Aubameyang auf den Spuren Gerd Müllers

Scheiße, ist der gut

Anfangs wurde Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang ein wenig belächelt. Nun könnte er den Tor-Rekord von Gerd Müller einstellen.

imago

Was ist das denn für ein Vogel? Als Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund vorgestellt wurde, sah er aus, als hätte ihn jemand aus einem Marvel-Comic herausgeschnitten und ins Westfalenstadion geklebt: die Frisur, der Schmuck, diese schreienden Farben.
 
Sicher, man hatte sich im modernen Fußballzirkus mittlerweile an allerhand gewöhnt. An Camouflage-Autos und goldbesetzte Stirnbänder, Frisuren, die aussehen wie eine Miniatur des guatemaltekischen Tropenwaldes  – aber in der Bundesliga waren solche Extravaganzen eher selten. Trotz Abel Xavier. Trotz Taribo West.

4000 Swarovski-Kristalle
 
Und dann kam Pierre-Emerick Aubameyang. Einer, der sich das Spiderman-Logo in die Haare rasieren ließ. Der einen giftgrünen Aston Martin fuhr. Der mit Schuhen trainierte, die mit 4000 Swarovski-Kristallen besetzt waren. Der sagte, dass er sich täglich Konzerte von Michael Jackson anschaue, um sich modisch inspirieren zu lassen.
 
Wenn Spieler auf ihre Bling-Bling-Show angesprochen werden, sagen sie gerne, dass sie ja eigentlich ganz normal seien. Bescheiden, sparsam, bodenständig. Biedermänner in Superman-Kostümen. So auch Aubameyang. Der schwor: »Auch wenn ich extravagant bin, verbringe ich lieber meine Freizeit zurückgezogen auf dem Land als zum Beispiel in Saint-Tropez.«
 
Pierre-Emerick Aubameyang mit dem Mähdrescher auf dem Feld und dem Wanderstock im Harz. Schwer vorstellbar, das schon, wobei man natürlich nicht weiß, ob der Wanderstock aus 40.000 Swarovski-Kristallen besteht.

Kritik von Jürgen Klopp
 
Heute weiß man: Aubameyang ist für Überraschungen gut. Die größte allerdings ist seine Leistungsexplosion, denn anfangs schienen sie selbst in Dortmund nicht so recht daran zu glauben, dass Aubameyang mal einer werden könnte wie Robert Lewandowski. »Er muss lernen, auch dann torgefährlich zu sein, wenn er mehr leisten muss, als nur einen Gegenspieler im Sprint abzuhängen. Sonst wird das irgendwann zu durchsichtig. Da muss er flexibler werden«, sagte Jürgen Klopp Anfang 2014 der »Welt«.
 
Es war nicht so, dass Aubameyang damals den Platz stolperte. Im August 2013 debütierte er sogar recht eindrucksvoll in der Bundesliga, er schoss drei Tore gegen den FC Augsburg. Damals waren die Anhänger und Journalisten beeindruckt vom High-Speed-Fußball des Gabuners. »Turbo« nannten sie ihn, und beinahe wöchentlich konnte man lesen, wie schnell Aubameyang wirklich ist (wie ein ICE, wie eine Rakete, wie Usain Bolt). Beim BVB-Fanportal schwatzgelb.de war man sich sogar sicher, dass Aubameyang »schneller am Buffet« sei als Reiner Calmund, was eigentlich kaum möglich ist.

Aber was brachte ihm die Schnelligkeit? Er vergab viele Chancen, und irgendwann rotierte er häufiger aus der Mannschaft, als ihm lieb war. In den ersten zwei Spielzeiten erzielte er 13 und 16 Tore. Akzeptable Quoten für einen, der eher auf der Außenbahn oder hängend spielte. Aber eine Granate wie Lewandowski war er nicht. Oder?

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