Bayern München in der Einzelkritik

Dieses Spiel hätte nicht von Minderjährigen gesehen werden dürfen

Ein geknickter Kampfhund-Besitzer, ein Sylvester-Stallone-Imitat, ein Raumverlierer: Die Bayern haben sich bei der 0:4-Niederlage gegen Real nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Einzelkritik.

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Manuel Neuer
Was soll man jetzt machen? Sich ärgern, dass Manuel Neuer gestern nicht der erhoffte Fels in der Brandung war? Darüber motzen, dass Neuer nicht wie gewohnt ein bis vier Unhaltbare aus seinem Fünfmeterraum wischte, beim Herauslaufen so sicher wirkte wie ein Pyromane beim Osterfeuer und selbst seine gefürchteten Abwürfe auf die Rücken von Ordnern, statt in die Füße seiner Mitspieler löffelte? Oder sollen wir uns darüber freuen, dass auch der vermeintlich beste Torwart der Welt mal einen durchschnittlichen Tag erwischen kann, wenn es eigentlich darauf ankommt? Vielleicht einigen wir uns auf ein schiedlich-friedliches Jein in beiden Fällen und merken an, dass der Torwart bei so einem Ergebnis eh immer die ärmste Sau ist. Wollen wir also nicht weiter feste draufhauen, sondern wenden uns…

...Philipp Lahm
zu, der wahrscheinlich selbst dann eine Topleistung abrufen würde, wenn er am Abend zuvor drei Liter selbstgebrannten sibirischen Wodka durch die Bierbong eingeatmet, und statt zu schlafen gegen einen handelsüblichen Berliner Electro-Club-Besucher im um die Wette koksen angetreten wäre. Als seine Mannschaft nicht ins Spiel fand, war Lahm schon mittendrin. Als sie konfus agierte, behielt er die Übersicht. Und als sie ängstlich auf Reals Überfall reagierte, beackerte Lahm seine rechte Seite so mutig wie William Wallace im letzten Gefecht. Gebt Lahm den Körper von Lothar Matthäus, das Gesicht von Rudi Völler und das Gehabe von Stefan Effenberg – die leidige Leader-Diskussion in Deutschland würde sofort beendet sein.

Dante
Über die Defensivqualitäten von Jürgen Kohler hat Jörg Dahlmann mal gesagt: »Kohler köpft alles weg, der würde sogar einen Kasten Bier aus dem Strafraum köpfen.« Das dachten wir bis gestern auch von Dante, diesem eleganten Brasilianer mit der noch eleganteren Kiffer-Frisur. Doch dann verlor Bayerns Afroturm so viele Kopfballduelle wie ein Kasten Starkbier. Und weil es schon oben rum nicht so gut lief, ließ sich Dante auch noch am Boden häufiger verarschen, als ein Neugeborenes am 1. April. Scherzkeks und Widersacher: Cristiano Ronaldo. Was man Dante zu Gute halten muss: Ronaldo hat in dieser Saison schon jedem Verteidiger mindestens einen guten Streich gespielt.

Jerome Boateng
Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Jerome Boateng ist ein Guter. Vielleicht gegenwärtig der beste deutsche Verteidiger. Aber im wichtigsten Spiel des Jahres wirkte auch er hilfloser als ein Fünfjähriger, den man mitten in der Sahara ausgesetzt hat. Ronaldo, Benzema und Bale konnten mit Boateng machen, was sie wollten. Das hatte was von einer Katze, die mit einer todgeweihten Maus spielt. Es war grausam mitanzusehen. Apropos Katzenvergleiche: 11FREUNDE wünscht den Bayern alles Gute beim Wunden lecken.

David Alaba
Der junge Österreicher hat in den vergangenen zwei Jahren schon so viele überragende Partien absolviert, da muss man ihm auch mal ein eher mäßiges zugestehen. Dass das ausgerechnet im Rückspiel gegen Real Madrid sein musste, war bitter. Noch bitterer: Alabas Gegenspieler am gestrigen Abend hieß Gareth Bale. Und so hatte das Duell dann phasenweise was von einem 100-Meter-Sprint zwischen Gepard und angetrunkenem Flusspferd. Herr Alaba möge uns den Pferde-Vergleich verzeihen.

Toni Kroos
Toni Kroos spielt die schönsten Sicherheitspässe der Welt. Keiner schickt den Ball so gezielt in die Umlaufbahn wie der Mittelfeldmann der Bayern. Durchschnittlicher Raumgewinn seiner Pässe am gestrigen Abend: null Meter. Teilweise bewegte sich Kroos sogar im Minusbereich, was ihm kurzzeitig den Titel des Raumverlierers einbrachte. Als er es dann in der letzten Viertelstunde doch mal mit Zuspielen in die Spitze, statt auf die Flügel versuchte, fiel seine Passquote schlimmer in den Keller als der Dow-Jones-Index am 24. Oktober 1929. Eigentlich kann Kroos alles. Aber in den großen Spielen scheint er mit derart vielen Sicherheitsvorkehrungen im Kopf zu spielen, dass man das Gefühl bekommt, Bayerns Physiotherapeuten würden Kroos vor dem Spiel nicht mit Tape, sondern mit Absperrband behandeln und statt eines Trikots eine Warnweste rauslegen.

Bastian Schweinsteiger
Die Kollegen von der »Süddeutschen Zeitung« verpassen Bastian Schweinsteiger ja beharrlich ein »kantiges Bergführer-Gesicht«. Da wir hier aus dem Berliner Flachland natürlich keine Ahnung haben, wie solch ein Gesicht aussehen könnte, wollen wir einen neuen Vergleich wagen. Gegen Real, ganz besonders nach den ersten beiden Gegentoren, glich Schweinsteiger eher einem Kampfhund-Besitzer, dessen Vorzeige-Rottweiler gerade beim illegalen Hundefight in einem Hellersdorfer Hinterhof seinen Biss-Verletzungen erlegen ist. Schweinsteigers Charakterfront vereinigte Entsetzen, Enttäuschung und blitzartige auftretende Aggression zu einer erstaunlichen Mischung. Apropos Berliner Hinterhöfe: Banksy sollte langsam darüber nachdenken, Schweinsteiger Konterfei an eine Wand seiner Wahl zu malen. Gestern jedenfalls gab der gebrochene Mittelfeldlenker dem Bayern-Debakel ein Gesicht.

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