Ballack stößt wieder zur Nationalelf

Der Platzhirsch ist zurück

Mit dem Freundschaftsspiel gegen Norwegen beginnt für die DFB-Elf das Jahr 2009, das nicht einfach wird. Der zuletzt umstrittene Kapitän Michael Ballack deutet bereits an, dass er auch weiterhin seine Meinung sagen will. Ballack stößt wieder zur NationalelfImago Michael Ballack war wieder da. Er hatte einen hellblauen Trainingsanzug der Nationalmannschaft übergestreift, er wirkte locker und entspannt. Er gab artig zu Protokoll, dass er »immer gerne zur Nationalmannschaft« komme und versprach in guter Fußballersprache, sich auch im ersten Testspiel des Jahres gegen Norwegen (Mittwoch, 20.30 Uhr) anzustrengen, sich also »den Arsch aufzureißen«.

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Es wirkte an diesem Montag in Düsseldorf alles so, als hätte es niemals anders kommen können. Dabei sah es Anfang November bisweilen so aus, als ob ein unheilbarer Bruch zwischen Ballack und Bundestrainer Joachim Löw unausweichlich sei. Damals, nach den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales, hatte er von Löw in einem Interview mehr »Respekt und Loyalität« für verdiente Nationalspieler eingefordert, was das sonst so heimelige Betriebsklima in der DFB-Elf erheblich störte.

Nach einer zunehmend bizarren Diskussion in der Öffentlichkeit rauften sich Löw und Ballack dann doch wieder zusammen, und spätestens das Freundschaftsspiel gegen England (1:2) hatte im Bundestrainer die Erkenntnis reifen lassen, dass es ohne diesen Ballack einfach noch nicht geht. Damals waren im zentralen Mittelfeld Simon Rolfes und Jermaine Jones heillos untergegangen.

Die Überraschung, und wohl auch das Entsetzen, beim Bundestrainer darüber waren so groß, dass er sogar wieder den schwächelnden Torsten Frings für das ersten Spiel im neuen Jahr nominierte. Der Bremer hatte eigentlich als erstes Opfer des zähen Streits um »verdiente Spieler« gegolten. In punkto Frings sieht Mittelfeld-Kollege und Spezi Ballack indes keinen Bedarf mehr, nachzulegen. »Ich habe keine Wünsche, wer neben mir im Mittelfeld spielen soll. Das ist die Sache vom Trainer«, sagte er konform zu Löws Stillhalteforderung.

»Ich bereue es nicht«

Doch so ganz will sich Ballack weiterhin nicht das Recht absprechen lassen, auch in der Öffentlichkeit seine Meinung zu äußern. »Es ist immer ein schmaler Grat, welche Kritik man übt und was intern bleiben soll«, sagte der 32-Jährige. Im speziellen Fall sei er vielleicht hier und da etwas zu weit gegangen, aber insgesamt »bereue ich es nicht«.

Inwiefern Ballacks Vorpreschen ein dauerhaftes Problem in der DFB-Elf darstellt, wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen. Der Profi des FC Chelsea gibt sich sicher, dass »da nix hängen bleiben wird«. Auch mit den Spielern, die sein Vorgehen kritisiert haben, »habe ich schon gesprochen«.

Eine heikle Aufgabe

Unter den angesprochenen dürften auch einige gewesen sein, denen schon während der EM Ballacks (und auch Frings’) eingeforderte Platzhirsch-Position auf die Nerven ging. Daneben scheint, gerade im Zentrum, nicht viel Platz zu sein für potentielle Partner und Nachfolger wie Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Und gerade Letztere hatten bislang Schwierigkeiten, sich aus dem Schatten des Kapitäns zu befreien.

Es ist nach den Vorkommnissen im vergangenen Jahr kein leichter Start für Löws Unternehmen 2009. Es steht zwar kein großes Turnier an, doch die Aufgabe, sich für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zu qualifizieren, ist aufgrund der starken russischen Mannschaft durchaus heikel. Beendet Deutschland die Gruppe auf Platz zwei, drohen nervenaufreibende Relegationsspiele gegen einen andern Gruppen-Zweiten.

Sportlich ist es da eine gute Nachricht, dass sich Michael Ballack von den Operationen an beiden Füßen im vergangenen Herbst erholt hat. »Ich bin gut zurückgekommen, habe keine Schmerzen mehr und fühle mich fit«, sagte er. Doch er wird auch ein Kapitän bleiben, der sich den bisweilen stromlinienhaften Vorgaben des Joachim Löw weiter entziehen will.

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