Bayern Münchens schwuler Präsident

Die Seele des Ganzen

Angelo Knorr war Präsident des FC Bayern und prägte den Klub wie wenige andere. Doch seine Amtszeit endete tragisch. Weil Knorr homosexuell war.   

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Sieben Jahre lang ist der Vorsitzende des FC Bayern im Amt, sieben Jahre lang tut er etwas Verbotenes. Als es am 28. September 1913 schließlich an Angelo Knorrs Tür klopft, weiß er, dass das Versteckspiel ein Ende hat. Die Polizei verhaftet Knorr, der Mann mit dem dichten Bart und dem eindringlichen Blick muss vorübergehend in Untersuchungshaft. Knorrs Vergehen? Er ist schwul.   

1913 sind die Dinge in Deutschland noch etwas anders gelagert. Im Reichstrafgesetzbuch ist der berüchtigte Paragraph 175 verankert, der aus Homosexualität »eine widernatürliche Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts« macht. Knorr, erfolgreicher Chemiker und in der Fußballabteilung des FC Bayern München ehrenamtlich »die Seele des Ganzen«, wie Vereinskassierer Fred Dunn sagt, sieht sich einer Strafanzeige gegenüber, die ihn gesellschaftlich ruiniert. Der vierte Präsident des FC Bayern – und vielleicht dessen wichtigster – muss aufgrund seiner Sexualität sein Amt niederlegen und verkommt mit den Jahren zu einer Fußnote der Klubhistorie, im Schatten seines Nachfolgers Kurt Landauer.   

Er legt den Grundstein des heutigen FC Bayern München

Dabei ist es Angelo Knorr, der dem Verein zwischen 1907 und 1913 wichtige Impulse zur Professionalisierung gibt. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er Mitglied des Münchner SC, wo er zunächst Tennis spielt. Die vor allem für die Fußballabteilung so wichtige Fusion des FC Bayern mit dem gut situierten MSC treibt Knorr federführend voran, in den Vereinsmitteilungen wird er als »geistiger Vater« der Zusammenführung genannt. Mit seinem unermüdlichen Einsatz, seiner Kreativität und seinem Geschäftssinn legt Knorr den Grundstein dessen, was wir heute als FC Bayern München kennen.   

Noch während seines Studiums ist der gebürtige Münchner erstmals Präsident. Mit Geschick und den guten Kontakten des MSC gelingt es ihm, englische Teams nach München zu lotsen. Die britischen Mannschaften gelten damals als Attraktion, und obwohl die Bayern gegen die Profis aus Sunderland, Blackburn oder Tottenham ordentlich Lehrgeld zahlen und teils fast zweistellig verlieren, erhöht sich die Bekanntheit des FCB sprunghaft. Zwischen 1908 und 1911 verdreifachen sich die Mitgliederzahlen der Fußballabteilung. Ebenso ist es Knorr, der 1911 anstößt, erstmals einen hauptamtlichen englischen Trainer für eine ganze Saison anzustellen. Unter dem von Knorr verpflichteten Charles Griffith professionalisiert sich der Trainings- und Spielbetrieb. Bereits im selben Jahr, Knorr ist noch im Amt, wird er von den Mitgliedern aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.   

Er kämpft gegen seine Homosexualität an

Im Verein ist Knorr hochangesehen, auch beruflich ist er überaus erfolgreich: 1909 promoviert der Sohn einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie mit Summa cum laude und arbeitet anschließend als Assistent seines Doktorvaters Wilhelm Schlenk. Und doch ist er unglücklich. Seit seiner Jugend weiß er um seine Homosexualität. Er kämpft dagegen an und trifft sich mit Frauen – Es ist ein Kampf, der ihn mit den Jahren depressiv macht. Um seine Sexualität leben zu können, reist er oft nach Italien, wo Homosexualität nicht mehr illegal ist, ab und an zieht es ihn trotz des Risikos auch ins Münchner Schwulenmileu. Einer dieser Abende wird ihm schließlich zum Verhängnis. Er trifft auf Alois Jiricek, einen jungen Stricher. Als dieser wenig später von der Polizei aufgegriffen wird, nennt er Knorr als Kunden.

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