Bayern-Stuttgart: Das Pokalfinale in der Analyse

Keine Formsache

Die Bayern gewinnen das historische Triple. Doch der Pokalsieg gegen Stuttgart war nicht so leicht, wie viele Experten zuvor gedacht hatten. Die 11FREUNDE-Taktikanalyse.

Eigentlich war das Triple nur noch eine Formsache – zumindest wenn man die Stimmen vor dem Spiel hörte. Kaum jemand glaubte ernsthaft an eine Niederlage der Bayern, »selbst mit 1,8 Promille hätten wir noch eine Chance«, tönte Karl-Heinz Rummenigge. Aber zum Fußball gehören immer zwei Teams – und wenn sich die andere Mannschaft so gut anstellt wie der VfB Stuttgart in der ersten halben Stunde, bekommt auch der große FC Bayern Probleme.

Stuttgarts Pressing

Die Stuttgarter taten gut daran, sich nicht zu verstecken, sondern von der ersten Minute an aggressiv und offensiv aufzutreten. Defensiv sortierten sie sich in einem 4-4-1-1-System und setzten auf ein frühes Pressing. Vedad Ibisevic orientierte sich in der vordersten Linie an Jerome Boateng, sodass dieser das Aufbauspiel der Bayern nicht leiten konnte. Diese Aufgabe musste stattdessen Daniel van Buyten übernehmen, der mit dem Spielaufbau jedoch seine liebe Mühe hatte.

Um das Spiel aus der Tiefe anzukurbeln, ließ Bastian Schweinsteiger sich weit in die eigene Hälfte fallen. Wenn dieser auf der Höhe der Abwehrreihe agierte, reagierte Stuttgart und passte das eigene Pressing an. Sie stellten sich situativ in einem 4-3-3 auf. So schafften sie in vorderster Linie eine Eins-gegen-Eins-Zuordnung; Ibisevic und Martin Harnik nahmen die Innenverteidiger auf, Alexandru Maxim ging auf Schweinsteiger.

Auch wenn Schweinsteiger nicht in die Abwehrreihe abkippte, sah er sich permanenten Attacken von Arthur Boka ausgesetzt. Der Stuttgarter Sechser ließ Schweinsteiger nicht aus den Augen und ließ ihm keine Zeit am Ball. Schon früh verschaffte er sich mit kleineren und mittelgroßen Fouls Respekt. So war Schweinsteigers Einfluss in Halbzeit Eins recht gering. Die Bayern mussten überraschend oft auf den langen Ball setzen, um aus der eigenen Hälfte zu kommen.

Bayerns kommt über die rechte Seite

Auch offensiv konnten die Stuttgarter überzeugen. Sie kamen vor allem über die Flügel. Hier erzeugten sie viele Überzahlsituationen: Die zentralen Mittelfeldspieler Boka und Christian Gentner gingen immer wieder nach Außen und kombinierten dort mit den aufrückenden Außenverteidigern. Die Stuttgarter stellten auf den Flügeln viele Dreiecke her, die sie mit schnellen Ein-Kontakt-Kombinationen bespielten. So kamen sie einige Male gefährlich hinter die Münchener Außenverteidiger, die größte Chance nach einer Flanke vergab Maxim jedoch (9.).


Auffällig war zudem, dass Martin Harnik und Ibrahima Traore immer wieder die Positionen tauschten. Harnik agierte stets etwas höher und stieß in den Strafraum, um seine Torgefahr einzusetzen. Traore spielte etwas tiefer und schlug Flanken in den Sechzehner. Diese Asymmetrie nutzten die Bayern jedoch aus: Wenn Harnik auf der linken Seite hoch agierte, ließ sich Arjen Robben fallen. Er kam im Loch hinter Harnik an den Ball und kurbelte von dort das Spiel seines Teams an.

Überhaupt war die rechte Seite an diesem Abend die stärkere der Münchener. Thomas Müller und Franck Ribery orientierten sich immer wieder nach rechts, um mit Robben Überzahlsituationen herzustellen. Auch Philipp Lahm interpretierte seine Rolle offensiv. Er startete immer wieder diagonal ins Zentrum. So konnte ihn Arjen Robben vom Flügel aus mehrfach in den Sechzehner schicken. Das 1:0 fiel nach einem solchen diagonalen Lauf Lahms; Traore brachte ihn im Sechzehner zu Fall, Müller verwandelte den Strafstoß (37.).

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