Bayerns sensationelle Aufholjagd in Bochum

Der Tag des offenen Tors

Am 13. November 1976 spielt der VfL Bochum den FC Bayern an die Wand – zumindest bis zur 55. Minute. Erinnerung an eine der größten Aufholjagden im deutschen Fußball.

Imago

Sepp Maier ist inzwischen alles egal. Nach dem 3:0 für den VfL Bochum steht der Münchner Schlussmann am Anstoßkreis und geht wie eine Furie auf Schiedsrichter Walter Horstmann los.

Der Referee hat in seinem 100. Bundesligaspiel auf Tor entschieden, obwohl sein Linienrichter eine Abseitsposition angezeigt hat und die Bayern ein Handspiel gesehen haben. Das lässt der frustrierte Nationalkeeper nicht durchgehen. Das Spiel läuft schon wieder, da steht Maier immer noch in der Mitte des Feldes und redet wütend auf den Unparteiischen ein. Der Bochumer Matthias Herget nutzt die Gelegenheit, zieht aus 45 Metern Entfernung ab und verfehlt das leere Tor nur um ein paar Zentimeter.

Das Ligaspiel auf der Baustelle des Ruhrstadions ist für den amtierenden Europacupsieger trister Bundesligaalltag. Wegen der Renovierung können nur 17.000 Zuschauer das Spiel live verfolgen, viele müssen auf dem frisch getrockneten Zement der Stufen Platz nehmen. Ein Teil des Runds säumen Baukräne. Nicht unbedingt optimale Voraussetzungen für ein Jahrhundertspiel.

VfL-Trainer Heinz Höher hofft ohnehin, glimpflich aus der Partie herauszukommen, denn mit Spielmacher Hans-Jürgen Köper, Stürmer Heinz-Werner Eggeling und Hartmut Fromm fehlen ihm drei Stammspieler. Und in der elften Minute muss auch noch Klaus Franke verletzt vom Platz.

Der Elf aus dem Ruhrgebiet bleibt jetzt nur noch die Flucht nach vorn – und die hat Erfolg: Als Bayerns Conny Torstensson vor dem einschussbereiten Bochumer Harry Ellbracht zu klären versucht, berechnet der Schwede den Ball falsch und Bochum geht glücklich durch ein Eigentor in Führung. Für den 23-jährigen VfL-Stürmer Jupp Kaczor ist es das Signal zum Angriff. Er springt wie ein biegsamer Leopard durch die träge Bayern-Defensive, lässt Franz Beckenbauer ins Leere laufen und erhöht auf 2:0.

Beim Stand von 3:0 gibt Heinz Höher in der Pause seinen euphorisierten Profis die Anweisung, es nun etwas ruhiger angehen zu lassen. Doch die Spieler hören gar nicht hin. Sie wollen jetzt die Bayern vorführen. Anstatt nach Sammy Pochsteins 4:0 das Ergebnis gönnerhaft zu verwalten, trachtet plötzlich jeder Bochumer danach, sich in den Fußballlexika mit einem Treffer gegen die Bayern zu verewigen. Sogar Libero Jupp Tenhagen stürmt inzwischen mit.

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