Begegnung mit Frank Pagelsdorf

Zwischen G8 und Peterfisch

Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Niemand beherzigt dieses Diktum so sehr wie Frank Pagelsdorf, der knorrige Trainer von Hansa Rostock. Wir trafen uns trotzdem mit ihm zum Interview. Und siehe da: Er sprach! Reinaldo Coddou H.
Heft #68 07 / 2007
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Frank Pagelsdorf möchte freitags mit uns sprechen. Freitag, den 8. Juni. In Rostock. Houston, wir haben ein Problem. Denn am Freitag ist immer noch G8. Nicht direkt in Rostock, aber gleich nebenan. Was die Frage nach dem Transportmittel aufwirft, um nicht in die weltpolitischen Wirren zu geraten und Pagelsdorf zu verfehlen, obwohl man ihn ja eigentlich kaum verfehlen kann, so groß und breit wie er ist. Doch gegen die G8 ist selbst Frank Pagelsdorf ein kleines Licht, und der Gipfel macht seit Tagen ganz Deutschland kirre. Jetzt also auch uns: Fahren wir Zug oder Auto? Das mit der Bahn sei so eine Sache, gibt Kollege Jürgens zu bedenken. Es gäbe von Berlin nach Rostock nur den Regionalexpress, er selbst sei die Strecke just erst am letzten Wochenende gefahren, und da sei der Zug voll mit G8-Gegnern gewesen, obwohl der Gipfel noch gar nicht begonnen hatte. Außerdem sei es heiß und stickig gewesen, und rasch habe ein Antikapitalist das Bordmikrofon geentert und für den Rest der Fahrt zu einem stumpfen Beat revolutionäre Parolen gerappt. Wir beschließen, mit dem Auto zu fahren. Eine Entscheidung, die am Abend vor der Abreise noch mal kurz ins Wanken gerät, als der Fotograf einen aufgeregten Rundruf startet, dass in der Tagesschau von abenteuerlichen Zuständen im Rostocker Straßenverkehr berichtet worden sei. Aber egal, wir ziehen die Sache jetzt durch.

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Am nächsten Morgen sind wir fast allein auf der Straße, keiner traut sich nach Rostock. Wir machen unseren Frieden mit der G8 und staunen nicht schlecht über Hunderte, ach Tausende von Polizeiwagen, die am Straßenrand stehen, je näher man der Küste kommt. Und auf jeder Autobahnbrücke eine Art Spähpanzer! Da hat der Wolfgang Schäuble weder Kosten noch Mühen gescheut, das muss man schon sagen. Derart sicher geleitet, kommen wir eine Stunde zu früh am vereinbarten Treffpunkt in Warnemünde an und haben noch Zeit für einen Strandspaziergang. Dann setzen wir uns in ein Café direkt am Wasser, in das uns der Rostocker Trainer bestellt hat. Die Sonne scheint aus allen Löchern, manchmal ist dies ein zauberhafter Beruf.

So macht es nichts, dass Frank Pagelsdorf („Einer hat meine Einfahrt blockiert“) 30 Minuten zu spät zum Interview erscheint. Bedenklicher ist, dass er ausgesprochen misstrauisch und einsilbig auftritt. Für einige Minuten steht zu befürchten, dass der Coach bei seinen Antworten über die Worte „ja“, „nein“ und „mal sehen“ nicht hinauskommen wird. Er hat halt gerade eine Menge Ärger im Verein und ist außerdem auf Diät, was ja auch keine gute Laune macht. Glücklicherweise sind zwei der drei anwesenden Redakteure Anhänger von Arminia Bielefeld, und ein paar Anekdoten aus den frühen 80ern, als Pagelsdorf auf der Alm gegen den Ball getreten hat, brechen das Eis. Am Ende kommt der einst in Bielefeld als Mini-Netzer Verehrte richtig in Fahrt und will gar nicht mehr aufhören mit den alten Schwänken. Also gibt es noch Fisch im Café am Wasser, wo sich heute allenfalls eine Hand voll Menschen verlieren. „Muss am G8-Gipfel liegen“, brummt Pagelsdorf. „Normalerweise bekommt man hier freitags kein Bein auf die Erde.“ Er bestellt Peterfisch mit Stampfkartoffeln und Senfsauce. Die Diät muss bis morgen warten.


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Das Interview mit Frank Pagelsdorf findet Ihr im neuen 11FREUNDE-Heft – ab morgen im Handel!

Die Themen außerdem:

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