28.06.2012

Auf diese Gegner müssen die Deutschen achten

Gladiatoren strullen nicht

Die Stimmung im deutschen Lager ist entspannt vor dem Halbfinale. Dabei gibt es bei den Italienern durchaus Spieler, die Löw'sche Sorgenfalten produzieren können - die vier Weltmeister von 2006.

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Gianluigi Buffon

Als der italienische Nationaltorwart kurz vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen England wieder aus den Katakomben hervortrat, stand er für einen kurzen Moment im Lichte des Stadions von Kiew wie ein Gladiator, so kühn, angstlos und siegesgewiss, seine Zähne strahlend wie die Schuhe Gottes. Eine Vorentscheidung, wie jeder sofort erkennen musste, der im Kontrast sein hibbelig-überdrehtes Gegenüber Joe Hart beobachtete.

Doch warum hatte Buffon sich zuvor überhaupt zurückgezogen? Um genau diesen Auftritt zu inszenieren, sich von einer dienstfertigen Zofe noch schnell die Unterarme mit Olivenöl einreiben zu lassen? Dass er bloß sein Wasser abschlagen musste, ist ihm und uns dann doch zu profan. Gladiatoren strullen nicht. Und sollte er mit La Mama telefoniert haben, dann bestimmt nicht, um sich Mut zusprechen zu lassen. Sondern nur um anzukündigen, dass er gleich den Schuss von Ashley Cole festhalten werde. Für sie.

Ausschließen wollen wir allerdings, dass Buffon noch schnell eine Wette platzierte. Wie gesagt: Wir wollen. Aber wir können nicht. Diesem Keeper, dem wohl nervenstärksten des Weltfußballs, ist alles zuzutrauen. Sogar, dass er das große Paradox in die Wirklichkeit übersetzt: Er hält tatsächlich die Unhaltbaren. Also bitte erst jubeln, liebe Fanmeilen-Besucher, wenn das Tor schon in den Almanachen geführt wird.

Andrea Barzagli

Hinterhältiger geht es kaum: Barzagli hat sich lange vor dem Halbfinale als Deutscher verkleidet. Würde die Kleiderordnung der Uefa es erlauben, er trüge auf dem Platz ein in die Hose gestecktes Karohemd. Doch selbst im italienischen Trikot wirkt der Abwehrchef wie ein Kombi-fahrender Familienvater, der Frau und Kind durch die polnische Nacht wohlbehalten zurück in die Wolfsburger Doppelhaushälfte bringt. Dort, beim VfL, ließ er sich von 2008 bis 2011 von Felix Magath zum Deutschen ausbilden. Täglich köpfte er Medizinbälle über den Mittellandkanal.

Und all das nur, um im kommenden EM-Halbfinale den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen, mit Härte, Ausdauer und brummiger Präsenz. Genau das also, was einst schon Arminius, der Cherusker-Fürst, tat. Nur eben andersherum: Der Germane diente erst im römischen Militär und schlug es dann vernichtend. Droht 2003 Jahre danach also die Rache für die Varusniederlage? »Das wird eine große Schlacht«, so Barzagli vor dem Spiel. Bezeichnend.

Antreiber und Zerstörer

 
 
 
 
 
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