Augsburg-Präsident Walther Seinsch vs. USK Bayern
»Extrem aggressiv und kontraproduktiv«
Stellungnahme zu den Vorfällen SpVgg Greuther Fürth gegen FC Augsburg
Am Samstag, 15.12.12 reisten ca. 1800 Fans des FC Augsburg zum Auswärtsspiel ihres Teams nach Fürth. Die meisten Anhänger trafen per Zug oder mit Fanbussen in der Stadt ein. Insgesamt eine ruhige, friedliche und auch mit der Polizei unproblematische Anreise auf allen Ebenen.
Zu betonen ist dabei, dass die aktive Szene des FCA bereits morgens nach Fürth fuhr, um dort in einer Innenstadt-Kneipe etwas zu trinken. Dies wurde vom USK der Bereitschaftspolizei Nürnberg unterbunden und die Fans wurden zum Stadion begleitet. Dort warteten sie mehrere Stunden an ihren Bussen auf den Einlass. Dies geschah friedlich und ohne Probleme.
Auch während des Spiels gab es keine nennenswerten Vorfälle, die das spätere Handeln des USK rechtfertigte.
Ca. 17.30 Uhr, also kurz nach Spielende, kam es zum ersten Einsatz des USK. Ca. 300 Personen bewegten sich 200 Meter Richtung Parkplatz der Shuttlebusse, die alle Zugfahrer zum Hauptbahnhof bringen sollten. Dabei überquerten sie eine Seitenstraße. Von dort wurden die Augsburger Fans von Fürther Anhänger angegriffen. Das USK, das hier absichern sollte, war nicht bzw. zu spät vor Ort um dies zu verhindern. Erst nach dem Angriff der Fürther Fans, griff das USK ein und zwar in dem Sinne, dass jetzt die Augsburger Fans mit Schlagstockeinsatz zusammengetrieben wurden. Unbeteiligte wurden getroffen, Personen wurden beleidigt.
Hier stellt sich ganz klar die Frage, warum nach einem Angriff der Fürther Anhänger Augsburger die Opfer von einem massiven Einsatz des USK wurden?! Auch deeskalierendes Einwirken von Mitarbeitern des Fanprojekts und auch der Augsburger Fanbetreuung wurde bewusst unterbunden. Im Gegenteil, dies wurde mit harschen Worten und zum Teil mit Schlägen gegen den Körper beantwortet. Begründet wurde das Einsetzen von Schlagstöcken mit einer sogenannten »Einsatztaktik«, um die Personen gesammelt zu den Shuttlebussen zu treiben.
Gewalt von Augsburger Fans gegenüber der Polizei ging keine Sekunde aus.
Ca. 18.30 Uhr, nach der Abreise der zugreisenden Fans, eskalierte ein weiterer Einsatz des USK am Gästeparkplatz. Zwei Busse der aktiven Szene warteten auf einen Fan, der nach einem Sturz noch im Krankenhaus geröntgt wurde.
In dieser Phase warteten wiederum rund 100 Fürther Fans in der Nähe, um Augsburger Fans abzufangen. Dies alarmierte das USK. Aber mit folgendem und nicht nachvollziehbarem Ergebnis: Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Gästeparkplatz leer war, die Fans ruhig an den Fahrzeugen standen, kesselten die Beamten des USK die Busse ein, drängten die Fans in die Busse, ebenfalls mit Schlagstöcken in den Händen. Dies geschah mit massiven Beleidigungen gegenüber den Personen, auch Frauen wurden bewusst beleidigt und intensivem Körpereinsatz ausgesetzt. Ein Fan des FC Augsburg erlitt einen Fingerbruch, nachdem ihn ein USK-Beamter geschlagen hatte. Hier wurde Anzeige erstattet.
Der FCA-Sicherheitsbeauftragte Edgar Schweininger, der deeskalierend mit den Fans und den Beamten sprechen wollte, wurde ebenfalls mit körperlicher Gewalt an seiner Arbeit gehindert. Zeugen der Vorfälle waren sowohl der Fanbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte aus Fürth, als auch der Fürther Polizei-Einsatzleiter, der, was zu betonen ist, hier keine Einflussnahme-Möglichkeit auf das USK und dessen eigenen Einsatzleiter hatte.
Insgesamt ist von massiver körperlicher Gewalt gegen Augsburger Fans und Offiziellen die Rede. Von Seiten der Augsburger ging keine Gewalt aus, so dass hier ein absolut unverhältnismäßiges Eingreifen des USK der Bereitschaftspolizei Nürnberg vor sich ging.
Der FC Augsburg hat mit Bestürzung diese Vorfälle wahrgenommen. Gleichzeitig war allen Beteiligten klar, dass diese nicht ohne weiteres hingenommen werden können. Daher wurde umgehend das Gespräch mit der Polizei gesucht.
Positiv ist zu vermerken, dass Herr Roland Gradl, Einsatzleiter der Polizei Fürth, sofort ein Gespräch anbot. Zusammen mit dem Fan- und Sicherheitsbeauftragten aus Fürth trafen sich die Fanbetreuung und der Sicherheitsbeauftragte des FCA in Fürth, um die Vorfälle aufzuarbeiten.
Am Gesprächstermin, der am 16.1.13 in der Trolli-Arena stattfand, entschuldigte sich Polizeioberrat Gradl für die übertriebene Einsatztaktik des USK und vor allem für die Beleidigungen gegenüber den Augsburger Fans. Gleichzeitig versprach er, dies mit der Einsatzleitung des USK klar anzusprechen und die Dinge aufzuarbeiten.
Alle Beteiligten des Gesprächs waren beeindruckt von der Reaktion Herr Gradls und seinem Bemühen, die Vorfälle nicht zu vertuschen, sondern offen zu klären. Dies soll positiv erwähnt werden. Kurze Zeit später erhielten wir die Meldung aus Fürth, dass Polizeioberrat Gradl das Gespräch mit der Einsatzleitung des USK tatsächlich suchte und dort diese Vorfälle deutlich thematisierte. Offensichtlich gab es auch Fehlereingeständnisse von Seiten des USK. Der Hundertschaftsführer des USK wird hier mit seinen Mitarbeitern ein klärendes Gespräch führen.
Der FC Augsburg hat sich trotzdem entschieden, diese Stellungnahme öffentlich zu machen, um einige Dinge deutlich zu machen:
. 1) Es lag an diesem Spieltag eine objektive Unverhältnismäßigkeit des USK- Einsatzes gegenüber Augsburger Anhängern vor, die weder gewaltbereit noch gewaltsuchend waren
. 2) Es wurden Personen grundlos geschlagen, verletzt und beleidigt
. 3) Deeskalierendes Einwirken von Fanbetreuern und Sicherheitsbeauftragten
wurde verhindert
. 4) In Zeiten, in denen von Fangewalt inflationär gesprochen wird, muss es auch
erlaubt sein, Fehlverhalten von Seiten der Polizei aufzuzeigen
. 5) Ebenfalls ist aber hervorzuheben, dass die Fürther Polizei diese Fälle nicht vertuschen will, sondern sehr offen aufzuarbeiten versucht. Dies ist nicht der
Normalfall
. 6) Der FCA bedankt sich für das offene Gespräch mit der Polizei und deren
Einsatz, die Vorfälle mit dem USK zu klären.
. 7) Gleichzeitig hoffen der FC Augsburg und seine Anhänger, dass sich ein
derartiges Verhalten eines USK nicht mehr wiederholt. Die Polizei ist für die Sicherheit zuständig, diese darf sie aber nicht selbst gefährden und zur Eskalation beitragen.
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