„Auswärtsspiel“ online

Groundhopper's Paradise

Endlich gibt es „Auswärtsspiel“, die beliebte Rubrik aus dem 11FREUNDE-Magazin, auch online. Den Start macht ein Bericht aus den Tiefen des englischen Fußballs, in die sich unsere Korrespondenten Marc und Dirk Burkhardt begaben. Marc und Dirk Burkhardt
Heft #66 05 / 2007
Heft: #
66
FC United of Manchester – Colne FC 6:2
Bury/England: Gigg Lane
3. März 2007, 2456 Zuschauer



Man United gegen den 1. FC Köln? Das Spielankündigungsplakat in der Innenstadt von Manchester begünstigt allerlei Spekulationen. Bei genauerer Prüfung entpuppt sich die annoncierte Paarung jedoch keineswegs als englisch-deutscher Klassiker, sondern als ein Meisterschaftsspiel der »North West Counties Football League Division One«. Dieses Namenskonstrukt mag etwas kompliziert klingen, ist aber tatsächlich die 6. englische Spielklasse und damit lediglich zwei Aufstiege vom hiesigen Profi-Fußball entfernt.

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Der FC United of Manchester (FCUM) hat es also bereits in die »Verbandsliga« geschafft, wenn man einmal die deutsche Messatte anlegt. Dabei ist es nur zwei Jahre her, dass der Klub von ManU-Fans gegründet wurde, die die Übernahme durch den US-Tycoon Malcolm Glazer nicht hinnehmen wollten. Die Gründung war das größtmögliche Zeichen gegen die zunehmende Kommerzialisierung. Seitdem kann sich der neue Verein vor Zuneigung, Sponsoren, Spielern und Trainern kaum retten. 2500 Zuschauer kommen im Schnitt nach Bury, eine halbe Autostunde von Manchester entfernt. Hier darf der FCUM das Stadion des ortsansässigen Drittligisten für seine Heimspiele benutzen. Sieben britische Pfund (circa zehn Euro) kostet der Eintritt – dafür gibt es bei ManU gerade einmal ein Stadionheft. Die Anhänger von Spitzenreiter FCUM singen vom Anpfiff an ein Lied nach dem anderen. Kein Wunder, die meisten von ihnen sind im Herzen ManU-Fans geblieben und die »Red Devils« haben kurz zuvor 1:0 gewonnen, beim FC Liverpool.

In Bury läuft es auch blendend: Dem jungen Iren Rory Patterson gelingt schon nach 14 Minuten der erste Treffer. Vom überraschenden Ausgleich lassen sich weder FCUM-Spieler noch ihre Fans schocken. Innerhalb von fünf Minuten schießen Jerome Wright und Rhodri Giggs eine beruhigende 3:1-Führung heraus. Giggs? Manchester United? Rhodri Giggs sieht nicht nur von weitem aus wie ManU-Star Ryan Giggs, er ist tatsächlich sein jüngerer Bruder. Und sein Treffer bedeutet das 100. Saisontor des FC United nach 29 Spielen, was unterstreicht, wie dominant der FCUM in dieser Liga auftritt. In der Pause bleibt endlich einmal Zeit für einen Blick durch das Stadion. Auffällig viele Familien sind nach Bury gekommen: Kinder jagen am Fuß der Tribüne einem Ball hinterher, in der fünften Reihe gibt eine Frau einem Baby mit FCUM-Schal die Flasche. Im ganzen Stadion hängen Banner, die sich mit der Entstehung des Klubs beschäftigen. »I don’t have to sell my soul« – »Ich muss meine Seele nicht verkaufen«, steht auf einem. Auf einem anderen ist sogar das St.Pauli-Logo zu sehen. Vereinswappen, Farben und Trikots des FCUM erinnern ansonsten an Manchester United. Auf einen Trikotsponsor hat der FC United vorerst verzichtet, obwohl es durchaus Interessenten gab. Mit Beginn der zweiten Halbzeit setzt sofort wieder Gesang ein. Über zehn verschiedene Lieder stimmen die Anhänger in der zweiten Hälfte an, nur kurz unterbrochen vom Torjubel, als der FCUM das Ergebnis kontinuierlich bis auf 6:2 ausbaut. Laut aber friedlich verteilen sich die sangesfreudigen Fans nach dem Spiel auf die umliegenden Pubs. Der FC United of Manchester steht für so etwas wie basis-demokratischen Fußball in England und will es bis in den Profi-Fußball hinein möglichst auch bleiben. In zwei Jahren könnte es soweit sein.

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