Bayern und Chelsea aufgepasst – So spielt man gegen Real und Barca

Die Lehren des Clasico

Die wichtigste Erkenntnis des Clasico: Barca ist nicht unschlagbar. Aber welche Schlüsse kann der FC Bayern vor dem Spiel gegen Real aus dieser Partie ziehen? Unsere Taktikexperten von spielverlagerung.de haben die zehn wichtigsten Punkte zusammen getragen

Der Clasico elektrisierte nicht nur ganz Spanien, auch in München und London warf man am Samstag einen Blick gen Barcelona, schließlich treffen die Bayern und der FC Chelsea im Champions-League-Halbfinale auf die beiden spanischen Übermächte. Doch welche Erkenntnisse konnte man aus dem Gigantenduell ziehen? Unsere Experten von spielverlagerung.de haben die zehn wichtigsten taktischen Schlußfolgerungen in ihrer Spielanalyse zusammen gefasst.

1. Barca will überraschen

Die erste Erkenntnis des Spiels: Barca kehrte erneut vom klassischen 4-3-3 ab. Das als heilig geltende System wurde in dieser Saison bereits öfters erschüttert. Barca begann mit einer Dreierkette, wobei der etatmäßige Rechtsverteidiger Dani Alves vorgezogen als Außenstürmers spielte. Obwohl Thiago und Busquets nominell auf einer Höhe spielten, existierten extreme Unterschiede in ihren Positionen auf dem Feld. Wie im Hinspiel sollte Busquets in einer Hybridrolle aus Innenverteidiger und defensivem Mittelfeldspieler agieren, Thiago durfte sich auf der eigentlichen Xavi-Position unter Beweis stellen. Mit dieser Veränderung schob Pep Guardiola seinen älteren Spielmacher Xavi weiter nach vorne, Cesc Fabregas fiel also aus der Startaufstellung.

Xavi sollte also noch mehr die Offensive stärken und vor allem Messi entlasten. Als Folge dieser Umstellung war Xavi sehr oft weit in der gegnerischen Hälfte zu finden und half nur vereinzelt im Spielaufbau. Am Ende übernahm sogar Lionel Messi diese Aufgabe immer öfter als das etatmäßige Mastermind des Barca-Spiels. Noch stärker als sonst ließ sich der Argentinier in die Tiefe fallen, zog sich bei eigenem Ballbesitz weit zurück und unterstützte das Mittelfeld.



Damit war das spielgestalterische Duo Barcelonas, Xavi und Iniesta, zerschlagen da Iniesta auf einer Halbposition im linken Flügel auflief. Dort sollte er als Verbindungsstation zwischen Tello und Adriano darstellen und seine Stärken, die Ballverarbeitung und präzise Weiterleitung unter Bedrängnis, optimal nutzen, um vor allem den schnellen Tello einzusetzen, der auf dem linken Flügel als Pendant zu Dani Alves aufgeboten wurde.

Die Aufstellung von Christian Tello war für viele die Überraschung des Spiels, Guardiolas Gründe für die Hereinnahme des Außenstürmers allerdings vielseitig. Zuallererst hatte Guardiola den Überraschungsmoment auf seiner Seite. Gerade beim Gegenüber Mourinho eine bedeutende Waffe, gilt der Portugiese doch als akribischer Analyst des Gegner. Andererseits hatte sich Tello in seinen wenigen Einsätzen als äußerst effektiv erwiesen. Warum also nicht auch im Clasico?

Allerdings zahlte dich die Hereinnahme Tellos nicht aus. Zwar hatte der Neuling ungemein viele Chancen, konnte seine Effizienz allerdings nicht unter Beweis stellen. Zudem entlarvte sich sein Spiel phasenweise noch als zu naiv. Einige Male wollte er Arbeloa auf einfachste Weise überlaufen, der Real-Verteidiger ließ sich jedoch nicht überrumpeln und drängte Tello meistens zur Auslinie ab. Somit wurden lediglich Tellos Laufwege nach innen zu einem Problem der Madrilenen. Vor allem die konstante Bewegung Tellos stellte Reals Arbeloa immer wieder vor Probleme. Eine Erkenntnis, die sicher auch den FC Bayern interessieren dürfte.

3. Barca verpennt oft die Anfangsphase

In dieser Saison ist es besonders auffällig, wie häufig Barcelona in den ersten Minuten schwimmt. Diese Erkenntnis führt dazu, dass immer mehr Mannschaft gegen Barca bereits zu Beginn aggressiv pressen, um frühe Fehler zu erzwingen. Denn genauso deutlich ist: Je länger das Spiel dauert, umso besser findet sich Barcelona zurecht. Würde man in diesen Spätphasen weiterhin dermaßen hoch pressen, liefe man ins offene Messer. Denn zahlreich Barca-Spieler verfügen über die besondere Fähigkeit, die gegnerischen Spielweise und ihre Passmuster blitzschnell zu erkennen und zu analysieren.

Defensiv stellt sich die Mannschaft schnell auf die Stärken des Gegners ein und erkennt, welche Gegenspieler besonders unter Druck gesetzt werden sollten. Gegen Real wäre dies beispielsweise Xabi Alonso und Sergio Ramos, wenn sie aus der Tiefe das Spiel aufbauen, sonst eher Mesut Özil. Bei den Bayern würde ein besonderes Augenmerk auf Badstuber und Schweinsteiger liegen.

Im eigenen Aufbauspiel nehmen sie ebenfalls gewisse Anpassungen vor. Bei einer extrem hohen Spielweise des Gegners schieben die Katalanen beispielsweise den kollektiven Block etwas zurück, sie bauen das Spiel dann mehr aus der Tiefe auf. Falls sich jedoch Lücken im gegnerischen Kollektiv finden, versucht man diese dann umso schneller zu nutzen. Gegen Real suchten sie diese Lücken ebenfalls, und lieferten Real so sie perfekte Vorlage.

4. Real lässt das Spielfeld schrumpfen

Diese Lücken fanden sich nämlich in einem ungewohnt großen Raum zwischen Reals Doppelsechs und den vier offensiven Spielern Özil, Di Maria, Benzema und Ronaldo. Das Offensivquartett spielte auf einer Linie und verschloss die einfachen Passwege. Özil und Benzema taten dies im Zentrum, der ballführende Gegner sollte keine Pässe zu Thiago und Busquets anbringen können. Vor allem Thiago zog sich in der Folge oft eine Ebene zurück. Damit schoben die beiden zentralen Offensivspieler Reals das gesamte Barcelona-Spiel bereits im Aufbau eine Linie tiefer. Di Maria und Ronaldo übernahmen die beiden Innenverteidiger, um einfache Pässe nach vorne oder diagonal ins Zentrum zu verhindern. Hinter diesen vier Spielern stellte Mourinho die erwartete Doppelsechs auf: Khedira und Xabi Alonso.

Die Doppelsechs spielte allerdings nur ein paar Meter vor der defensiven Viererkette versetzt. Die Viererkette selbst war sehr diszipliniert und agierte auf einer Linie. Die Folge: Barcelona lief überdurchschnittlich oft ins Abseits. Diese perfekt eingespielte Abseitsfalle ermöglichte das hohe Aufrücken dieses Defensivblocks. Die offensiven Vier hatten somit kurze Wege, um hinten aushelfen zu können. Die Abwehrspieler konnten schnelle Pässe nach vorne genauer und einfacher anbringen. Der wichtigste Punkt aber: Mit dieser Formation konnte Real sehr unangenehm vorne pressen, ohne sich hinten zu öffnen. Die Linien zwischen Mittelfeld und Abwehr waren dermaßen kompakt, dass sie fast inexistent waren. Lionel Messi tat sich damit sehr schwer, er spielte immer tiefer und hatte kaum Zugriff auf den gegnerischen Strafraum.

Die Erkenntnis: Eine enge Viererkette, die sich bei Bedarf weiten kann plus zwei Spieler, welche die Schnittstellen davor konsequent verschließen – dieses Konstrukt ist sogar für Barcelona schwer auszuspielen. Durch die erzwungene Enge konnte Barcelona zwar die Spielfeldmitte kontrollieren, aber selbst wenn man nach dem Ziehharmonika-Prinzip spielte, öffneten sich wenige Räume im letzten Spielfelddrittel. Der Ball wurde zu oft quer gespielt, die Gastgeber warteten meist vergeblich auf eine sich auftuende Lücke.

5. Flexible Manndeckung kann Barca den Zahn ziehen

Auf der gegenüberliegenden Seite setzte José Mourinho seinen Landsmann Coentrao auf Alves an und profitierte von Guardiolas Einschätzung des Brasilianers. Der Trainer Barcelonas hält seinen nominellen Rechtsverteidiger geeignet, die gesamte Außenbahn nahezu im Alleingang zu beackern.

Deswegen spielte zwischen Alves und Puyol kein Verbindungsspieler wie Iniesta auf dem anderen Flügel. Im Normalfall hat Guardiolas Methode allerdings Erfolg, sicher der gegnerische Linksverteidiger doch in der Regel standardmäßig seine Seite ab und schiebt mit der Viererkette mit. Ein Verhalten, dass dafür sorgt, dass er es mit den Außenstürmern Barcelonas zu tun bekommt.

Real konterte somit, indem Mourinho Coentrao eine klar definierte Aufgabe zu wies. Er sollte ballorientiert mitverschieben und die Hauptprinzipien der Viererkette, wie etwa das Linienspiel einhalten. Besonders Augenmerk lag aber nicht am Doppeln von Gegenspielern, an einem offensiven Aufrücken oder sonstigen zusätzlichen Aufgaben. Der Portugiese sollte sich an Alves orientieren und in zur Not in eine enge Manndeckung nehmen. Bis zu einer gewissen Breite konnte er ihn problemlos verfolgen, sein weiteres Verhalten orientierte sich an der genauen Position des Balles. Da Xavi aber weiter als normal vorne agierte, fehlte eine gewohnte Anspielstation im Zentrum, dies heikle Übergangssituation im Zentrum wurde kein spielentscheidender Faktor. Zudem bot der viel kritisierte Coentrao eine sehr starke Leistung.

6. Khedira als perfekter Lückefüller

Halbrechts im defensiven Mittelfeld wurde Khedira aufgeboten, den Mourinho als athletischen Box-to-Box-Spieler schätzt. Gegen Barca hatte der deutsche Nationalspieler aber eine besondere Aufgabe: Er spielte eine Art situationsbedingter Manndecker von Andres Iniesta, der von José Mourinho ein weiteres Mal einen Sonderbewacher erhielt. Wenn Iniesta vom Spielgeschehen entfernt war, spielte Khedira die Raumdeckung im Kollektiv seiner Mannschaft mit. Er verschob zum Ball hin und ließ Iniesta im Raum stehen. Wenn der FC Barcelona sich jedoch mit seinen Kurzpassstafetten im zweiten Drittel festsetzte, der Raum davor allerdings gesichert war, rückte Khedira eng an Iniesta und setzte den Spanier stark bei Ballbesitz konsequent unter Druck.

So wurde Iniesta als Verbindungsspieler am linken Flügel weitesgehend ausgeschaltet. In der Regel öffnet der spanische Weltmeister Lücken für Messi, kreuzt dessen Laufweg und zieht Gegenspieler aus dem Zentrum, im Idealfall bietet er sich dann auch noch sofort für einen Kurzpass an. Khediras Leistung ließ Iniestas größte Stärken allerdings verpuffen. Auch Lionel Messi musste erkennen, wie oft er an einem oder mehreren Spielern vorbeikam, dessen Teamkollegen ihm sich danach jedoch problemlos in den Weg stellen konnten.

7. Xabi Alsonso – Der Xavi von Madrid

Xabi Alonso hingegen agiert als tiefliegender Spielmacher Reals. Doch vor jedem Clasico stellen sie sich in Spanien die gleichen Fragen: Ist er schnell genug, um defensiv helfen zu können? Schaltet er schnell genug um, um offensiv helfen zu können? Die Antworten blieb er auch diese Mal schuldig, kaschierte jedoch perfekt sein vermeintlichen Schwächen und zeigte sein größten Stärken.

Nominell begann er auf der Position des halblinken Mittelfeldspielers und bekam es bei Messis Ausflügen ins Mittelfeld vor allem mit dem Argentinier zu tun. Diese Rolle füllte Alonso perfekt aus. Er ließ sich nicht zu weit nach vorne ziehen, half den Innenverteidigern, welche vertikal übergaben. Sowohl Pepé als auch Ramos schoben teilweise bis mit ins defensive Mittelfeld, von wo aus Alonso auf Messis Bewegung achtete. Messis Wege wurden so eingeschränkt, seine Pässe nach vorne und zu Alves effektiv verhindert. Auch auf die Dribblings von Messi hatte sich Reals Defensiv perfekt eingestellt. Dessen Wege wurden von einer Art Sog eingezogen, immer öfter verzichten seine Mitspieler auf das Freilaufen. Xabi Alonso attackierte Messi, oftmals etwas seitlich und wurde dann im weiteren Verlauf des Laufduelles von hinten unterstützt. »La Pulga« hatte somit einen frontalen Gegenspieler und einen von der Seite, die einzige Möglichkeit war ein Ausweichen nach links, wo Khedira zumeist bereitstand und eine weitere Passoption sperrte.

8. Reals Anti-Dreieck in der Offensive

Weil Reals Offensive relativ eng stand und sich zudem fluid bewegte, wurde schon sehr tief in Barcas-Hälfte Fehler erzwungen. Einer der Angreifer presste auf den ballführenden Gegner, die anderen beiden sperrten dessen nächsten Passoptionen. Indem sie keinen Druck auf den Ballführenden ausübten, konnten sie sich rein auf ihren Deckungsschatten konzentrieren. So wurden schnelle Vertikalpässe Barcelonas ins Mittelfeld erzwungen. Dort hatte Barca mit Busquets und Thiago im Zentrum, sowie Xavi und Messi weiter vorne als üblich eine ganz andere Ausgangssituation im Zentrum. Der Passempfänger hatte nach dem Anspiel nur wenige Alternativen, die Barca typische Dreiecksbildung wurde in die Abwehr gedrängt. Hier schwärmte dann Reals Offensive sofort in die Breite aus, wodurch sie Barcas Probleme im Aufbau verschärften.

An dieser Stell kam Xabi Alonso ins Spiel. Er musste instinktiv entscheiden, ob Barcelona den Pass in die Mitte spielen könnte und wie hoch die Chance auf einen Fehlpass unter Bedrängnis wäre.  Letztlich ist er als »Xavi von Madrid« wohl sogar der einzige, der diese ausgeprägten antizipatorischen Fähigkeiten besitzt. Damit Real Madrid allerdings bei nichterfolgtem Ballgewinn Alonsos weiterhin im Spiel blieb und Bälle erobern konnte, bedurfte es einer besonderen Spielweise.


9. Pressing 2.0 ohne konventionelle Raumdeckung

Auffälig war, dass Barcelona in diesem Clasico verhältnismäßig viele Fehlpässe spielte. Lionel Messi konnte mit 79 Prozent weniger Pässe anbringen als gewohnt (ca. 85 Prozent), Iniesta lag mit unter 80 Prozent sogar deutlich unter seinem durchschnittlichen Saisonwert knapp 90 Prozent. Zwar lag der Ballbesitz  der Katalanen mit 72 Prozent knapp über ihrem Saisondurchschnitt (69 Prozent), dennoch konnten sie »nur« 700 Pässe an den Mann bringen (bisheriger Saisondurchschnitt: 764). Zudem wurden die Pässe weniger risikoreich gespielt als man es von Barca kennt. 91 Prozent wurden statistisch als Kurzpässe klassifiziert, zwei Prozent mehr als sonst.

Diese leichte Verschiebung hatte jedoch Folgen fpr das ansonsten perfekt austarierte Passpiel Barcas. Die Maschine geriet ins Stottern, was nicht zuletzt am ungewöhnlichen Pressing Reals lag. Normalerweise findet Pressing im Verbund mit der Raumdeckung statt. Die jeweiligen Spieler nähern sich dem Ballführenden und versuchen währenddessen die potenziellen gegnerischen Passempfänger in ihrem Deckungsschatten stehen zu lassen. Dadurch ist jener nicht anspielbar, der ballführende Gegenspieler hat keine Passoption. Er muss nun entweder einen langen Ball oder ein Dribbling riskieren. Das Problem: Barcelonas Spieler besitzen durchweg herausragende Fähigkeit im Spiel ohne Ball. Die Mitspieler bieten sich unaufhörlich an, die Kurzpässe sind ungefährlich und können schnell zirkulieren. Das Pressing wird ausgehebelt und Barcelona lässt die andere Mannschaft laufen. Auch diesem Clásico war Real beispielsweise bereits nach dreißig Minuten einen Kilometer im Kollektiv mehr gelaufen.

Real stellte sein Pressing also um: Die Spieler, die mit auf den ballführenden Gegenspieler schoben, deckten ihre Spieler in Manndeckung. Dadurch wurde das Pressing weniger kompakt, aber gegen Barca-Spielausrichtung wirksamer. Barcas Spieler suchten zu oft einen einfachen Ball, Real antizipierte dieses Passwegen herausragend – eine Art geistiges Pressing. Sofort nachdem der Ball gespielt wurde, presste der zuständige Spieler dann auf seinen direkten Gegenspieler. Dieser hatte weniger Zeit, wurde dynamisch bedrängt und fand sich in einer unüblichen Situation wieder. Daraus resultieren viele Ballverluste. Diese ungewöhnliche Mischung aus Raum- und Manndeckung im Forechecking wirkte sich fatal auf das Barca-Spiel aus.

Deswegen gelang es auch keinem Barca-Spieler, das Spiel an sich zu reißen. Barcelonas Verunsicherung machte sich vor allem bei Xavi bemerkbar. Erstmals seit vielen Jahren konnten die Zuschauer im Camp Nou beobachten, wie Xavier Hernández i Creus das Spielfeld nicht dominierte, obwohl er darauf stand.

10. José Mourinho proudly presents: »How-to-defend against Leo Messi«

Überraschend war auch, dass gleichzeitig mit dem lahmenden Barca-Spiel auch Lionel Messi an diesem Abend nicht im Takt des Barcelona-Uhrwerks spielte.

Grund dafür war auch die perfekte Ausrichtung Reals durch den Coach Mourinho, der anscheinend den Messi-Code entschlüsselt hat. Deswegen aufgepasst, Chelsea. Hier kommen die wichtigsten Faktoren, um Messi ruhig zu stellen:

Verfolgen mit vertikalem Übergeben: Ramos schob ständig mit Messi mit, entfernte sich der Argentinier zunehmend vom Real-Strafraum nahm ihn Xabi Alonso in Empfang. Wenn sich Messi so tief fallen ließ, dass er den kompakten Sechserblock zerrissen hätte, wurde er ignoriert.

- Erzwungen-tiefe Stellung, um den Ball zu erhalten: Dadurch dass Messi sich wegen der kompakten Abwehr und hohen Formation Reals in die eigene Hälfte begeben musste, befand er sich sehr weit weg vom gegnerischen Tor. Er konnte durch seine überragenden Dribblings zwar immer wieder mehrere Spieler aussteigen lassen, früher oder später wurde er jedoch geblockt. Obwohl er sehr viele Meter mit Ball am Fuß laufen konnte, war er meist nicht einmal gefährlich in Strafraumnähe.

- Isolation seiner Schlüsselmitspieler: Andrés Iniesta wurde davon abgehalten, Messis Räume zu öffnen und für Kombinationen bereit zu stehen. Dani Alves wurde auf dem Flügel abgedrängt und aus dem Spiel genommen, während Xavi im Niemandsland der kompakten Real-Abwehr herumirrte.

- Kein Raum zwischen den Linien: Die Schnittstellen zwischen den Defensivreihen sind Messis Spezialgebiet. Hier kann er mit kurzen schnellen Bewegungen genug Platz finden, um torgefährlich zu werden. Da sich Real ohnehin auf die langen Diagonalbälle Alonsos konzentriert, benötigt man kein wirkliches Mittelfeld, Schnittstellen lösen sich auf. Özil befindet sich in konstanter Bewegung und sucht Lücken, lange Bälle auf Cristiano Ronaldo und Benzema sind wichtig. Real Madrid gewann 65 Prozent aller Luftzweikämpfe, 43 Prozent aller Angriffe kamen über links und knapp über 28 Prozent aller Pässe waren lang und hoch. Bei den Katalanen waren es 6,7 Prozent.

- Unterstützen und gegenseitiges Absichern beim Attackieren: Wenn Messi mit dem Ball am Fuß marschierte, wurde er von Alonso und einem Partner in die Mangel genommen. Mit fortschreitender Laufdauer kamen mehr Spieler oder es wurde ein taktisches Foul begangen.

- Abschneiden von Passwegen: Vor allem Doppelpässe im torgefährlichen Raum wurden konsequent verhindert, so dass Messi kaum zum Abschluss kam.

9. Pressing 2.0 ohne konventionelle Raumdeckung

Auffälig war, dass Barcelona in diesem Clasico verhältnismäßig viele Fehlpässe spielte. Lionel Messi konnte mit 79 Prozent weniger Pässe anbringen als gewohnt (ca. 85 Prozent), Iniesta lag mit unter 80 Prozent sogar deutlich unter seinem durchschnittlichen Saisonwert knapp 90 Prozent. Zwar lag der Ballbesitz  der Katalanen mit 72 Prozent knapp über ihrem Saisondurchschnitt (69 Prozent), dennoch konnten sie »nur« 700 Pässe an den Mann bringen (bisheriger Saisondurchschnitt: 764). Zudem wurden die Pässe weniger risikoreich gespielt als man es von Barca kennt. 91 Prozent wurden statistisch als Kurzpässe klassifiziert, zwei Prozent mehr als sonst.

Diese leichte Verschiebung hatte jedoch Folgen fpr das ansonsten perfekt austarierte Passpiel Barcas. Die Maschine geriet ins Stottern, was nicht zuletzt am ungewöhnlichen Pressing Reals lag. Normalerweise findet Pressing im Verbund mit der Raumdeckung statt. Die jeweiligen Spieler nähern sich dem Ballführenden und versuchen währenddessen die potenziellen gegnerischen Passempfänger in ihrem Deckungsschatten stehen zu lassen. Dadurch ist jener nicht anspielbar, der ballführende Gegenspieler hat keine Passoption. Er muss nun entweder einen langen Ball oder ein Dribbling riskieren. Das Problem: Barcelonas Spieler besitzen durchweg herausragende Fähigkeit im Spiel ohne Ball. Die Mitspieler bieten sich unaufhörlich an, die Kurzpässe sind ungefährlich und können schnell zirkulieren. Das Pressing wird ausgehebelt und Barcelona lässt die andere Mannschaft laufen. Auch diesem Clásico war Real beispielsweise bereits nach dreißig Minuten einen Kilometer im Kollektiv mehr gelaufen.

Real stellte sein Pressing also um: Die Spieler, die mit auf den ballführenden Gegenspieler schoben, deckten ihre Spieler in Manndeckung. Dadurch wurde das Pressing weniger kompakt, aber gegen Barca-Spielausrichtung wirksamer. Barcas Spieler suchten zu oft einen einfachen Ball, Real antizipierte dieses Passwegen herausragend – eine Art geistiges Pressing. Sofort nachdem der Ball gespielt wurde, presste der zuständige Spieler dann auf seinen direkten Gegenspieler. Dieser hatte weniger Zeit, wurde dynamisch bedrängt und fand sich in einer unüblichen Situation wieder. Daraus resultieren viele Ballverluste. Diese ungewöhnliche Mischung aus Raum- und Manndeckung im Forechecking wirkte sich fatal auf das Barca-Spiel aus.

Deswegen gelang es auch keinem Barca-Spieler, das Spiel an sich zu reißen. Barcelonas Verunsicherung machte sich vor allem bei Xavi bemerkbar. Erstmals seit vielen Jahren konnten die Zuschauer im Camp Nou beobachten, wie Xavier Hernández i Creus das Spielfeld nicht dominierte, obwohl er darauf stand.

10. José Mourinho proudly presents: »How-to-defend against Leo Messi«

Überraschend war auch, dass gleichzeitig mit dem lahmenden Barca-Spiel auch Lionel Messi an diesem Abend nicht im Takt des Barcelona-Uhrwerks spielte.

Grund dafür war auch die perfekte Ausrichtung Reals durch den Coach Mourinho, der anscheinend den Messi-Code entschlüsselt hat. Deswegen aufgepasst, Chelsea. Hier kommen die wichtigsten Faktoren, um Messi ruhig zu stellen:

Verfolgen mit vertikalem Übergeben: Ramos schob ständig mit Messi mit, entfernte sich der Argentinier zunehmend vom Real-Strafraum nahm ihn Xabi Alonso in Empfang. Wenn sich Messi so tief fallen ließ, dass er den kompakten Sechserblock zerrissen hätte, wurde er ignoriert.

- Erzwungen-tiefe Stellung, um den Ball zu erhalten: Dadurch dass Messi sich wegen der kompakten Abwehr und hohen Formation Reals in die eigene Hälfte begeben musste, befand er sich sehr weit weg vom gegnerischen Tor. Er konnte durch seine überragenden Dribblings zwar immer wieder mehrere Spieler aussteigen lassen, früher oder später wurde er jedoch geblockt. Obwohl er sehr viele Meter mit Ball am Fuß laufen konnte, war er meist nicht einmal gefährlich in Strafraumnähe.

- Isolation seiner Schlüsselmitspieler: Andrés Iniesta wurde davon abgehalten, Messis Räume zu öffnen und für Kombinationen bereit zu stehen. Dani Alves wurde auf dem Flügel abgedrängt und aus dem Spiel genommen, während Xavi im Niemandsland der kompakten Real-Abwehr herumirrte.

- Kein Raum zwischen den Linien: Die Schnittstellen zwischen den Defensivreihen sind Messis Spezialgebiet. Hier kann er mit kurzen schnellen Bewegungen genug Platz finden, um torgefährlich zu werden. Da sich Real ohnehin auf die langen Diagonalbälle Alonsos konzentriert, benötigt man kein wirkliches Mittelfeld, Schnittstellen lösen sich auf. Özil befindet sich in konstanter Bewegung und sucht Lücken, lange Bälle auf Cristiano Ronaldo und Benzema sind wichtig. Real Madrid gewann 65 Prozent aller Luftzweikämpfe, 43 Prozent aller Angriffe kamen über links und knapp über 28 Prozent aller Pässe waren lang und hoch. Bei den Katalanen waren es 6,7 Prozent.

- Unterstützen und gegenseitiges Absichern beim Attackieren: Wenn Messi mit dem Ball am Fuß marschierte, wurde er von Alonso und einem Partner in die Mangel genommen. Mit fortschreitender Laufdauer kamen mehr Spieler oder es wurde ein taktisches Foul begangen.

- Abschneiden von Passwegen: Vor allem Doppelpässe im torgefährlichen Raum wurden konsequent verhindert, so dass Messi kaum zum Abschluss kam.

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