24.02.2008

Auf Schalke wird es unbequem

„Slomka raus!”

Schalke 04 hat mit dem 0:1 bei Bayer Leverkusen die zweite Bundesliga-Niederlage in Folge kassiert und weiter Boden auf Platz drei verloren. „Bitter”, sagte Trainer Mirko Slomka. Auch für ihn selbst – Die Fans riefen: „Slomka raus!”

Text:
Manfred Hendriock
Bild:
Imago
Auch in erfolgreicheren Zeiten war Mirko Slomka nie ein Trainer der Herzen: Lautstarke Sympathie-Kundgebungen hat es für ihn in den vergangenen 26 Monaten, so lange ist er schon im Amt, im Stadion nur ganz selten gegeben. Bei der 0:1-Niederlage in Leverkusen schlug die bisherige Gleichgültigkeit vieler Schalker Zuschauer gegenüber dem Trainer nun ins Negative um: „Slomka raus”, skandierten die mitgereisten Fans.



Für große Überraschung sorgte das in Schalke nicht: „Es war doch klar, dass das irgendwann kommen wird”, sagte Präsident Josef Schnusenberg der WR.

„So ein Tor habe ich vielleicht mal in der F-Jugend geschossen”

Ein wahrer Glücksschuss von Nationalspieler Manuel Friedrich in der 85. Minute brachte Schalke und Slomka in diese Bredouille. Friedrich traf mit einer als Flanke gedachten Bogenlampe aus 37 Metern genau in den hinteren Torgiebel von Schalkes Schlussmann Manuel Neuer. „So ein Tor habe ich vielleicht mal in der F-Jugend geschossen”, strahlte Friedrich und erzählte mit breitem Grinsen und noch mehr Ironie: „Natürlich war das Absicht. Ich sehe, dass Neuer weit vor dem Tor steht, und haue den Ball rein.” Ein kleiner Spaß zur Bayer-Feier. Schalkes Torwart sah angesichts der Kuriosität des Treffers zwar unglücklich aus, hatte aber keine Abwehrchance: „Der Ball hatte eine ganz dumme Flugbahn. Ich habe alles versucht, aber ich bin nicht drangekommen.”

Eine weitere Diskussion um Neuer hätte aber auch von den wahren Problemen abgelenkt. Leverkusen war um diesen einen Glückstreffer besser und ließ Trainer Michael Skibbe auch nach einem reinen Arbeitssieg schwärmen: „Ich bin tief beeindruckt von meiner Mannschaft. Sie hat sich mit Haut und Haaren diese drei Punkte verdient.” Denn die Bayer-Elf hatte nach dem UEFA-Pokal-Spiel gegen Galatasaray nur 45 Stunden Pause. Schalke indes wusste dies nicht auszunutzen: In den gesamten 90 Minuten gab es von den Gästen einen einzigen ordentlichen Spielzug zu bestaunen, als Kobiashvili nach Vorarbeit von Rafinha knapp verzog (68.).

Das war beschämend wenig. Selbst Slomka, eigentlich in der Kunst des Schönredens wohl geübt, sagte ganz kleinlaut: „Unser Spiel nach vorne ist sehr kritisch zu beäugen.” Dabei hat Slomka gerade in der Offensive so viele Möglichkeiten, doch er nutzt sie einfach nicht aus und schenkt immer wieder den gleichen Spielern das Vertrauen. So brachte er zur Pause für den enorm behäbigen Asamoah erneut Lövenkrands - viele Fans hätten statt dessen gerne mal den quirligen Sanchez gesehen. Und als Slomka nach dem Rückstand (übrigens nach Ballverlust von Lövenkrands) auch noch Altintop statt Sanchez einwechselte, verstanden die Anhänger die Welt nicht mehr und riefen: „Slomka raus”.

Von den in der Winterpause verpflichteten drei Neuzugängen kam nur Albert Streit (ab der 59. Minute) zum Einsatz. Weil die Spieler auf Slomkas Wunsch hin verpflichtet wurden, ist das Erstaunen darüber heftig - es ist den Verantwortlichen bisher aber nur am Minenspiel anzusehen und wird noch nicht artikuliert. „Dazu sage ich nix”, sagte Schnusenberg, als er darauf angesprochen wurde. Manager Andreas Müller sagte übrigens gar nichts: Er war nach dieser Schalker Vorstellung so bedient, dass er lieber schwieg, als etwas Unbedachtes von sich zu geben.

Der Frust ist groß, weil die Schalker Formkurve immer noch wie eine Achterbahnfahrt aussieht: Oben nach dem Derby-Sieg und dem Porto-Spiel, ungebremst nach unten jeweils bei den Bundesliga-Pleiten gegen Wolfsburg und Leverkusen. Damit nimmt der Druck auf Slomka jetzt wieder zu, weil nun zwei ganz entscheidende Spiele anstehen: Am Samstag gegen Bayern München in der Bundesliga, danach geht es zum Rückspiel nach Porto. Ob das auch für Slomka Endspiele sind, steht noch nicht fest. „Ich habe nicht mitgerufen”, sagte Schnusenberg zu den Anti-Slomka-Sprechchören: „Dann hätte das eine andere Qualität.”


Dieser Artikel erschien im Internetportal DerWesten

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