Auszug aus der Alex-Ferguson-Biografie

»Das war Beckhams Todesstoß«

Alex Ferguson lässt gerade seine Weinsammlung versteigern. Geschätzter Wert: 3,6 Millionen Euro. Man hat ja sonst nichts zu tun. Seine Biografie hat die Trainer-Legende schließlich bereits geschrieben. Wir veröffentlichen Auszüge aus der deutschen Übersetzung.

Mike King
Heft: #
149

Manchmal muss man jemandem etwas wegnehmen, damit er erkennt, wie sehr er es eigentlich liebt. Als David Beckham in die Staaten zu LA Galaxy wechselte, wurde ihm wohl allmählich bewusst, dass er sich von einem Teil seiner Karriere verabschiedet hatte. Er arbeitete unglaublich hart, um wieder das spielerische Niveau zu erreichen, das er zu seinen besten Zeiten hatte.
Beckham hatte 2007, zum Zeitpunkt seines Transfers von Real Madrid in die Major League Soccer, nur wenige Alternativen. Zudem konnte ich mir gut vorstellen, dass er durchaus damit rechnete, dass sich mit Hollywood Möglichkeiten für eine neue Phase seiner Karriere auftun würden. Fußballerisch gesehen bestand für ihn kein Grund, nach Amerika zu gehen. Er gab damit den Fußball in einem Spitzenklub und auch die internationalen Spiele auf, obwohl er sich in die englische Nationalmannschaft zurückgekämpft hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er eigentlich vom Verlauf seiner Karriere in ihrer Spätphase enttäuscht war und deshalb mit eisernem Durchhaltevermögen versuchte, wieder auf Topniveau zu kommen.

Beckham war für mich wie ein Sohn

Ich sah, wie David zusammen mit Ryan Giggs und Paul Scholes zu großen Talenten heranreifte, und so war er für mich auch ein bisschen wie ein Sohn. Er kam im Juli 1991 mit 16 aus London zur Jugend von United. Innerhalb eines Jahres gehörte er zum legendären 92er-Jahrgang, dieser starken Gruppe besonders talentierter Spieler, und gewann zusammen mit Nicky Butt, Gary Neville und Ryan Giggs den FA Youth Cup. Er lief 394 Mal mit der ersten Mannschaft auf und erzielte 85 Treffer, darunter einen von der Mittellinie, und zwar gegen Wimbledon. Dieses Tor machte ihn weltberühmt.

Als ich im Mai 2013 die Trainerbank von United räumte, waren Giggs und Scholes noch immer bei United. Es waren aber schon zehn Jahre vergangen, seit uns David verlassen hatte und nach Spanien gegangen war. Am Mittwoch, dem 18. Juni 2003, hatten wir der Börse bekanntgegeben, dass Beckham für eine Ablösesumme von 24,5 Millionen Pfund zu Real Madrid wechseln würde. Damals war er 28 Jahre alt. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und für unseren Klub war das einer der Momente, in denen wohl die gesamte Weltöffentlichkeit auf uns blickte.

Ich hege keinerlei Groll gegen David. Ich mag ihn und halte ihn für einen wunderbaren Menschen. Aber bei ihm denke ich: »Man sollte das, was man gut kann, keinesfalls aufgeben.« David war unter den Spielern, die ich trainiert hatte, der einzige, der für sich beschloss, nicht nur im Fußball berühmt zu werden, sondern alles daranzusetzen, um auch außerhalb des Platzes eine Celebrity zu werden. Während Davids letzter Saison bei United war nicht zu übersehen, dass seine Leistungen nachließen. Zudem kamen uns Gerüchte von einem Flirt zwischen Real Madrid und Davids Beratern zu Ohren. Das Hauptproblem war jedoch, dass sein spielerisches Niveau, welches früher geradezu stratosphärische Höhen erreicht hatte, deutlich abnahm.
In der Auseinandersetzung zwischen uns, die in der Fußballwelt auch einigen Wirbel auslöste, ging es um die 0:2 verlorene Partie im FA Cup gegen Arsenal im Old Trafford im Februar 2003. David war beim zweiten Tor für Arsenal, das Sylvain Wiltord erzielte, nicht am Mann geblieben. Er joggte nur. Und der Junge lief ihm einfach davon. Nach Spielende stellte ich Beckham in der Umkleide zur Rede. Wie es bei David damals üblich war, tat er meine Kritik rundweg ab. Vielleicht glaubte er allmählich, dass er hinten nicht mehr mitzuarbeiten und zu laufen brauchte, obwohl genau das die Qualitäten waren, die ihn zu dem gemacht hatten, der er war. Er saß etwa sechs Meter von mir entfernt. Auf dem Boden lag ein Haufen Fußballschuhe. David fluchte. Ich ging auf ihn zu und trat einen Schuh nach ihm, der ihn direkt über dem Auge traf. Er sprang auf und wollte auf mich los, wurde aber von den Spielern zurückgehalten. »Setz dich«, schnaufte ich. »Du hast dein Team im Stich gelassen. Da kannst du sagen, was du willst.«

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