Augsburgs Spielerfrauen packen aus
24.07.2010

Augsburgs Spielerfrauen packen aus

»Unsere Männer sind verwöhnt«

Pumps, Sekt und Handtaschen: Was Spielerfrauen wirklich beschäftigt, ist hinlänglich bekannt. Oder? Wir haben für unser Bundesliga-Sonderheft, das am Donnerstag erscheint, mit drei Spielerfrauen des FC Augsburg gesprochen.

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Robert Brembeck
Für dieses Interview trafen wir uns mit Kathrin Sinkala (verheiratet mit Andrew Sinkala), Maylin Brinkmann (verheiratet mit Daniel Brinkmann) und Eline Peeters (verheiratet mit Jonas de Roeck) im Augsburger Zoo.



Frau Sinkala, um mal mit den gängigsten Klischees anzufangen. Sie gehen mit Stöckelschuhen ins Stadion? 


Kathrin Sinkala:
Damit kann ich prima meinem Sohn hinterherlaufen, wenn er Richtung Treppe rast. Um ihre Frage zu beantworten: nein.

Aber das Bild, das der Boulevard von Spielerfrauen geschaffen hat, ist Ihnen doch bewusst: hübsche Blondinen mit Modellkörper und sündhaft teuren Handtäschchen im Anschlag.


Eline Peeters:
Die meisten Menschen glauben das. Wenn wir irgendwo aufkreuzen und Leute treffen, die uns nicht kennen, bekomme ich meistens die Frage gestellt: »Und wie lange seit ihr schon zusammen? Ach, ihr kanntet euch schon, bevor er Fußballprofi war?« Ich kenne meinen Mann, seit er 16 ist, aber für viele scheint das undenkbar, dass ich mich in ihn verliebt habe, bevor er sein Geld damit verdient hat, gegen einen Ball zu treten.

Glauben Sie denn, dass Ihre Männer einem normalen Beruf nachgehen?


Maylin Brinkmann
: Es ist ein Job, und mein Mann verdient damit seinen Lebensunterhalt. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Ich gehe acht Stunden am Tag arbeiten, und wenn ich nach Hause komme, habe ich meinen Beruf hinter mir gelassen. Bei Fußballspielern ist das anders: Es geht mal rauf, mal runter, und der Job ist auch nach Dienstschluss immer allgegenwärtig. Wirklich abschalten ist einfach nicht drin. Fußball lässt dich nie ganz los. 

Eline Peeters:
Es ist im Grunde ein normaler Job, aber Fußballprofis sind verwöhnt. Sie stehen auf, gehen trainieren und wollen dann das Essen auf den Tisch. Sie kennen es einfach nicht anders. Jedenfalls ist das bei meinem Mann so. 

Kathrin Sinkala
: Das macht man aber auch gerne. Es ist nicht die Hölle auf Erden, nur weil ich für meinen Mann und meine Familie etwas zu essen koche.

Frau Peeters, Frau Sinkala: Sie sind früher beide einem Beruf nachgegangen, jetzt sind Sie Hausfrauen und Mütter. Vermissen Sie manchmal Ihr altes Leben?

Eline Peeters: Ich muss zugeben: Ich vermisse meinen Job. Jeden Tag zu Hause bleiben, ist auf Dauer auch nicht leicht. Ich bin gerne Mutter und auch gerne Hausfrau, aber irgendwann will ich wieder Zeit für mich haben. Und nicht nur für den Fußball. 

Wollen Sie denn jemals wieder arbeiten?


Eline Peeters:
Formell tue ich das ja noch. Die berufliche Karriere ist nur unterbrochen, nicht beendet. Mein Chef in Antwerpen hat mir versprochen, dass ich jederzeit wieder bei ihm anfangen könnte. Aber soll ich mich darauf verlassen? Ich habe versucht, an der Augsburger Universität ein paar zusätzliche Seminare zu besuchen, leider werden die in diesem Semester nicht angeboten. Wenn ich fünf Jahre lang nur auf der Couch sitze und darauf warte, dass mein Mann vom Fußball kommt, wird sich mein Chef sein Angebot wohl noch mal überlegen. Wenn Jonas’ Karriere vorbei ist, will ich mich wieder auf meine konzentrieren. 

Kathrin Sinkala:
Mir geht es ähnlich. Allerdings: Wenn mein Mann gleich nach dem Ende der Laufbahn als aktiver Profi eine großartige Chance erhält, werden die Karten vielleicht wieder neu gemischt.

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Das komplette Interview mit Kathrin Sinkala, Eline Peeters und Maylin Brinkmann, den Spielerfrauen dreier Profis vom Zweitligisten FC Augsburg, findet sich im 11FREUNDE Bundesliga-Sonderheft, das ab dem 29. Juli im Handel zu finden sein wird.
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