzt wie der 45-jährige Klopp. Wer sonst hätte sich von einem Fußball-Komiker wie Arnd Zeigler zu einem gefälschten Interview mitten in der laufenden Saison überreden lassen und dann auch noch so großartig mitgespielt?

Welche Frage wurde Jürgen Klopp eigentlich noch nicht gestellt?

Für einen Journalisten sind daher Interviews mit Jürgen Klopp Fluch und Segen zugleich. Segen, weil man mit dem zweifachen Deutschen Meister sicherlich auch über die Ästhetik von Quellwolken sprechen könnte, ohne, dass sich die eigenen Leser anschließend über das abgedruckte Gespräch beschweren. Fluch, weil Jürgen Klopp eine der meist interviewten Bundesliga-Figuren der vergangenen zehn Jahre ist. Interviewpartner möchte man überraschen, vielleicht sogar schockieren, sie dazu anstacheln, Dinge zu sagen, die sie vorher noch nie öffentlich gesagt haben. Wie soll das möglich sein bei einem Typen wie Jürgen Klopp, dem schon alle Fragen gestellt wurden und der scheinbar clever genug ist, auf alle anderen Fragen eine Antwort zu geben, die man irgendwo schon einmal gehört hat?

Und dann ist da noch die Sache mit seinem Charme. Jeder Gesprächspartner hat auf seine ganz eigene Art eine gewisse Form der Ausstrahlung, den einen findet man nett, den anderen unsympathisch, den nächsten selbstgefällig oder zu bescheiden. Wenn man ein paar Worte mit Jürgen Klopp gewechselt hat, würde man ihn am liebsten auf die nächste Kneipentour oder zum Geburtstag einladen. Er ist groß, er ist zupackend, er hat ein riesiges weißes Grinsen, er ist einfach ein cooler Typ. Doch, halt: Man ist nicht zum freundschaftlichen Meet and Greet gekommen, sondern um ein Interview für das Bundesliga-Sonderheft zu machen. Deshalb: So gut es geht dem Charme Klopps widerstehen und seiner Arbeit nachgehen.

Ging es um Quellwolken?

Nach gut einer Stunde ist das Interview zu Ende. Man ist sich nicht ganz sicher, ob man es geschafft hat, den Kloppo-Charme zu ignorieren. Was man weiß ist: Das war ein außerordentlich interessantes Interview, sicherlich wird sich kein Leser über das abgedruckte Gespräch beschweren. Moment mal, ging es eigentlich um die Ästhetik von Quellwolken?

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Tatsächlich ging es nicht um Quellwolken, sondern um Niederlagen und Klopps Umgang mit den Schwächen seiner Mitmenschen. Das Interview gibt es im 11FREUNDE-Sonderheft zur neuen Saison. Und das ist ab sofort im Handel erhältlich!

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