Bayern, Koks und Knast: Die irre Karriere von Kevin Hansen

»Zuhause liegt eine Tasche voller Geld...«

Kevin Hansen debütierte im Mai 2002 für Hansa Rostock mit einem Tor gegen den FC Bayern. Später saß er im Gefängnis, weil er Mitwisser beim größten Drogendeal in der deutschen Geschichte gewesen sein soll. Jetzt spielt er in der Landesliga und lernt Bürokaufmann. In der aktuellen Ausgabe berichten wir über ihn.

Benne Ochs
Heft: #
143

Wenn Kevin Hansen den Ball über das Feld führt, sieht das ein wenig so aus wie früher bei Günter Netzer. Er spielt tödliche Pässe aus dem Fußgelenk und schießt gefühlvolle Freistöße, doch ohne Ball bewegt er sich kaum. Hansen ist 34 Jahre alt, und nach zehn Operationen und einem kräftezehrenden Leben hat er den Körper eines Greises. »Nehmt mal ein altes Foto«, sagt er. »Hab’ ein bisschen abgebaut.« Es reicht noch für Hamm United, einen Klub im Osten Hamburgs, Landesliga. Das ist wirklich ziemlich weit unten für einen, der früher mal als einer der besten Jugendspieler Deutschlands galt.

Vom ersten Gehalt kaufte er seinen Eltern eine Wohnung

Ganz oben war er am 34. Spieltag der Saison 2001/02. Damals gelang Kevin Hansen in seinem ersten Profieinsatz ein Treffer gegen den FC Bayern, und als er nach dem Spiel mit seinem Vater telefonierte, konnte der kaum reden, denn er weinte vor Freude. Seine Eltern hatten mit ihm in den neunziger Jahren im Volksparkstadion gesessen und ihren Lieblingsspieler Thomas Doll angefeuert. Sie hatten ihren Sohn jahrelang zu jedem Spiel begleitet, selbst wenn er mit den Hansa-Amateuren irgendwo in Eberswalde auf einem Dorfplatz kickte. Ihr Kevin, der den Ball schlenzen konnte wie kaum ein anderer, hatte es geschafft. Von seinem ersten Profigehalt kaufte er den Eltern eine Wohnung.
Das ist die eine Geschichte. Sie endet in diesem Glücksmoment am 4. Mai 2002, noch bevor sie richtig angefangen hat.

Die andere Geschichte ist eine von falschen Entscheidungen und Pechmomenten. Sie beginnt wenige Monate nach dem Tor gegen Oliver Kahn, am 25. Januar 2003. Hansa spielt an diesem Tag gegen 1860 München, und Hansen gelingt nichts. Nach 20 Minuten steht es 0:3, nach 36 Minuten nimmt ihn Armin Veh vom Feld. »Mir fehlte manchmal das Selbstbewusstsein«, sagt Hansen heute. »Streck mal die Brust raus!«, sagt Veh damals häufig. Hansen gibt im Training alles, doch in den kommenden Wochen muss er wieder bei der zweiten Mannschaft ran. Im Februar 2003 geht er bei einem Spiel auf einem gefrorenen Nebenplatz zum Kopfball hoch, und als er landet, hört er es knacken. Der Knöchel ist durch.

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