22.08.2013

August, der Monat der Fußballpropheten

HSV steigt ab, Hertha in die Champions League!

Der August wird immer mehr zur Hochzeit der selbsternannten Propheten. Zwei Spieltage und sie wissen, wie der Hase läuft in dieser Saison.

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Früher war das eigentlich eine Bielefelder Spezialität (und natürlich die aller anderen Underdogs): nach dem ersten Spieltag »Spitzenreiter!« singen und Meisterschalen aus Pappe hochhalten, weil man durch einen dummen Zufall oder weil der Gegner noch mental in der Sommerpause war, mit 3:0 gewonnen hatte. Absteigen konnte (und würde) man später immer noch, und eigentlich war das allen auf der Tribüne bewusst. Na ja, halb bewusst.

Gewinnt Pep sämtliche 34 Spiele?

Mittlerweile hat man jedoch das Gefühl, dass diese einst milde spätsommerliche Hysterie viel hochtouriger läuft und zudem auf die ganze Liga übergegriffen hat. Und natürlich sind, bla bla, mal wieder die Medien daran schuld. Gewinnt Pep sämtliche 34 Spiele? Ist Braunschweig das neue Fürth? Aber sicher doch! Die Presse weiß, wie der Hase läuft, nach gerade einmal zwei Spieltagen. Oder einem.

Vor anderthalb Wochen war ich Augenzeuge des, zugegebenermaßen beeindruckenden, 6:1-Sieges von Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt. Die anschließende Schlagzeilen im Berliner Blätterwald waren abenteuerlich, »Hertha kann auch Bayern!« gehörte noch zu den harmloseren. Es klang, als sei die Qualifikation für die nächste Champions- League-Saison bereits in trockenen Tüchern. Ob diese Leute wohl den Kopf von Trainer Luhukay fordern, wenn es für den Aufsteiger am Ende nur zu Platz 12 reicht?

Wir tragen alle den Vorhersage-Virus

Es wäre jedoch zu billig, das Thema auf eine schnöde Medienschelte herunter zu brechen. Diesen bösen Virus, aus dem kleinen Jetzt auf das große Morgen zu schließen, tragen wir alle in uns. Am Montag nach dem ersten Ligawochenende hatte ein 11FREUNDE-Redakteur, der dem Hamburger SV nahesteht, blendende Laune. Ein 3:3 auf Schalke war wesentlich mehr, als der offenbar der Saison in mauer Erwartung entgegensehende Kollege erhofft hatte.

 
 
 
 
 
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