Basel und Tottenham werben für die Europa League

Eurofighter reloaded

Der Viertelfinalsieg des FC Basel über Tottenham Hotspur hat an fast schon verloren geglaubte Europapokalnächte erinnert. Mit Dreck, Schweiß, Tränen und einem Elfmeterschießen feierte der frühere Uefa-Cup gestern Abend eine kleine Renaissance.

Zugegeben, wie die meisten anderen Deutschen hatten auch wir spätestens mit dem Ausscheiden des VfB Stuttgarts das Interesse an der Europa League verloren. Bis zum gestrigen Viertelfinal-Duell zwischen dem FC Basel und den Tottenham Hotspur, das die Schweizer erst im Elfmeterschießen mit 4:1 für sich entscheiden konnten, schienen wir auch nicht allzu viel verpasst zu haben. Denn nach zwei aufregenden Champions-League-Abenden wirkt die Europa League zumeist wie ein Nachtisch von der Schwiegermutter, der nach einem Hauptgang nur aus Höflichkeit verzehrt wird.

Auch die gestrige Begegnung war nichts für Tiki-Taka-Gourmets. Trotzdem war es das beste, was dieser Wettbewerb seit langem zu bieten hatte. Flutlichtatmosphäre, strömender Regen, ein prall gefülltes Stadion und ein Sieg für den Underdog aus Basel im Elfmeterschießen lieferten den Stoff, aus dem Europapokalnächte gemacht sind.

Die gesamte Dramatik dieser Partie manifestierte sich nach 120 absolvierten Minuten an Michael Dawson. Tottenhams Kapitän und Innenverteidiger hatte sich, wie auch der Rest der seiner Mannschaft, vollkommen verausgabt. In der 90. Minute hatte Hotspur Jan Vertonghen für eine Notbremse die Rote Karte gesehen, Tottenham musste sich in Unterzahl gegen den 30-minütigen Sturmlauf der Gastgeber wehren. Noch Sekunden bevor der Schiedsrichter die Verlängerung beim Stand von 2:2 beendete und zum Elfmeterschießen bat, konnte sich Dawson, in seinem von Regen und Dreck durchtränkten Shirt, kaum noch auf den Beinen halten und sank mit dem Schlusspfiff in die Knie.

Renaissance der Eurofighter

Zuvor hatten sich beide Teams einen packenden Schlagabtausch geboten, bei dem der FC Basel einen 0:1-Rückstand zunächst in eine 2:1-Führung drehte, ehe Clint Dempsey in der 82. Minute noch den späten Ausgleich erzielen konnte. Bedingt durch den Platzveweis, dominierte Basel die Verlängerung.Tottenham warf defensiv alles in die Waagschale, was es zu bieten hatte. Im Elfmeterschießen mussten sich die Engländer jedoch traditionell aufgrund von zwei Fehlversuchen geschlagen geben.

Verwöhnt von den Darbietungen der Messis, Ronaldos oder Götzes in der Königsklasse, geriet diese Qualität des Fußballs, fernab von Tiki-Taka und Traumtoren, schon fast in Vergessenheit. Noch bevor der Uefa-Cup seinen einstigen Stellenwert an eine durchkommerzialisiertere Light-Version der Champions League abtreten musste, waren es gerade solche Spiele, die die Faszination für diesen Wettbewerb ausmachten. Als Sinnbild für diese Faszination am Fußball gelten immer noch die Schalker »Eurofighter«, die 1997 mit Kampf und Leidenschaft überraschend zum Uefa-Cup-Sieg marschierten und sich so ihren Spitznamen verdienten.
 
Dank dem FC Basel und Tottenham erlebte die mittlerweile zum »Cup der Verlierer« verkommene Europa League, zumindest für einen kurzen Moment eine kleine Renaissance, die an legendäre Europapokalnächte des Vorgängermodells heranreichte. Den einstigen Charme dieses Wettbewerbs zeichnete nie die Ästhetik des Fußballs aus, sondern vielmehr die Leidenschaft und Dramatik. Und beides hatte der »Eurofight« zwischen dem FC Basel und den Tottenham Hotspurs reichlich zu bieten.

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