Ausgerechnet Podolski!

Sensation: Stürmer trifft!

Die Kölner ringen den Bayern einen Punkt ab. Schön für sie! Poldi schießt dabei ein Tor. Schön für ihn! Mehr aber auch nicht. Jedenfalls nicht: »augerechnet.« Die schicksalhafte Fügung, die man uns suggerieren will, nervt gewaltig. Ausgerechnet Podolski! Man konnte sich nicht so schnell Wachs in die Ohren gießen, wie dieses Wort fiel. Kaum hatte der Freistoß von Lukas Podolski die Torlinie überschritten, entfuhr es Sky-Kommentator Marcus Lindemann wie eine Flatulenz: »Ausgerechnet!«  

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Jahaa, meine sehr verehrten Damen und Herren! Augerechnet er, der im Sommer aus München nach Köln heimgekehrt war, augerechnet er, der umgerechnet (bzw. ausgerechnet) anderthalb Tage reiner Spielzeit auf ein Tor gewartet hatte, ausgerechnet er trifft per Wut-Brumme die Fäuste von Bayernkeeper Jörg Butt, der sich ausgerechnet bei diesem Abwehrversuch verrechnet!  

Ausgerechnet wurde bestimmt auch noch die Geschwindigkeit des Poldi-Projektils. Das wäre dann aber auch das einzige, das hier etwas mit höherer Mathematik zu tun hat. Hinter der Tatsache, dass ein Stürmer ein Tor erzielt, steckt nämlich weniger dramaturgisches Kalkül, als die Berichterstatter, die alles so gern zum Gipfel von irgendwas zuspitzen, mit Melodien aus dem Spannungsfeld zwischen »Freude, schöner Götterfunken« und »Spiel mir das Lied vom Tod« unterlegen und so tun, als ginge es bei jedem Einwurf um vielmehr, als wir plüschohrigen Zaungäste uns überhaupt vorstellen können, uns glauben machen wollen. 


Ein Treffer. Mehr nicht.


Poldis Treffer zum 1:0 war ein Treffer. Mehr nicht. Keine Sensation, sondern das Ergebnis der puren Zwangsläufigkeit seiner Profession, die da heißt: treffen. Nun hat diese Zwangsläufigkeit lange genug nicht gegriffen, gegen die Bayern war es wieder soweit – gut und schön: Er ist ja auch Stürmer. Da kann man mal ein Tor schießen, zumal per eigentlich haltbarem Flatterball.

Er selbst hätte es sicherlich gern früher getan und wird es auch in der Folge wieder tun. Dass er sich diesen Moment aufgespart hätte für das Spiel gegen seinen Ex-Arbeitgeber, wie sich eine Braut für ihren Bräutigam aufspart, das kann nur jemandem einfallen, der bei der Lektüre von Rosamunde Pilcher feuchte Augen bekommt.  

Wir sind gewohnt, dass Koinzidenzen mit hysterischer Stimmlage zu schicksalhaften Fügungen hinauf multipliziert werden. Aber dass ein draufgehämmerter Fernschuss, der mit einer ordentlichen Portion Glück ins Netz flutscht, zur Pointe einer ganzen Fußballer-Existenz aufgeplustert wird, sollte man uns nun doch nicht verklickern wollen. Uns! Ausgerechnet uns! Pfff.

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