16.07.2013

Bayerns Neuzugang Thiago Alcántara

Peps Schöngeist

Bayerns Trainer Pep Guardiola hat seinen Wunschspieler bekommen. Thiago gilt als verspielter Schöngeist – aber auch als geborener Leader. Beim FC Barcelona hatte er keinen Rückhalt mehr, nun folgt er seinem alten Mentor.

Text:
Sebastian Stier
Bild:
Imago

Erschöpft, aber glücklich schlurften Thiago und Rafinha an diesem Abend im Dezember 2011 durch die Katakomben des Camp Nou. Ihre verschwitzten Trikots hatten sie gegen saubere T-Shirts eingetauscht, die Füße steckten in Badelatschen. Im Keller des riesigen Stadions warteten die Journalisten, so wie sie es nach jedem Spiel des FC Barcelona tun. Barça hatte gerade ein unbedeutendes Spiel zum Abschluss der Gruppenphase in der Champions League mit 4:0 gegen Bate Borissow gewonnen. Aber das interessierte nur am Rande. An diesem Abend galt die alleinige Aufmerksamkeit Thiago und Rafinha. Es war das erste Mal seit Frank und Ronald de Boer, dass wieder ein Brüderpaar gemeinsam für den FC Barcelona aufliefen. Thiago, damals 20 Jahre alt, und Rafinha, 18. Beide aus der vereinseigenen Talenteschmiede La Masia. Beide ein Versprechen für kommende Jahre.

Vielleicht wusste Thiago schon 2011, dass seine Zukunft nicht in Barcelona liegen würde
 
Ob das heute schon der Beginn der Zukunft gewesen sei, wollte ein Reporter wissen. »Ich hoffe es. Irgendwann will ich hier gemeinsam mit meinem Bruder glänzen«, antwortete Rafinha. Seine Stimme überschlug sich beinahe vor Euphorie. Thiago stand daneben – und sagte nichts. Vielleicht ahnte er bereits damals, dass sein Glück als Fußballer nicht in Barcelona liegen würde.

Seit dem späten Sonntagabend ist diese Vermutung Gewissheit. Thiago wird in der kommenden Saison für den FC Bayern München spielen. Insgesamt betragen die Kosten für den Wechsel 25 Millionen Euro. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Thiagos festgeschriebene Ablösesumme einmal bei 90 Millionen Euro stand. Doch weil er in der vergangenen Saison nicht auf mindestens 60 Prozent an Einsatzminuten kam, war er billiger zu haben. Eine Klausel, die auf Thiagos Berater zurückzuführen ist. Pere Guardiola, dem Bruder des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola.

»Thiago oder nix«, hatte Pep Guardiola am Donnerstag gefordert. Vier Tage später landete der Spieler bereits in München, am heutigen Dienstag soll er offiziell vorgestellt werden. In Barcelona hatten sich die Verantwortlich seit Mai damit abgefunden, dass Thiago geht. Die Frage war nur, wohin. Real Madrid war interessiert und Thiago konnte sich sogar vorstellen, zum Erzrivalen zu wechseln. Einen größeren Affront kann man sich in Barcelona nicht vorstellen. Es war nur ein kurzer Flirt, aber er zeigte, dass Thiago emotional abgeschlossen hatte mit dem Klub, der ihn seit seinem 14. Lebensjahr unter Vertrag hatte. Als Reals Interesse abkühlte, trat Manchester United auf den Plan. Aber der Klub aus der Premier League hatte beim Werben gegen Guardiola und dessen FC Bayern keine Chance. Thiago wollte unbedingt zu dem Mann, unter dem er in Barcelona in die erste Mannschaft gelangte. »Guardiola oder nix!« Für Thiago war das schnell klar.

 
 
 
 
 
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