Begegnung mit Bruchhagen und Rettig

„Wo bleibt der Gebäckteller?“

Neulich im Frankfurter Airport-Klub: Gekämmt und gebügelt warten die 11FREUNDE-Redakteure Köster und Schaar auf die DFL-Vorständler Rettig und Bruchhagen. Sie sind gerüstet für ein förmliches Gespräch. Doch dann... Christiane Haid
Heft #71 10 / 2007
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Es sah nach einem ganz normalen Interview aus. Heribert Bruchhagen und Andreas Rettig, die Vorständler der Deutschen Fußball-Liga, sollten Auskunft über die Lage der Liga, den Ligapokal und russische Investoren geben. Frankplasbergmäßig wollten wir nachhaken, kritische Zwischenfragen stellen und die Herren so richtig ins Schwitzen bringen. Das war so ungefähr der Plan.

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Dann aber kabelt uns Rettig einen Tag vor dem Termin aus Augsburg: „Treffen im Airport-Klub im Frankfurter Flughafen. Bitte beachten: Es herrscht Jackettpflicht!“ Mich altem Fahrensmann, der letztes Mal im DSF-Doppelpass irrtümlich mit einem blauen und einem schwarzen Socken saß, kann das zunächst nicht erschüttern, pünktlich um 13 Uhr 30 stehe ich im blassbraunen Sakko in der Empfangshalle des Frankfurter Flughafen. Kollege Thorsten Schaar hingegen erscheint übereifrig im Dreiteiler aus feinstem Mohair, mit Uhrenkette, Vatermörder und steifem Hut. Grundeis-Müller-Kießling, I presume. Fotografin Christiane Haid hat sich ebenfalls in ein gewagtes Abendkleid geworfen, das sie einem Bond-Girl aus dem Rollkoffer geklaut haben muss. Durch eine Glastür betreten wir den noblen Airport-Klub, zentimeterdicker Teppich dämpft den Trittschall, von kundigen Händen geschliffenes Mahagoni verkleidet die Wand, die Dame an der Rezeption spricht sicher 12 Sprachen fließend. Wir möchten doch noch etwas warten, Herr Bruchhagen sei gleich da, wird uns bedeutet.

„Fiel euch nichts Besseres ein?“


Während wir in den Lederpolstern versinken, klingelt das Telefon, Rettig ist dran. Belegte Stimme, leichtes Tremolo: „Wir müssten den Termin morgen um eine halbe Stunde verschieben“. Ich japse: „Morgen? Warum denn morgen?“ Während sich zwei Ärzte und drei Pfleger bemühen, mein Herz wieder zum Schlagen zu bringen, kommt Rettig grinsend aus dem Aufzug und verstaut sein Handy wie früher die Cowboys ihren Revolver: „Kleiner Scherz.“ Dann ist auch Bruchhagen plötzlich da. „Kinder, Kinder“, stöhnt der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht. „Einen Termin zwei Tage vor Ende der Transferperiode. Fiel euch nichts Besseres ein?“ Prompt klingelt das Handy, Bruchhagen muss verhandeln. Der Ton ist freundlich, aber geschäftsmäßig. Rettig hat derweil den gemieteten Konferenzraum analysiert und stellt enttäuscht bis belustigt fest: „Kein Gebäck! Geht es der Eintracht wirklich so schlecht, dass es keinen Gebäckteller gibt?“ Bruchhagen winkt lässig ab: „Kommt doch gleich, kommt doch gleich!“

Dann kann es losgehen. Bruchhagen und Rettig, das wird schnell klar, verstehen sich gut, zählen sich wohl beide zur standhaften Garde der Fußballromantiker und halten wenig davon, den Fußball den Investoren zum Fraß vorzuwerfen. Gegen 17 Uhr schaut Rettig auf die Uhr. Noch schnell ein paar Fotos vor der Mahagoniwand, zwischendurch klingelt Rettigs Handy, während Bruchhagen weiter standhaft in die Kamera blickt – das Aufmacherfoto entsteht so. Dann ist Rettig weg, Bruchhagen auch. Auf dem Tisch stehen leere Kaffeetassen und unser Aufnahmegerät. Kein Gebäckteller. Es bleibt also eine offene Frage: Geht es der Eintracht wirklich so schlecht?


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Das Gespräch mit Andreas Rettig und Heribert Bruchhagen findet Ihr im neuen 11FREUNDE-Heft.

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