Aus aktuellem Anlass: 50 Jahre MSV Duisburg

Dem Boss die Flosse

Unser Autor Klaus Hansen war 15, als sein Herzensverein MSV Duisburg (damals noch: Meidericher SV) die neu gegründete Bundesliga aufmischte. Und heute? Hat sich der MSV mit Ach und Krach in die Dritte Liga gerettet. Erinnerungen an bessere Zeiten.

Als die Fußball-Bundesliga 1963 ihren Spielbetrieb aufnahm, war er, der 15jährige, mit dabei. Zur Überraschung vieler und gegen Proteste der Alemannen aus Aachen und der Fortunen aus Düsseldorf, gehörte sein Verein zu den 16 Auserwählten, die in die neue Elite-Liga aufgenommen worden waren. Mehr als eine Außenseiterrolle trauten ihm die Experten nicht zu. Ein Abstiegskandidat.

Am Samstag, den 24. August 1963 fand das erste Bundesliga-Spiel seines Vereins im 360 Kilometer entfernten Karlsuhe statt, Anstoß 17 Uhr. Ein Auswärtsspiel im »Wildpark«, wie das Stadion hieß. War es von Wisenten und Wölfen umstellt? Unerschrocken sattelte der 15jährige sein Drei-Gang-Fahrrad der Marke Herkules, steckte den grünen Jugendherbergsausweis in seinen Brustbeutel und machte sich am frühen Donnerstagmorgen auf große Fahrt ins Badische. Noch waren Sommerferien und er hatte als Pfadfinder schon einige Erfahrung mit Radtouren.

Der größte Titel der Vereinsgeschichte: Vize-Meister in der ersten Bundesliga-Saison!

Als er zwei Tage nach dem Spiel bei strömendem Gewitterregen wieder zu Hause bei seinen Eltern eintraf, war es eine triumphale Heimkehr: Er trug den höchsten Sieg des ersten Spieltages unter seinem Regenkeep. Mit 4:1 hatte sein Verein den Karlsruher SC geschlagen und wäre, nach heutiger Rechenweise, der erste Tabellenführer in der Geschichte der Bundesliga gewesen und für alle Zeit in die Geschichtsbücher eingegangen. Damals aber zählte der Torquotient mehr als die Tordifferenz; folglich lagen zwei Mannschaften, die knapp, aber ohne Gegentor gewonnen hatten, vor seinem Verein. Am Ende der Saison reichte es dann doch noch zu einem historischen Titel ohne Wert: Sein Verein ist der erste Deutsche Vize-Meister in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Einen bedeutenderen Titel hat er in den inzwischen 111 Jahren seines Bestehens nicht gewonnen. Und Tabellenführer in der Bundesliga war er ganze zweimal.

Der 15jährige ist seinem Verein treu geblieben. Die Anzahl der Heimspiele, die er in nunmehr 50 Jahren versäumt hat, lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Ferien- und Urlaubstermine wurden immer so arrangiert, dass der Heimspielplan davon unberührt blieb. Als er sich beruflich zwischen Leverkusen und München zu entscheiden hatte, wählte er natürlich Leverkusen. Leverkusen hat die höhere Lebensqualität. Von Leverkusen bis zu seinem Verein sind es nur 30 Minuten. Auch den Weg in die 2. Bundesliga und für drei Jahre in die Amateurliga ist er mitgegangen. Die herrlichen Farben seines Vereins sind schließlich überall die gleichen, ob im Olympiastadion zu Berlin oder in der Karl-Knipprath-Kampfbahn zu Jülich.

Als vor 50 Jahren die Bundesliga begann, besuchte der 15jährige eine Schule, die an der Westender Straße mit der Hausnummer 30 lag. Sein Verein war – und ist es noch heute - an der Westender Straße 36 zu Hause. Oft lungerten die Schüler nach Schulschluss auf dem Trainingsgelände herum, sahen den Spielern bei ihren Übungen zu, flaxten mit »Riegel-Rudi«, dem Trainer, und dachten sich kleine Wettkämpfe aus. Der 15jährige blieb seinen Mitschülern insofern in kurioser Erinnerung, als er das von Klassenkamerad Harald ausgerufene Spiel »Dem Boss die Flosse« gewonnen hatte. Ihm war es tatsächlich gelungen, binnen einer Woche dem »Boss« 15mal die Hand zu schütteln. Damals spielte der in die Jahre gekommene und etwas füllig gewordene Torschütze des »Wunders von Bern« bei seinem Verein, Helmut Rahn. Er hörte auf den Kampfnamen »Boss« und war der große Star in einer Schar von Namenlosen.

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