Aufgetaucht: Babbels Fahrtenbuch

»In Montabaur leise geweint«

Auf verschlungenen Wegen ist uns Markus Babbels Fahrtenbuch zugespielt worden. Es beweist, wie sehr ihn die Doppelbelastung als Teamchef in Stuttgart und Schüler beim DFB-Trainerlehrgang in Köln wirklich mitgenommen hat. Aufgetaucht: Babbels Fahrtenbuch
Heft#97 12/2009
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Stuttgart-Köln

Neue Saison, neuer Dienstwagen. Fährt in der Spitze 220, das bedeutet Stuttgart-Köln in 75 Minuten. Inklusive Halt an der Raststätte Montabaur Ost. Dort gönne ich mir traditionell das Jägerschnitzel mit Pommes und Salatbeilage. Anschließend allerdings starkes Sodbrennen. Gegen 11 Uhr in Köln, Trainerlehrgang läuft schon, Ausbilder Wormuth schaut streng. Schönen guten Morgen und, ach ja, wer von uns beiden spielt noch mal dieses Jahr Champions League?  

Köln-Stuttgart

Könnte besser laufen beim VfB. Habe mir auf der Rückfahrt von Köln aber ein anspruchsvolles System überlegt. Stichwort Rotation im 5-4-4-System mit zwei hängenden Flügelspitzen und dem Pogreb..., Probeg..., dem Dingsbums als Sturmspitze vor der Abwehr. Habe Wormuth bereits meine Pläne vorgestellt. Sagt er, es sei da noch »Luft nach oben«. Sag ich: Danke für nichts.                                                                

Stuttgart-Köln

Heftiger Streit mit Horsti um Pendlerpauschale. Kenne aber meine Rechte: 30 Cent ab dem ersten Entfernungskilometer, laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. November 2008. Knalle dem Manager dann auch gleich die erste Abrechnung hin. Habe natürlich die Jägerschnitzel mit aufgeführt, Verpflegungsentgelt. Brüllt Horsti: »Kann die gequirlte Scheiße nicht mehr sehen!« Ich fand´s lecker.          

Stuttgart-Köln

Köln ist die Hölle. Die Sechsenschreiber vom Lehrgang machen sich über mich lustig. »Wie läuft das Praxissemester?« grient Ziege, und Lottner fragt mich scheinheilig um Rat: »Meinst du, der Job in Stuttgart wäre was für mich? Ich hab gehört, da wird demnächst was frei!« Sehr witzig. Beschleunige auf der Rückfahrt auf 210. Dann Jägerschnitzel in Montabaur. Wieder Sodbrennen, dazu unangenehmes Aufstoßen.    

Stuttgart-Köln

Diese Woche kein Lehrgang. Weiß Horsti natürlich nichts von. Habe mich (Cleverle!) zum Schein telefonisch von der A3 gemeldet. Inklusive Funkloch, hehe. Stand in Wirklichkeit an der Tankstelle Heilbronner Straße (30 Liter Superbenzin, 1 Kinder Pingui), danach schnell wieder zurück ins Bett. Horsti hat dann noch mal anrufen, klang aber sehr reserviert, beinahe frostig. Lag sicher an der prekären sportlichen Lage. Oder daran, dass er auf dem Festnetz angerufen hat.  

Köln-Stuttgart

In der Presse ist die Hölle los. Bin angeblich überfordert, komme mit der Doppelbelastung nicht zurecht. Bullshit. Dass ich nicht lache! Verdammte Zeilenknechte! Dabei habe ich alles im Griff, bereite die Mannschaft optimal auf die Spiele vor. Dann klingelt die»„Stuttgarter Zeitung« durch. Mit welcher Elf ich morgen gegen den FC Sevilla spielen lassen will. Falle aus allen Wolken, das ist schon morgen? In Montabaur gehalten, leise geweint.                                                              

Stuttgart-Köln
Alle wollen meinen Job. Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald. Was ist da dran? Rufe natürlich sofort bei Horsti durch. »Da ist überhaupt nichts dran«, beruhigt mich der Manager. »Soll heißen, es ist noch nichts unterschrieben. Jedenfalls nicht mit Guido Buchwald.« Das hört man gerne, das Schnitzel in Montabaur (Remoulade!) schmeckt mir heute doppelt so gut.                                                              

Stuttgart-Köln

Gestern war Pokal in Fürth. Wir haben gewonnen, beinahe jedenfalls. Telefoniere im Auto mit der Presse. Die Totalversager Lehmann, Osorio, Tasci, Delpierre, Boka, Kuzmanovic, Träsch, Elson, Hitzlsperger, Marica und Porgeb..., egal, kriegen natürlich persönlich und mit Namensnennung ihr Fett weg. Ansonsten stelle ich mich schützend vor die Mannschaft. Ehrensache!  

Köln-Stuttgart

1:1 in Sevilla. Das verbessert auch mein Standing in Köln. Bin zum ersten Mal seit Monaten nicht mehr mit dem Tafeldienst dran. Allerdings schon wieder Ärger in Stuttgart. Die Medien mutmaßen, das Verhältnis zwischen dem Manager und mir sei seit einigen Wochen deutlich distanzierter als früher. Das ist völliger Quatsch, das weiß ich und natürlich auch der Herr Heldt.

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