Begegnung mit Hans »Buffy« Ettmayer

Kirsche auf der Schwarzwälder des Lebens

Er war eine Naturgewalt. Auf und neben dem Platz. Hans »Buffy« Ettmayer war Torjäger und Anekdotenkönig. Für unsere Interviewreihe »Der Fußball, mein Leben und ich« traf Tim Jürgens »Buffy« zum Plausch. Eine Begegnung. Begegnung mit Hans »Buffy« EttmayerVolker Schrank
Heft#120 11/2011
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Der Profi im Ruhestand fristet oft ein unromantisches Dasein. Als fiele aller Glitzer mit dem Abschiedsspiel von ihm ab, beginnt nach der Karriere im Staub der Lottoannahmestelle oder in den grellen Scheinwerfern der TV-Studios für die meisten Kicker die Tristesse. Diesen Kehraus hat es im Leben von Buffy Ettmayer nie gegeben. Schon zur aktiven Zeit war er irgendwie ganz anders als die anderen auf dem Platz. Als grantelnder Wiener mit einem Mordsappetit machte er sich unter Trainern wenig Freunde, doch die Fans liebten die Wuchtbrumme aus Ottakring für ihre technischen Kabinettstückchen und ihre freche Unvernunft. Am liebsten aß er Steaks bedeckt mit soviel Sauce Béarnaise darüber, dass kein Fleisch mehr zu entdecken war. Die Bundesligalaufbahn des Österreichers dauerte denn auch nur sieben Jahre und der ganz große Erfolg blieb ihm verwehrt. Doch die Parallelexistenz des Hans Ettmayer als »Buffy« machte ihn in dieser Zeit, als Fußball eher noch als gut bezahlter Job und nicht als Wochenendshow für die ganze Familie verstanden wurde, zu einer echten Type, die aus dem Gros der spießigen Bundesliga-Gesellschaft herausraugte wie die kandierte Frucht aus dem Laib der Schwarzwälderkirsch.

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Sein Alter Ego hat sich der gelernte Schildermaler bis ins Rentenalter erhalten. Auf der Terrasse eines Bungalows im schwäbischen Provinznest Notzingen verschmelzen Hans und Buffy wieder mal zu ein und derselben Person. Vor dem Haus wacht still ein Obelix aus Pappmaschee. Buffy macht keinen Hehl daraus, dass Süßkram und Fettiges bis heute einen höheren Stellenwert für ihn besitzen als Ausdauerläufe und Ballaststoffe. Auch wenn er bei der Traditionself des VfB Stuttgart inzwischen der älteste ist, kommt er nicht unverrichteter Dinge an der italienischen Eisdiele unten im Ort vorbei. An guten Tagen, sagt er, haut er sich schon mal zehn Kugeln rein. 


Buffy und seine Frau. Wie Waldorf & Stadler

Buffy ist ein Schlamper. Genaue Daten über seine Karriere behält seine Frau Susanna für ihn. Sie hat alles in Presseordnern dokumentiert und wenn ihm die Erinnerung einen Streich spielt, springt sie ein und korrigiert das Datum oder den Verlauf der Ereignisse. Die Ettmayers kennen sich seit fast 50 Jahren. Als die Blüte ihrer Liebe noch eine zarte Knospe war, hat Buffys Vater das junge Paar einmal mit dem Auto verfolgt und ihr den Umgang mit dem Sohn verboten, damit der talentierte Spross durch nichts von seiner Fußballleidenschaft abgelenkt wurde. Genutzt hat es nichts. Profi ist er trotzdem geworden. Heute granteln die beiden komplizenhaft wie Waldorf & Stadler und es scheint, als hätten sie noch immer Spaß am Schmäh des anderen.   

Doch mitten im Gespräch erkaltet die Stimmung. Während Buffy ein Bonmots nach dem anderen auspackt, versteift sich die Gattin plötzlich. Die Ettmayers haben einen grünen Daumen. Ihre Rosen sind akkurat gestutzt, die Buchsbäume im exakten Abstand zueinander aufgereiht und rund geschnitten wie Lederbälle.

Susanna Ettmayer laufen plötzlich Tränen übers Gesicht. Während wir noch über die Streiche plaudern, die Buffy einst Gerhard Mayer-Vorfelder spielte, hat die Ehefrau eine grausige Entdeckung gemacht. Ein kleiner Igel hängt leblos von einem Rosendorn herab. Inspektor Ettmayer kombiniert pfeilschnell: Auf der Flucht vor einer Katze hat sich das Tier von der Gartenmauer fallen lassen, ist an den spitzen Stacheln des Edelgewächses hängengeblieben und dort nach einem qualvollen Todeskampf verendet.

Fressen oder gefressen werden?

Die Sonne im Leben der Ettmayers verschwindet für Augenblicke hinter eine düsteren Gewitterwolke. 

Buffy ist das Risiko nie eingegangen, dem Lauf der Dinge zum Opfer zu fallen. Fressen oder gefressen werden – in dieser Frage hat er sich stets für ersteres entscheiden und hat den Profifußball nach dem Ausklingen seiner Laufbahn Profifußball sein lassen. Mit seinen Schnacks hatte der schlagfertige Lust-und-Laune-Fußballer die Übungsleiter zur Weißglut gebracht. Altmeister Albert Sing wäre fast an Buffys teuflischer Liebe zur Widerrede zerbrochen. Also plauderte er fortan lieber als Vertreter für Taschenbücher in Buchhandlungen als sich von seinen Spielern auf der Nase herumtanzen zu lassen. Warum? Da sind sich der Buffy und der Hans einig: »Wenn der Herrgott mich holt, will ich im Bett sterben, nicht auf der Bank…«

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