Ausstiegsklauseln – eine Gefahr für die Klubs?

Alptraum von Seite 15

Seit dem Transfer von Mario Götze sind Ausstiegsklauseln das große Thema im Fußball. Sie sollen die Spieler und Berater stärken, die Vereine hingegen schwächen. Dabei sehen Manager und Funktionäre durchaus Vorteile.

Eine Klausel raubte Horst Heldt den Schlaf. Der Manager des FC Schalke hatte sich beim Vertrag mit dem Hoffnungsträger Julian Draxler verschätzt. Die Vereinbarung sah vor, dass Draxler bei einer Ablösesumme in Höhe von 45 Millionen Euro gehen könne. Eine stattliche Summe, doch in Zeiten globaler Transfermarktwirtschaft kennt der Fußball keine Limits mehr. Kaum war Draxlers Vertragsdetail publik, klingelten englische Vereine beim Schalker durch. Beinahe wäre Draxlers mit medialem Trommelwirbel verkündeter Vertrag auf Schalke schon vor Saisonbeginn reif fürs Altpapier gewesen.

14 Seiten umfasst der Mustervertrag bei Transfers, auf Seite 15 ist meist Raum für Sondervereinbarungen. Von der Kleidung bis zur Haushälterin – die Liste der beidseitigen Bedingungen ist manchmal lang. Die Ausstiegsklausel, die einen Wechsel zu bestimmten Konditionen ermöglicht, ist nicht neu. Jürgen Klinsmann ließ sich beispielsweise in den Neunzigern in den Vertrag mit Tottenham schreiben, dass er gehen kann, sollten die »Spurs« nicht international spielen. In Spanien gehört die Klausel fast schon so obligatorisch zum Vertrag wie das Datum, Spitzenspieler wie Mesut Özil sollen 250 Millionen kosten. Neu ist, dass erst die Summen öffentlich und dann die Mondpreise Realität werden.


Verhandlung nur mit der Spieler-Seite



»Ich habe nicht gedacht, dass tatsächlich Vereine so schnell so viel Geld für einen 19-Jährigen bezahlen wollen«, meinte Heldt. »Jetzt ärgere ich mich, dass ich die Summe nicht höher angesetzt habe.« Zu der besonderen Ironie dieser Geschichte gehört, dass gerade Heldt in diesem Sommer in der Fußball-Branche den Titel als »Klauseln-König« einheimste. Bei Transfers wie von Felipe Santana, Leon Goretzka oder Adam Szalai machte sich Heldt zunutze, dass die Spieler für eine festgeschriebene Ablösesumme zu haben waren.

Heldt wurde mit den Worten zitiert: »Der große Vorteil: Ich muss nicht mit zwei Parteien verhandeln, sondern nur mit der Spieler-Seite.« 

Beim Transfer von Leon Goretzka nach Schalke zog dies allerdings Unmut nach sich. Auch der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern sorgte im Dortmunder Lager für reichlich Verstimmung. »Das hätte man von Bayern-Seite stilvoller machen können, wenn sich etwa Karl-Heinz Rummenigge bei uns vorher gemeldet hätte«, monierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Kein Aufschrei trotz klarer Fifa-Regeln



Trägt die Ausstiegsklausel also dazu bei, dass Vereine fortan vor vollendete Tatsachen gestellt werden? Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beispielsweise erklärte in einem Interview mit der »Zeit«, vom Transfer seines Spielers Götze vollkommen überrascht worden zu sein. Dabei hat die Fifa klare Regeln aufgestellt: »Beabsichtigt ein Verein, einen Berufsspieler zu verpflichten, so muss dieser Verein vor der Aufnahme von Verhandlungen mit dem Spieler dessen aktuellen Verein schriftlich von seiner Absicht in Kenntnis setzen«, heißt es im Transferreglement.

Auch dürfte demnach kein Spieler mehr als sechs Monate vor Vertragsende bei einem anderen Klub unterschreiben. Der große Aufschrei der Klubs blieb aber aus, es wirkt wie ein Stillhalteabkommen.

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