Begegnung mit Beiersdorfer und Allofs

Mensch, Didi! Mensch, Klaus!

Für unser 11FREUNDE SPEZIAL »Das waren die Nuller« brachten wir zwei Topmanager des Jahrzehnts an einen Tisch: Klaus Allofs (Werder Bremen) und Dietmar Beiersdorfer (HSV). Aber was heißt hier (HSV)? Für »Didi« war es wie die Heimkehr eines verlorenen Sohnes. Und wir durften dabei sein. Begegnung mit Beiersdorfer und AllofsGuido Castagnoli

Es gibt Leichteres, als Dietmar Beiersdorfer in Bremen zu interviewen. Und das nicht, weil er so lange Sportdirektor des Erzrivalen HSV war. Das haben sie ihm hier längst verziehen, er muss sich nicht vor wutentbrannten Masseuren unterm Tisch verstecken.

Im Gegenteil. Es ist, als kehre Beiersdorfer heim an diesem Nachmittag, zu diesem Klub, mit dem er 1993 Deutscher Meister wurde. Vorstopper war er damals noch, ein bisschen drahtiger als heute und mit einer Frisur ausgestattet, die man besser nicht aus dem historischen Zusammenhang reißen sollte.

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Auch ohne den mutigen Igelschnitt von einst erkennen sie ihn wieder. »Mensch, Didi!«, klingt es alle fünf Minuten aus dem Flur herüber, während wir mit Beiersdorfer in einem Besprechungsraum auf Klaus Allofs warten und Kaffee trinken. »Was machst du denn hier?«

Gute Frage, das sollten wir vielleicht mal erklären: Für unser 11FREUNDE SPEZIAL »Das waren die Nuller« haben wir ihn mit seinem langjährigen Amtskollegen von Werder Bremen zusammengebracht. Ein Roundtable der Spitzenmanager, die uns erklären sollen, wie und warum sich das Fußballgeschäft im zurückliegenden Jahrzehnt verändert hat. Bosman-Urteil, die Macht der Spielerberater, Van der Vaart, Carlos Alberto – und dann die Sache mit der Papierkugel. Es gibt viel zu besprechen. Sehr viel.

Groß ist er geworden

Aber zunächst mal wird der »Didi« geherzt. Von der Sekretärin. Vom Zeugwart. Vom Präsidenten. Vom grauschläfigen Werder-Justitiar, der nur mal eben zum Kopierer schlurfen will und plötzlich abstoppt wie vor einer Marienerscheinung. »Mensch, Didi! Was machst du denn hier?« Als wäre er 1996 zum Studium ins Ausland gegangen, ein halbes Kind noch, das jetzt als gemachter Mann in sein Heimatdorf zurückkehrt. »Mensch, Didi!«, schon wieder hat ihn jemand wiedererkannt, hält ihn jetzt an beiden Armen vor sich hin und mustert ihn onkelhaft. Schicker Anzug, taubenblau! Diese Schuhe... Und groß ist er geworden, der »Didi«. Sonst würden sie ihn hier in der Bremer Geschäftsstelle wohl gleich hochheben und abküssen.

Aber wo ist eigentlich Klaus Allofs? Bereitet er schon einen Vertrag für Beiersdorfer vor, der verhindern soll, dass der verlorenen Sohn noch mal für 15 Jahre verschwindet? Da biegt der Werder-Manager endlich um die Ecke. »Mensch, Didi!« Was sonst. »Mensch, Klaus!« 

Beiersdorfer zieht eine Schnute, aber es muss sein

Mensch, Mensch. So lange her. Weißt du noch? Und doch ist es, als wäre es gestern gewesen: Ihre gemeinsame Zeit unter Otto Rehhagel und Willi Lemke, die Meisterschaft, die Werder-Familie. Sie erzählen, wie beide merkten, dass sie eines Tages selbst einen Verein lenken könnten, und sich dann wiedertrafen, als Rivalen. Sie reden über Spieler, an denen sie gleichzeitig dran waren, ihre Lieblingstransfers und – Hand aufs Herz – den einen oder anderen Schuss in den Ofen. Über das vierfache Duell zwischen Werder und dem HSV im Frühjahr 2009 – und schließlich über diese verdammte Papierkugel. Beiersdorfer zieht eine Schnute. Aber es muss sein.

Wir zerknüllen ein Blatt, auf dem unsere Fragen notiert sind, und werfen es den Top-Managern zu. Allofs schmunzelt, Beiersdorfer schaut hinein wie Hamlet in den Totenschädel. Dann spricht er: »Es war eine Farce, des Schicksals schreckliches Gesicht in einer unheimlichen Perfektion.«

Ein großer Satz. Er klingt nach, hier im Werder-Besprechungsraum, zwischen Flipchart und 0,2-Liter-Orangensaftflaschen. Die Pointe eines fast zweistündigen Gesprächs: Am Ende ist Erfolg nicht planbar. So sehr man auch danach strebt.

Dann muss Klaus Allofs los – ein Testspiel auf St. Pauli steht an. In Hamburg also, wo Beiersdorfer nach seinem unerfreulichen Engagement bei einem Brausekonzern nun wieder wohnt. »Mensch, Didi!«, raunt Allofs. »Dann hätten wir uns doch auch da treffen können!«

»Mensch, Klaus«, sagt Beiersdorfer. »Kein Problem. War doch schön, mal wieder hier zu sein.«  

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Das große Interview mit Klaus Allofs und Dietmar Beiersdorfer findet ihr in unserem 11FREUNDE SPEZIAL »Das waren die Nuller«. Ab heute im Handel!

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