Begegnung mit dem glühendsten Trainer der Liga

Claus-Ikarus Wollitz

Die 113. Ausgabe von 11FREUNDE – jetzt im Handel! Aber passt auf, dass Ihr Euch nicht die Finger verbrennt. Denn unser Interviewpartner Claus-Dieter Wollitz, Trainer von Energie Cottbus, war heiß. Hier unsere Eindrücke. Begegnung mit dem glühendsten Trainer der Liga
Heft#113 04/2011
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Ikarus kam der Sonne zu nah und stürzte ab. Claus-Dieter Wollitz muss ständig aufpassen, dass er sich selbst nicht zu nah kommt. Der Mann glüht, auch und erst recht zwei Tage nach Cottbus' verlorenenem Pokal-Halbfinale in Duisburg. Er sei enttäuscht, sagt Wollitz. Sehr. Sehr: Ein Wort, dass Wollitz sehr oft benutzt. Dieser Mann glüht. Sehr.  

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Wir treffen ihn in einer Hotelanlage nahe Krefeld, inmitten der sterilen Wartehallenatmosphäre, die den Profi-Alltag prägt bzw. nicht prägt: endlos lange, gleichförmige Stunden zwischen Playstation und Salatbuffet, das Flippen und Floppen von Badelatschen, gedämpfte Beats aus Kopfhörern, die über Ed-Hardy-Shirts baumeln. Warten auf die nächste Trainingseinheit, warten auf das Spiel, warten, dass das Warten endlich ein Ende hat.

Noch 30 Stunden – in einer Stunde nur noch 29

Claus-Dieter Wollitz wartet nicht einfach, er wartet doppelt: Er trägt gleich zwei Uhren, an jedem Handgelenk eine, als könne er so die Zeit irgendwie beschleunigen. Der Trainer kann es nicht erwarten, das Pokal-Aus gegen den MSV in der Liga-Partie gegen Paderborn wettzumachen. Noch 30 Stunden. In einer Stunde nur noch 29. Wenn das so weitergeht, ist bald morgen.

Während Claus-Dieter Wollitz in der Couch-Garnitur die bequemste Position sucht und niemals finden wird, schleicht der Spieler Alexander Bitroff vorbei. Mit der Leistung des Jungspundes im Pokalspiel ist Wollitz überhaupt nicht zufrieden bzw. sehr unzufrieden und urteilt in Hörweite: »Er hat mir in diesem Spiel keinerlei Freude vermittelt, weder mit seiner Körpersprache noch mit seinem läuferischen Einsatz. Und damit habe ich ein Problem.«    

Bayern? Traut er sich nicht zu, sagt er

Probleme: Davon hat Claus-Dieter Wollitz viele. Sehr viele. Nun hat er bei Vereinen gearbeitet (fünf Jahre in Osnabrück, seit 2009 in Cottbus), bei denen Probleme zum Inventar gehören. Er ist aber auch niemand, der diese Probleme hinfort diplomatisieren würde. Er sagt immer die Wahrheit, zumindest seine eigene. Dass ihm das auf dem Weg nach oben hinderlich sein wird, weiß er genau, denn auch sich selbst würde er niemals belügen. Bayern? Traut er sich nicht zu, sagt er. Und Kloppo sollte auch besser die Finger davon lassen. Kompromisse? »Niemals!«, raunt Wollitz in den Schaum des Hotel-Cappuccinos.  

Als er vor zwei Jahren bei Arminia Bielefeld anfangen sollte, so erzählt er uns, wollten die grauen Herren aus dem Aufsichtsrat ihm sein Käppi und den Dreitagebart wegnehmen. Ohne ihn! Er ging lieber in die Lausitz, wo Typen noch Typen sein dürfen. Dort aber beschimpften sie ihn als »Wessi-Arschloch«, weil er sich für den Verkauf des Stadionnamens ausgesprochen hatte. Darunter leidet er, und auch dabei glüht er. Naturgemäß sehr: »Sehen die Leute nicht, wie sehr ich mich hier reinhänge?«, fragt Wollitz mit heiligem Zorn in die teppichgedämpfte Lobby hinein, die auf einmal widerhallt wie eine Kirche. »Dass ich mich total mit dem Verein identifiziere? Bin ich im falschen Film?«  

Nein. Es ist genau der richtige Film. Wir nennen ihn »Bundesliga«. Und wer würde die Rolle des knittergesichtigen Außenseiters nicht genauso besetzen? Claus-Dieter Wollitz spielt die Rolle seines Lebens. Sein Platz ist da, wo er keinen findet. Wie auf der Couch-Garnitur, bis zum Schluss. 

Das Drehbuch könnt Ihr nachlesen – 11FREUNDE #113 mit dem großen Wollitz-Interview ist ab heute im Handel!

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