30.06.2012

Bastian Schweinsteiger, kraftloser Antreiber

Das Ballack-Syndrom

Er sollte der Anführer der deutschen Mannschaft sein - doch Bastian Schweinsteiger hatte schon Mühe, sich selbst im Spiel zu halten. Nun droht ihm das Ballack-Schicksal.

Text:
Michael Rosentritt
Bild:
Imago

Sein letzter Laufweg führt Bastian Schweinsteiger in die deutsche Kurve. Und es ist ein Laufweg leidensvoller Langsamkeit. Bastian Schweinsteiger hebt noch einmal die Hand. Es ist wohl als ein Winken gedacht, doch seine Handbewegung wirkt eher wie ein großes Lamento. In dieser einen Handbewegung hat Bastian Schweinsteiger sein Wirken bei diesem Turnier zusammengefasst. Es sollte das Turnier der Deutschen werden, das Turnier der Generation Schweinsteiger. Bis das Turnier plötzlich abgebogen ist, und einen anderen Laufweg eingeschlagen hat.

Man kann es beklagen, man kann es beweinen, dass die Deutschen wieder einmal vor dem großen Ziel abgefangen worden sind. Dieses Mal nicht von Spanien, wie bei den beiden zurückliegenden Turnieren. Dieses Mal ist der Mannschaft von Joachim Löw Italien dazwischengekommen, und zwar mit List, Geschick und Wucht. Qualitäten, die die deutsche Elf an diesem Abend auf dem Rasen des Warschauer Stadions nicht bringen können. Es war ein Abend des großen Scheiterns, man könnte auch sagen, es war ein Abend des Bastian Schweinsteiger.

Die Rotation traf alle, nur nicht Schweinsteiger

Joachim Löw hat bei diesem Turnier immer wieder viele personelle Wechsel vorgenommen. Er hat sein Team von Spiel zu Spiel auf bis zu vier Positionen verändert, auch gegen Italien waren es wieder drei. Und es hatte auch wirklich prominente Fußballer getroffen wie Klose und Gomez, wie Podolski und Müller. Nur den einen Wechsel, der sich am ehesten angeboten hätte, den hat er nicht vorgenommen. Den Wechsel von Bastian Schweinsteiger. Der 27-Jährige ist angeschlagen ins Turnier gegangen. Allen war klar, dass es ein gewisses Risiko gewesen ist, einen zentralen Spieler wie ihn während eines Turniers, also im vollen Lauf, zum Laufen zu bekommen. Am Ende lässt sich sagen, dass Schweinsteiger nie richtig fit geworden ist. Nicht körperlich und nicht mental.

Aber genau das war ja der Grund, weshalb Löw bei aller Wechselwütigkeit an einem Spieler festgehalten hat, der nicht einmal das Trainingsprogramm zwischen den Spielen absolvieren konnte. Löw brauchte das emotionale Leadership Schweinsteigers. Das Anführerische seines Tuns. Gerade in hitzigen, in engen Spielen. In Spielen wie gegen Griechenland war sein Durchhängen ausbügelbar. Aber in Matches wie gegen Italien sind Charakter und Wille, das sogenannte Dagegenhalten-Können, gefragt. Schweinsteiger konnte nicht dagegenhalten, weil er schon Mühe hatte, sich selbst im Spiel zu halten.

Große Karriere - ohne große Titel

 
 
 
 
 
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