Barcelonas Trainer Josep Guardiola

Einer von ihnen

Sang- und klanglos ging beim FC Barcelona die Ära Rijkaard zu Ende. Der neue Coach Josep Guardiola führt den Klub zurück zu alter Stärke. Sein Vorteil: Er hat Stallgeruch und die Rückendeckung des allmächtigen Cruyff. Barcelonas Trainer Josep GuardiolaImago Am 10. Spieltag holte Barca sich die Tabellenführung und baute sie mittlerweile auf einen Vorsprung von drei Punkten aus. Nach einem holprigen Saisonstart mit einer Niederlage und einem Unentschieden gegen nicht gleichwertige Gegner überrascht das.

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Die Souveränität aber, mit der die Mannschaft mittlerweile auftritt, und die Dominanz, mit der sie die Spiele gewinnt, macht sie zum Anwärter Nr.1 auf den spanischen Meistertitel. Mit einer durchschnittlichen Torausbeute von 3,41 Treffern pro Spiel ist sie das treffsicherste Team Europas, was auch die Perspektiven in der Champions League gut erscheinen lässt.

Was ist passiert? Noch vor einem halben Jahr war man in der Liga abgeschlagen, erntete Hohn und Spott, vor allem dadurch, dass sich das Team als eine Ansammlung von Solisten und Egoisten präsentierte. Gleichwohl gelang es diesem in seine Einzelteile zerfallenden Kollektiv, immerhin bis ins Halbfinale der Champions League vorzudringen und der englischen Übermacht als einziges Team vom Festland Paroli zu bieten. Der große Konkurrent aus Madrid hingegen, der am Ende einen Zehn-Punkte-Vorsprung vor Barcelona aufzuweisen hatte, war bereits im Achtelfinale gescheitert.

Das Ende der Ära Rijkaard


Frank Rijkaard, dem seit 2003 amtierenden Coach, ist in der vergangenen Spielzeit, trotz des eigentlich guten Abschneidens in der Champions League, zunehmend das Zepter aus der Hand geglitten. Die Kapriolen der Stars standen im Vordergrund, die Mannschaft als Ganzes wurde zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Ihm wurde zudem vorgehalten, Ronaldinho, Eto’o und Deco zuviel Freiraum zu gewähren. So erscheint es nicht verwunderlich, dass zwei von ihnen Rijkaard folgten und seitdem bei anderen Klubs im Senkel stehen. Eto’o entkam nur knapp der Ausmusterung und wurde zwischenzeitlich schon im fußballerischen Niemandsland, im usbekischen Taschkent, gesehen.

Im Rückblick erging es Rijkaard nicht anders als vielen anderen großen Trainern vor ihm. Eine große Mannschaft hatte er aufgebaut, mit ihr eine Ära geprägt, ja sogar den Weltfußball revolutioniert. Jedoch gelang es ihm nicht, diese mittelfristig zu etablieren.

Der FC Barcelona aber ist ein Verein wie ein Versprechen, ähnlich wie die niederländische Nationalmannschaft. Er sieht sich, nicht zuletzt durch die niederländische Tradition, die vor allem durch Johan Cruyff im Verein weiter getragen wird, verpflichtet, attraktiven, temperamentvollen Fußball mit offenem Visier zu bieten. Ein Verlauf wie jüngst bei Real Madrid, wo Bernd Schuster den Erfolg durch kühl kalkulierten Ergebnisfußball fand, wäre bei Barcelona nicht denkbar gewesen. So ist es geradezu logisch, dass auch der Trainer-Neuling Josep Guardiola – zuvor trainierte er lediglich B-Mannschaften des Klubs – für dieses Versprechen steht.

Johan Cruyff riet Vereinspräsident Laporta wohl schon seit längerem zu Guardiola, der in den Neunzigern zum Kapitän Barcelonas und zu einer prägenden Gestalt der Vereinsgeschichte aufstieg. Mit ihm gelang 1992 der Triumph in der Champions League und viele Titel auf nationaler Ebene. Aktuell dominiert Barca die Konkurrenz. National steht der Klub auf Platz 1, international gelang die Qualifikation für das Champions-League-Achtelfinale zwei Spieltage vor Rundenschluss.

»Pep achtet auf alle Details«

Vor dieser Spielzeit wurde eine Zäsur vollzogen. Verdiente Spieler gingen, vorneweg Ronaldinho, Deco, Zambrotta und Thuram. Es kamen neue, junge Wunschspieler Guardiolas, unter anderen Aliaksandr Hleb von Arsenal, Keita und Daniel Alves, beide vom FC Sevilla. Er unterzog die Mannschaft einer Frischzellenkur, die scheinbar gefruchtet hat und die man Rijkaard nicht mehr zugetraut hat. Wohl zurecht – Guardiola, der unter Johan Cruyff spielte und sehr hohes Ansehen bei ihm genießt (»Pep achtet auf alle Details und holt das Beste aus jedem heraus. Es ist ein Vergnügen, ihn bei der Arbeit zu sehen.«), ist sehr beliebt bei den Spielern.»„Man braucht nur fünf Minuten mit Guardiola zu sprechen und glaubt an das, was er einem sagt,« sagt Mittelfeldmann Andres Iniesta über ihn. Einige Spieler kennt Guardiola sogar noch aus seiner Spielerzeit bei Barca, darunter Carles Puyol.

Fortan läuft es wieder rund in der Offensiv-Maschinerie. Guardiola ist Publikumsliebling, auch das ein Unterschied zum eher verschlossenen Rijkaard, dem mitunter Kommunikationsprobleme im Umgang mit seinen Spielern bescheinigt wurden. Letztlich war es ein kurzer Rausch, die Ära Rijkaard.

Wie man sie eines Tages in der Rückschau beurteilen wird, liegt auch an seinem Nachfolger Josep Guardiola.

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