Augsburg im Halbfinale

Riese oder Scheinriese?

Der Zweitligist FC Augsburg ist zum Aushängeschild seiner Stadt geworden und klopft an die Tür zur Bundesliga. Und er will an diesem Dienstag den hohen Favoriten Werder Bremen im Pokal-Halbfinale überraschen. Ob's klappt? Augsburg im Halbfinale Es ist nicht lange her, da waren Hürden wie der TSV Dasing oder TSV Aindling zu hoch. Und der FC Augsburg schon gescheitert, ehe der DFB-Pokal erst richtig anfing. Es waren die Zeiten, in denen der Traditionsverein, aus dem immerhin Bernd Schuster und Helmut Haller entwuchsen, noch in der Bayernliga kickte, »und der FCA vor zehn Jahren seine Stromrechnung nicht bezahlen konnte«, wie Geschäftsführer Andreas Rettig gerne erzählt. Doch spätestens seit dieser Saison ist Augsburg mehr als nur Heimstätte der Puppenkiste, jenes Marionettentheaters, aus dem die populäre TV-Produktion »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer« stammt. Der FCA ist zu einem Aushängeschild der drittgrößten Stadt Bayerns erwachsen, aktuell Zweiter der Zweiten Liga und nun Gast beim Pokalverteidiger Werder Bremen, der am Dienstag (20.30 Uhr/live im 11FREUNDE-Ticker) im Halbfinale zum vierten Male Heimrecht genießt.  

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Solch eine Konstellation könnten findige Macher wie DFL-Mitglied Rettig, erstligaerprobt beim 1. FC Köln und beim SC Freiburg, ja dazu verführen, auf eine Regeländerung zugunsten klassenniedriger Vereine zu plädieren, doch Rettig ist so clever, dies vor »dem Highlight der Vereinsgeschichte« nicht zu tun: »Damit würden wir der Mannschaft nur ein Alibi liefern.«

Augsburg logiert in einem Hotel nahe der Galopprennbahn Vahr

Stattdessen hat sich der Strippenzieher etwas anderes ausgedacht: Bereits am Sonntag reisten die Augsburger nach Bremen, seitdem wird in einem Hotel nahe der Galopprennbahn Vahr logiert und unter der Regie von Trainer Jos Luhukay auf Plätzen am Uni-Gelände trainiert. Die generalstabsmäßige Vorbereitung solle als klares Signal dafür dienen, »dass wir alles fürs Weiterkommen tun«, sagt Rettig. Das Wort Sensation kommt nicht über die Lippen des Managers, der mit dem Zweitliga-Aufstieg 2006 in Augsburg die Fäden in die Finger bekam. Aber er sagt er Sätze wie diese: »Ich bin überzeugt, dass wir ins Endspiel kommen.« Oder: »Ich weiß nicht, wie hoch wir gewinnen, aber ich weiß, dass wir zeigen werden, dass auch in der Zweiten Liga ordentlich gekickt wird.«      

Derlei Zuversicht wird gespeist von einem neuen Rollenverständnis des Augsburger Fußballs, der 27 Jahre lang nicht im Profigeschäft vertreten war. Angefangen hat der Aufstieg damit, dass der Unternehmer Walther Seinsch, 68, Gründer zweier erfolgreicher Textilketten, sein Herz für den FCA entdeckte. Ohne ihn gäbe es weder eine erstligaverdächtige Mannschaft noch eine erstligareife Arena. »Das Umfeld kann in der Bundesliga bestehen«, insistiert Rettig.  

In Bremen hängen überall Ankündigungsplakate mit der Aufschrift »Herzlich willkommen«. Abgebildet sind Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und Scheinriese Herr Tur Tur. Ob letztere Erscheinung ein gutes Omen für die Augsburger ist? Schließlich ist Herr Tur Tur nur normalsterblich groß, wann man ihn aus nächster Nähe anschaut.

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